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Durch die Nacht oder: der Velofahrer als blinder Blender

Der Velofahrer in dunkler Novembernacht von vorn...

Der Velofahrer in dunkler Novembernacht von vorn…

In der dunklen Jahreszeit wird der Heimweg auf dem Velo zum Höllenritt. Die wenigen Male, in denen sich der Velofahrer von November bis gegen März nach Büroschluss in den Sattel schwingt, ist er jedes Mal froh, heil zu Hause anzukommen. An der Ausrüstung liegt dies nicht: Das Rücklicht leuchtet hellrot mit breitem Abstrahlwinkel, die Lampe vorn ist ein wahrer Scheinwerfer, der alles, was entgegenkommt, blind blendet, und ums Hosenbein klammert sich ein Reflektor.
Auf Stadtgebiet lässt sich, so gewappnet, einigermassen sicher vorankommen, ebenso auf jenen Strassen, die einigermassen beleuchtet sind. Velofahrende ohne Licht (und von denen gibts leider leider viele) sowie Fussgänger werden rechtzeitig erspäht. Sobald die Route aber ein bisschen abseits führt, von keiner Laterne mehr erhellt, ist es mit dem unbeschwerten Pedalieren vorbei. Auf den 18 Kilometern zwischen Luzern und Hochdorf beginnt dies der Reuss entlang in Emmenbrücke. Auf dem nur gut meterbreiten Weg kann jederzeit ein dunkel gewandeter und infolgedessen unsichtbarer Zu-Fuss-Geher vor einem auftauchen. Wehe dem, der hier nicht mit ständiger Bremsbereitschaft unterwegs ist!
Anstrengend sind sodann Radwege, die der Strassenseite des Gegenverkehrs entlang führen. Entgegenkommende Autos blenden, auf der eigenen Spur wird jeder Stein, weil im Gegenlicht unsichtbar, zur Sturzfalle. Da wird der anschliessende Abschnitt durch den Wald, auf dem Strässchen mit Fahrverbot, geradezu zur Spazierfahrt. Ein bisschen unheimlich zwar, aber wir bewegen uns ja alleweil in Rufweite zur Zivilisation.

Nacht, die Brille vom Nebel beschlagen: So wird jede Velofahrt zum Blindflug.

Nacht, die Brille vom Nebel beschlagen: So wird jede Velofahrt zum Blindflug.

Was allerdings spätestens hier zur überaus unangenehmen Begleiterscheinung wird, sind die Nebeltröpfchen auf der Brille (siehe Bild links). Diese sind der eigentliche Grund, an feuchtkalten Winterabenden das Velo stehen zu lassen. Brille und Nebel: Geht nicht. Macht die Fahrt zum Blindflug mit ungewisser Landung. Einen Rest Sicherheit vermittelt lediglich der Umstand, dass man eigentlich weiss, wo die Strasse lang führt. Wobei in rabenschwarzer, vernebelter Nacht alle Katzen grau sind. Will heissen: Manch eigentlich bekanntes Hindernis doch sehr unvermittelt vor einem auftaucht.
Der Tüftler, der ein Mittel gegen das Nebelbeschlagen von Brillen auf den Markt bringt, darf mit einer finanziell sorgenfreien Zukunft rechnen. Ich wäre ein Stammkunde von ihm und würde für seinen Erfindergeist wacker werben. Falls es ihn oder sie schon gibt, bitte ich höflichst um Mitteilung.

Das Bild der beschlagenen Brille ist ein Datendiebstahl von Spoonys Blog.

Zu dem Thema passt, dies nebenbei, die aktuelle Medienmitteilung des VCS zum Nationalen Tag des Lichts vom 15. November. Im Original:

Am Donnerstag, 15. November 2012, jährt sich zum sechsten Mal der Nationale Tag des Lichts. Die traditionelle Winterkampagne appelliert unter dem Motto «Licht. Sicht. Sicherheit.» an die Verkehrsteilnehmenden, in der Dämmerung und nachts bewusst auf ihre Sichtbarkeit zu achten. Immer noch verunfallen oder sterben jährlich Menschen auf der Strasse, weil sie nicht rechtzeitig wahrgenommen wurden.

