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Schwingding? Das gabs doch irgendwie schon

Das Schwingding hat zwei drehbare Achsen, die gewohnte unter dem Lenker wie jedes Velo und eine zweite unter dem Sattel. (Bild: www.schwingding.com)

«Eine Startup-Firma aus St. Gallen bringt ein Velo, das swingt und viel Spass macht», leitet die heutige «NZZ am Sonntag» einen Artikel über «ein cooles Fun-Velo» ein, das sich Schwingding nennt und für 499 (Junior-Version) oder 599 Franken (normale Grösse) erhältlich ist. Das Schwinding ist ein Velo mit zwei beweglichen Achsen: Das Sattelrohr wird sozusagen zum zweiten Steuerrohr, wodurch das Schwingding eine hintere Lenkung verpasst kriegt. Der Anfänger steuert damit unfreiwillig in den Graben, der Könner macht sich diesen Umstand trickreich zunutze. Gebremst wird, hinten, wie in guten alten Zeiten per Rücktritt. Die einfachste Lösung; um die drehbare zweite Achse herum wäre beinahe ein Ding der Unmöglichkeit und pannenanfällig.

Das Vorbild steht im Velomuseum in Brügg

Eine tolle Sache, zumal sich der Velofahrer immer über junge Leute freut, die auf zwei Rädern den Markt zu erobern ansetzen – auch dann, wenn die Idee vorab dem Geschäft dient und kein Beitrag zu einer vernünftigeren Mobilität ist. Schmunzeln musste er bei der Lektüre des Artikels deswegen, weil die Idee, welche die zwei jungen St. Galler Stefan Köppel und Marco Giannotta aus den USA eingeführt haben, keineswegs neu ist, denn der Velofahrer hat sich vor zwei Wochen bei seinem Besuch des Velomuseums in Brügg bei Biel – mehr dazu hier – eine verblüffend ähnliche Konstruktion erklären lassen, die schon einige Jahrzehnte alt ist: Ein Kunstradfahrer, dessen Name mir entfallen ist, verband damals zwei Einräder mit einem kleinen Rahmendreieck, in welches sich die Sattelrohre der beiden Einräder drehbar einklinken liessen. So konnten zwei Einradartisten einerseits gemeinsam ihre Kunststücklein vorführen und anderseits während der Fahrt sich aus dem Rahmen klinken, getrennte Wege fahren und sich wieder zusammenfinden. Was freilich ungleich mehr artistisches Können vorausgesetzt haben dürfte als eine Schwingding-Runde.
Wie auch immer: Den Schwingding-«Erfindern» gönnt der Velofahrer jedwelchen Erfolg. Und schlägt ihnen vor, bei nächster Gelegenheit dem Velomuseum einen Besuch abzustatten. Vielleicht schlummert dort ja noch die eine und andere weitere Idee, die der Wiedererweckung harrt.

Autor:

…geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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