Man kann mit einer Velo-Demo der Veloförderung auch schaden. So geschehen gestern Samstag in Luzern. Als «Critical Mass. Kreativer Fahrrad-Umzug» war die Rundfahrt am Nachmittag durch die Stadt auf der Website www.lagota.ch angekündigt. Weit gefehlt: Zwar besammelte sich um 14 Uhr ein ansehnliches Trüppchen auf dem Schwanenplatz, um die 50 Velofahrerinnen und Velofahrer. Ich gesellte mich dazu – aus Neugier, als überzeugter Alltagsvelofahrer und in der Erwartung einer fröhlichen Bummelfahrt für die Sache von uns Velofahrern.
Doch schon auf der Seebrücke, durch die Zentralstrasse und auf dem Bundesplatzkreisel zeigte sich: Ein Teil der Velofahrer mochte sich an keine Verkehrsregeln halten – überfuhr Rotlichter, kreuzte auf der Gegenfahrbahn, blockierte Autos. Sie verhielten sich damit als Velofahrer genau so, wie sie es dem Autoverkehr vorwerfen: Mehr oder minder rücksichtlos. Mir war dies schon bald peinlich, weshalb ich mich bei der St.Karlibrücke ausklinkte. Mit grossem Groll im Bauch: Chance verpasst, den schlechten Ruf zementiert, den Velofahrer bei vielen Autofahrern haben.
Sich mit Respekt in den Verkehr einreihen
Dabei ist die Protestform Critical Mass eine orginelle und durchaus wirksame Sache. Sie funktioniert aber nur, wenn möglichst viele Velofahrerinnen und Velofahrer die Strasse(n) auf rechtmässig Weise in Besitz nehmen: Also in vernünftigem Tempo rollend und sich an die Verkehrregeln haltend. Alles andere schürt bloss Aggression auf Seiten der Autofahrer. Es ist wie im gewöhnlichen Velo-Alltag: Velofahrer, die sich nicht mit Respekt in den Verkehr einreihen, schaden am Ende sich selbst am meisten.
Die «Zentralschweiz am Sonntag» zitiert in ihrer heutigen Ausgabe zwei Teilnehmer: «‹Heute ist der Veloverkehr benachteiligt›, begründet Alain Greter (47) seine Teilnahme. Und Achille Alagna (13) sagt: ‹Ich will darauf aufmerksam machen, dass es mehr Velowege braucht.›» – Das wollte ich auch. Aber nicht so.
Der «Neuen Luzerner Zeitung» habe ich heute einen Leserbrief folgenden Inhalts zugestellt:
Das schadet der Veloförderung
Ein beträchtlicher Teil der etwa 50 Velofahrerinnen und Velofahrer, die am Samstag Nachmittag als grosse Gruppe durch die Stadt Luzern pedalten, hat der Veloförderung geschadet. Ich nahm selbst an der Fahrt teil; als überzeugter Alltagsvelofahrer aus Neugier und in Erwartung einer gemütlichen Bummelfahrt, die auf die Belange und Rechte der Velofahrenden gegenüber dem motorisierten Verkehr aufmerksam machen sollte. Dies ist der Sinn der Aktionsform Critical Mass, als die der Anlass angekündigt war. Die Fahrt war indes keineswegs der im Untertitel versprochene «kreative Fahrrad-Umzug».
Etliche Velofahrende verhielten sich absolut regelwidrig, indem sie auf der Gegenfahrbahn fuhren und dort Automobilisten zum Bremsen zwangen, indem sie Rotlichter überfuhren oder im Bundesplatzkreisel Autos blockierten. Damit verhielten sie sich genau so, wie sie es dem Autoverkehr vorwerfen: rücksichtslos. Und damit zementierten sie den Ruf, den Velofahrende bei vielen Autofahrenden haben: sich an keine Regeln zu halten. Aus Blödsinn? Oder aus Dummheit? Die Aktion verlief wohl «mehrheitlich friedlich», wie diese Zeitung schrieb. Jedoch nützte sie der Veloförderung rein gar nichts.
«Wir stören nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr»: Dies hielt die unbekannten Organisatoren auf ihrem Plakat fest, mit dem sie für ihren «Umzug» warben. Ein verfehlter Anspruch, wenn er auf diese Weise eingelöst wird. Wer den motorisierten Verkehr auch auf dem Velo willentlich stört, darf nicht gleichzeitig dagegen protestieren, von diesen gestört zu werden.





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