Fussgänger und Radfahrer haben in der Nacht ein dreimal höheres Risiko zu verunfallen als am Tag. Bei Schnee, Regen oder Gegenlicht, erhöht sich das Unfallrisiko gar bis auf das Zehnfache. Eine gute Sichtbarkeit kann also Leben retten. Sich dessen bewusst zu sein ist auch für Kinder auf dem Schulweg sowie für Seniorinnen und Senioren sehr wichtig. Besondere Vorsicht gilt auf unbeleuchteten Strassen und beim Queren von Strassen. In dunkler Kleidung sind Personen von Autofahrenden nachts erst aus 25 Metern Distanz erkennbar. Die Zeit für eine Reaktion ist damit zu knapp. Viele Unfälle könnten vermieden werden, wenn Brems- und Ausweichmanöver rechtzeitig eingeleitet würden. Reflektierendes Material kann dazu beitragen. Es macht Fussgänger wie Velofahrer auf rund 140 Meter weit sichtbar.

Sehen und gesehen werden – rücksichtsvolles Zusammenspiel

Motorfahrzeuglenkende prüfen regelmässig das Sehvermögen, fahren mit Licht, halten die Autoscheiben sauber und passen das Tempo an. Auf dem Velo gilt: Bei Dunkelheit Licht an – in Ergänzung zu den vorgeschriebenen Rückstrahlern. Für die seitliche Sichtbarkeit sind Speichenreflektoren sinnvoll. Wer zu Fuss unterwegs ist, achtet auf helle Kleidung und rüstet sich für eine gute Sichtbarkeit von allen Seiten mit Reflex-Material aus. Nebst einem kurzen Sicherheitshalt ist beim beim Queren einer Strasse die seitliche Sichtbarkeit wichtig – auch auf dem Fussgängerstreifen.
Konzentrierte Aktionen am Tag des Lichts

«Licht. Sicht. Sicherheit.» bleibt im Winterhalbjahr aktuell, auch auf www.tagdeslichts.ch. Schwerpunkt der Kampagne ist aber der Nationale Tag des Lichts vom 15. November 2012. In der ganzen Schweiz zeigen Polizeien, die AG Sicherheit durch Sichtbarkeit mit der bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung, PRO VELO Schweiz, Meglio a Piedi TI und weiteren Partnern Präsenz auf der Strasse mit unterschiedlichen Aktionen: u.a. mit Fahrzeug- und Velolicht-Kontrollen, Sehtests, Publikumsshows, Informationen und praktischen Tipps zu «Licht. Sicht. Sicherheit». Das Thema Sicherheit durch Sichtbarkeit wird am 17. November zudem die Teilnehmer des bekannten Volkslaufs Corrida Bulloise begleiten und Anfang 2013 in zahlreichen Kinos mit kreativen Ideen überraschen.

Der VCS Verkehrs-Club der Schweiz wird im Rahmen seiner Kampagne «sicher zu Fuss» bis Weihnachten in der ganzen Schweiz mit Strassenaktionen darauf aufmerksam machen, wie wichtig gut sichtbare Kleider für Fussgänger sind. www.sicher-zu-fuss.ch

…und von hinten.

Autor:

…geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Aus dem Herzen gesprochen. Vor allem auf meinem abendlichen Heimweg durch das Wehntal, auf einem zwar geteerten und schnurgeraden Feldweg, ohne jegliche Beleuchtung, kann es schon mal passieren, dass ich vor lauter Konzentration nur schon wegen der Reflektion einer Wasserpfütze voll am Bremshebel reisse, wenigstens im ersten Moment.

    Da schrecklichste Beispiel war wohl vor ein paar Tagen der Reiter hoch zu Ross, der neben sich, auf der Strassenseite ein weiteres Pferd am Halfter mit sich spazieren führte. Während der Reiter und sein Pferd gute und viele Reflektoren trugen, war das zweite Pferd, das äussere, sicher ein dunkles/schwarzes, ohne jegliche Leuchtgamasche, oder sonst etwas Reflektierendes unterwegs.

    Vielleicht hinkte es oder lahmte oder hatte sonst ein Problem mit seinen Hufen. Ab und zu jedenfalls gabs einen kleinen Funken auf der Strasse, und das liess mich frühzeitig sehr vorsichtig werden.

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