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«Spoke» dürfte einen Gang höher schalten

Bedürfnisse entstehen selten, sie werden geweckt. Ein Wecker sollte wohl auch das neue Magazin «Spoke» sein, nach eigenem Bekunden «das erste deutsche Singlespeed Magazin», die Zeitschrift «für urbane Fahrradkultur». Dessen Herausgeber ist der Delius Klasing Verlag in Bielefeld, der sich mit «Bike» und «TrekkingBike» einen guten Namen gemacht hat.

Doch ob auf «Spoke» jemand gewartet hat oder (auf die nächsten Ausgaben) warten wird, ist eher fraglich. Mit 47 bin ich wohl nicht zur engeren Zielgruppe zu zählen, doch die paar Geschichten der ersten Nummer kommen eher dünn daher und fesseln nicht wirklich. Mitunter erinnern sie an einen Schulaufsatz («Ein Tag beim Kölner Bike Syndikat») oder scheinen schwer von absatzgierigen Anbietern gesponsert. Doch das mag gewollt sein, und schliesslich wirft Delius Klasing ein neues Fahrradmagazin nicht aus verkehrspolitischen Gründen auf den Markt, sondern und natürlich aus marktwirtschaftlichen Überlegungen.

Das ist womöglich ein hartes und vorschnelles Urteil. Dabei sind Initiativen, die eine menschen- und umweltfreundliche Mobilität in den Städten und Agglomerationen fördern, unbedingt unterstützenswert. Denn steigen nur jene aufs Zweirad um, die dies des grünen Anstrichs wegen tun, ist erst wenig erreicht. Insofern ist ein «Magazin für Singlespeed, Fashion & Lifestyle» (Untertitel) durchaus begrüssenswert. Bloss: Wer bloss einen Gang fährt, darf ruhig auch die höheren benutzen, wenn er darüber publiziert.

Peter Horsch, Begründer der Singlespeed-Community in Deutschland, dürfte mir darin beipflichten. In der aktuellen Ausgabe von «fahrstil» erklärt er, weshalb er sich von der Szene wieder entfernt hat: «Für mich ist der wahre Geist des Singlespeedens heute leider nicht mehr da. (…) Der Sinn eines Singlespeed-Bikes ist für mich, günstige, einfache Teile zu verwenden und ein Rad zu bauen, das mit wenig Geld gut funktioniert. Für mich stehen die High-Tech-Singlespeedräder, die mit Chris-King-Teilen und so aufgebaut werden, im Widerspruch zu dem Geist von Singlespeed. Ein Singlespeedrad besteht für mich gern aus einem alten Rahmen, den jemand schon wegschmeissen wollte, dem ein neues Leben eingehaucht wird. Teile, die gut sind und funktionieren, die einen gewissen Charme haben, aber nicht die brillanten sind. Das straht eine Nutzbarkeit aus, die auch bewusst zeigt, was Singlespeed zeigen sollte: Die Abkehr von diesen Fullys, von Scheibenbremsen, von der Technik, die kaputt gehen kann und Geld kostet und noch mehr Zeit kostet in der Wartung.» Singlespeeds, meint Horsch, seien nicht dazu da, vor der Eisdiele anzugeben.

P.S.: Und übrigens dürfte die Grundschrift von «Spoke» dürfte ruhig ein, zwei Punktgrade grösser sein. Doch vielleicht ist auch dies eine Altersfrage. Sorry.

Autor:

…geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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