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Wir Velofahrer wollen auch sechs Spuren

Mitunter versteht der Velofahrer die Welt nicht. Oder zumindest seine Landsleute. (Wobei: Wer versteht erstere denn schon? Und wer unser Volk?) Gestern meldete der «Tages-Anzeiger» online, wie sich die Gebühr, die seit Mitte Januar zahlen muss, wer in Mailands Innenstadt autofährt, bereits den Verkehr eingedämmt und die Luft verbessert hat. Die Gebühr beträgt fünf Euro pro Tag. Die Kommentare liessen nicht lange auf sich warten. Und die befürwortenden schienen, wiewohl sie der Velofahrer nicht gezählt hat, zu überwiegen: «Kein Rückschritt ins Mittelalter, sondern ein mutiger Schritt. Eine Maut in gewissen Innenstädten ist neben autofreien Stadtzentren eine gute Methode, die Lebensqualität in diesen Städten zu heben. Die Kompromisse, die in der Schweiz meistens gemacht werden, reichen jeweils kaum aus, um anstehende Probleme an der Wurzel anzupacken.»

Die Unverbesserlichen dürften sich freilich erst dann in grösserer Zahl melden, wenn mal irgendwo über Road Pricing – eine Maut – abgestimmt wird. Landsleute wie dieser Kommentator: «Wenn das in Bern auch eingeführt würde, dann müsste ich vehement protestieren: Wir bezahlen in der Stadt horrende Mietpreise, bezahlen Parkgebühren à gogo (Zonenplatzkarte), Benzinsteuer, Fahrzeugsteuer, Oelsteuer, Vignette etc. Und dann noch Maut????????? Die Milchkuh der Nation, hä??? Wie lange lässt sich der Autofahrer das noch bieten?» (Dem Velofahrer genügt es, ein Fragezeichen hinter diese Zeilen zu setzen.)

Über die eigene Nasenspitze hinaus denken

Gleichentags gab der Bund grünes Licht für einen dritten Gubrist-Tunnel, einen Ausbau auf sechs Spuren also. 940 Millionen sind für das Projekt veranschlagt; würde es dereinst ausgeführt (was anzunehmen bzw. zu befürchten ist), wird der Betrag auf über eine Milliarde steigen. Mit der dritten Röhre sollen – aha! – die Staus reduziert werden. Ein Argument, auf das jeder Autofahrer nach wie vor hereinzufallen scheint, weil es nicht seine eigenes Mobilitätsverhalten hinterfragt. Kommentator S. ist einer der wenigen, die über die eigene Nasenspitze hinaus denken. Er schreibt: «Kurz- und mittelfristig bringt dies sicher eine Entlastung. Die Tendenz zur Zunahme des Verkehrs wird mit Kapazitätserweiterungen aber wiederum angeheizt bzw. die neuen Spuren ziehen auch neuen Verkehr an, so dass man 10 oder 20 Jahre später wieder gleich weit ist. Einzige Möglichkeit, dem entgegen zu wirken wäre die Verteuerung des Verkehrs, wogegen dann aber wieder starke Opposition erwächst.» Recht hat aber auch Leser W.: «Wenn mehr wohn- und industriegebiete erschlossen werden, müssen auch die verkehrswege entsprechend erschlossen werden.» Verkehrspolitik fängt mit der Raumplanung an.

Wie auch immer: Mit der Gubrist-Milliarde liessen sich sooooooo viele vernünftige, schöne, schnelle und also attraktive Veloverbindungen schaffen, dass verkehrsmengenmässig insgesamt ein prall autogefüllter Gubrist-Tunnel eingespart werden könnte. Tag für Tag.

Artikelbild übernommen von TA-online

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wenn ihr mehr Strassen für Velos wollt dann bezahlt sie auch selber wie die Autofahrer, aber immer nur fordern aber nie selber zahlen

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  2. Willst du damit ausdrücken, dass nur das Geld regiert und dazu berechtigt, unser aller Lebensgrundlage zu zerstören?
    Kennst du die König Midas – Sage? Schon die alten Griechen wussten, dass man Gold schlussendlich nicht essen kann.

    Ganz abgesehen davon: Es gibt viele gut verdienende Radfahrer, welche brav ihre Steuern entrichten. Wir finanzieren damit auch Verkehrslösungen für Autofahrer. Ausserdem entlasten wir den Strassenverkehr damit, dass wir den Arbeitsweg und unsere Einkäufe mit dem Velo bestreiten.

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