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Meine Perle oder: Alte Liebe muss nicht rosten

Alles, nur nicht gewöhnlich: Regis Perle auf zwei Rädern.

Alles, nur nicht gewöhnlich: Regis Perle auf zwei Rädern.

«Alte Liebe rostet ein bisschen», übertitelte Herr Koller, vor Jahren Sitznachbar in des Velofahrers Büro, im Januar seine Ode an sein altes Militärvelo. Muss nicht sein, kontert Kollegin Regula, mit meiner Person beruflich wie freundschaftlich verbunden, ihre Liebeserklärung an ihr Zweirad, ihre «Perle», wie Regi ihr altes Expo-Velo nennt. Wir erteilen ihr hiermit gerne das Wort. Genauer: Die Schreibe.

Schönheit mag im Auge des Betrachters liegen. Aber, um ehrlich zu sein: Schön ist sie nicht, meine Perle. Ist sie nicht, war sie nie. So war es denn auch alles andere als Liebe auf den ersten Blick, als ich sie traf. Mit ihrem eher eigenwilligen Aussehen stand sie als hässliches Entlein zwischen den anderen ausgemusterten Mietvelos. Als letztes Überbleibsel der Expo-02-Flotte wurde sie mir vorgestellt, und war es pure Höflichkeit, dass ich sie zu einer kleinen Probefahrt ausführte. Doch da war es um mich geschehen. Sie wurde

Meine Perle.

Die anschliessende 50-Kilometer-Fahrt nach Hause erwies sich als erste Bewährungsprobe für uns als frisch liiertes Paar. Flirrende Hitze, nervenzehrende Irrwege, sogar ein Sturz (Trottoirrand, blöder!!). Sie blieb

Meine Perle.

Mit ihr hab ich bisher jeden noch so steilen Hoger gepackt und egal wie lang wir beide unterwegs sind, da gibt’s danach kein Ziehen und Zwicken in Rücken, keinen schmerzenden Hintern. Aber das allertollste an ihr: Sie ist keine Diva. Weder die Spinnwebe am Lenker, noch der Rost an der Kette bringen sie aus ihrem seelischen Gleichgewicht. So ist sie,

Meine Perle.

Trennen kann uns niemand: Nicht der Junkie, der sich mit dem vermeintlichen Elektro-Rad aus dem Staub machen wollte (inflagranti auf dem abgeschlossenen Velo sitzend erwischt); nicht der Fiesling, der seinen völlig zerschlissenen Sattel gegen ihren Wohlfühl-Diwan eingetauscht hatte und schon gar nicht die Spötter, die sie aufgrund ihres Äusseren Osterhasen-Velo, Stockis-Bausatz oder Krüppelchen nenne. Lang lebe.

Meine Perle.

P.S.: Uns bleibt zu ergänzen: Und wenn sie nicht sterben, leben sie morgen noch in trauter Zweisamkeit beisammen. Auf ewig dein, auf ewig mein, ewig wir (oder so ähnlich). Danke, Regi!

 

Autor:

…geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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