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Aufs Velo, ihr Pfarr- und Kirchenherren!

«Gegenwindgedanken»: Titel des im Kreuz-Verlag erschienenen Buches von Johann Hinrich Claussen.

Eine gute Idee, Herr Pfarrer: Johann Hinrich Claussen bewegt sich auf seinem Arbeitsfeld vorzugsweise per Rad. Jetzt hat der evangelische Hamburger Theologe ein Buch darüber geschrieben: «Gegenwindgedanken. Auf dem Fahrrad durch das Kirchenjahr». Claussen fährt Velo, weil ihn dieses auf Gedanken bringt. Wenn er genug hat vom Sitzen und vom Studieren, schwingt er sich in den Sattel und bringt solcherart sein «Gehirn wieder in die Gänge». Was er auf seinen täglichen Touren zusammenträgt, fügt er zuhause zu seinen Notizen, Predigten, Vorträgen undsoweiter zusammen. Sein Buch sei «ein theologisch-bicyklistisches Sammelsurium», erklärt Claussen im Vorwort, «eine Art Allwetterjahreslesebuch (…) für Fahrradfahrer und solche, die es werden wollen.»
Nun, das Ansinnen gefällt mir, dem Velofahrer, natürlich sehr, zumal ihm selbst, also mir, die besten Ideen radelnderweise kommen kommen und er sich damit in dieser Form der Selbst-Er-Fahrung mal wieder bestätigt sieht. Allein, von der Bodennähe und Zugluft, die das Fortbewegungsmittel Fahrrad doch ermöglicht, ist in Pastor Claussens «Sammelsurium» wenig zu verspüren – seine Texte kommen mitunter denn doch eher akademisch-abgehoben daher. Dabei würden wir den Herrn Pfarrer doch viel lieber im Gespräch mit den Menschen erleben, die er auf seinen Fahrten trifft, seinen Plaudereien lauschen, seinem Umgang mit allerlei Meinungen, seinen spitzen Kommentaren zum Alltagsgeschehen. Claussens Texte scheinen doch aber mehr in seiner Schreibstube entstanden zu sein statt auf der Gasse. Das ist, ein bisschen immerhin, schade, denn dies hätte zum Fortbewegungsmittel Fahrrad besser gepasst.

Nichtsdestotrotz ist Pastor Claussen zu seiner Wind- und Wetterfestigkeit auf dem Velo zu gratulieren. Sein Verkehrsmittel zeugt auch von Bescheidenheit hinsichtlich Mobilität und gesuchter Volksnähe. Denn wer im Auto, womöglich gar chauffiert, durch seine Kirchgemeinde, seine Pfarrei, fährt, vernimmt nicht, was die Menschen, für die er (oder sie) doch da sein will, denken, glauben, fühlen, meinen. So besehen, müsste man den einen und anderen Kirchenherrn längst auf automobilen Entzug setzen und ihm das Fahrradfahren beibringen.

Claussen, Johann Hinrich: Gegenwindgedanken. Verlag Herder, 2012, Format: 12,5 x 20,5 cm, 160 Seiten, gebunden mit Leseband, ISBN 978-3-451-61145-2, Fr. 21.90. Johann Hinrich Claussen, Dr. habil., geb. 1964, evangelischer Theologe und Publizist, arbeitet als Propst in Hamburg; zahlreiche Buchveröffentlichungen.

Autor:

…geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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