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Bärlauch und das Hohelied der Liebe

Postkartensujets und Urwald gibts in der Schweiz gleich nebeneinander. Die heutige Ausfahrt an diesem Vorfrühlingstag mag als Beweis dafür dienen. Behandschuht und mit warmen Beinkleidern gehts nach acht vor der eigenen Haustüre los, die Sonne scheint, aber wärmt noch nicht, es wärmt erst das Pedalieren Richtung Zug. Nach lauten Fasnachtstagen herrscht an diesem Aschermittwoch so etwas wie seelige Ruhe. Sins, Hagendorn, Knonau und stille Einkehr dann in der Kirche des ehemaligen Zisterzienserklosters Kappel: Ein hoher, kühler Raum, der Kraft ausstrahlt. Auf dem Lesepult liegt aufgeschlagen die Bibel mit der Schrift zum heutigen Tag: Das Hohelied der Liebe. Wunderbar! Was passte besser zu dieser Zeit?

Zürcherinnen und Zürcher im Bezirk Affoltern: Dieser Mann ist daran, Ihr Vertrauen zu ergrinsen. Sie entscheiden am 3. April 2011 mit Ihrer Stimme!

Hausen am Albis lasse ich links liegen; nach Ebertswil finde ich den Eingang zum Sihlwald, ein Wald, der sich seit dem Jahr 2000  zu einem Naturwald ohne menschliche Eingriffe entwickelt. Was nun folgt, ist ein Eintauchen in eine andere Welt, in die gerade der Frühling Einzug zu halten gedenkt. Zartes Grün von Bärlauch überzieht den Waldboden teppichgleich. Ein Wunder, das mich dankbar durchatmen lässt. Kaum eine Menschenseele begegnet mir. Die Waldstrasse ist mit dem Tourenvelo gut zu befahren, mit einem Bike wär‘ der Genuss freilich noch grösser.

Die Idylle hat nach zehn, zwölf Kilometern ein abruptes Ende. In Langnau empfängt den Velofahrer die Einfamilienhäuschenschweiz, und um die breite Albispass-Strasse kommt er nicht herum. Hinter dem knapp 800 Meter hohen Übergang ruhen der Türlersee und das Aeugstertal; eine Idylle, die derzeit allerdings von der Volkspartei (und ein paar anderen Politfüchsen) ziemlich verunstaltet wird. Bei Habersaat etwa, so heisst hier ein Weiler, von einem mir unbekannten John Appenzeller.

Was solls, ich bin nicht Zürcher, und wär‘ Mister John ein Luzerner, ich würde ihm am 10. April (jawohl, auch wir haben ein Wahljahr) trotzdem die Stimme nicht geben. Der Mann grinst mir zu verdächtig ins Land hinaus.

Statt dessen peile ich nach 50 Kilometern in Affoltern den Bahnhof an. Zuhause will noch gehaushaltet werden. Um 16 Uhr fülle ich die Wäschetrommel.

Hier gehts zur Bilergalerie dieser Tour.

Schweizer Mittel- und Durchschnittsland: Oberhalb Kappel am Albis.

Im Sihlwald: Leise knistert das Laub unter den Rädern.

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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