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Auf dem Velo ist ein Yak mein Gepäckträger

130608_velo-plus-rucksack_kleinDer Yak ist eine Rinderart und für viele zentralasiatische Bauern die Lebensgrundlage. Yaks liefern Milch, Fleisch, Leder, Haar und Wolle. Ihr Kot dient als Brennmaterial. Und im Gelände kommt der Reiter mit seinem Yak weiter als jeder Offroader. Dass einer der kleinen Tagesrucksäcke aus der Velo-plus-Entwicklungsabteilung Yak heisst, kommt also nicht von ungefähr. Denn der Name ist Programm.

Velo plus hat den Yak in seiner neusten «Zuchtform» dem Velofahrer zum Testen zur Verfügung gestellt. Das Fazit vorab: Der Yak gefällts auch in wärmeren Gefilden. Und: Der Velofahrer hat sich ans Zusammenleben mit diesem praktischen Haustier schnell gewöhnt. Wer Praktisches mit viel Allerlei mag, ist damit gut bedient, wer dagegen schlichtes Design mit weniger Funktionalität bevorzugt, greift zu einer anderen Marke. Velo plus hat den Tagesrucksack nicht neu erfunden, jedoch Vieles, was man da oder dort schon gesehen hat, zu einem stimmigen Ganzen verwoben.

Das Auge entscheidet zuerst
Beim Rucksack-Kauf entscheidet für mich als erstes das Auge: Gefällt das Ding, wird es näher untersucht. Diese Hauptaufgabe besteht der Yak auf den ersten Blick. Der Lastenträger ist zudem wirklich leicht im Vergleich mit anderen Tagesrucksäcken. Der variable Stauraum – dieser ist einfach mit einem Rundum-Reissverschluss zu vergrössern – ist ganz schön praktisch. Damit genügt der Yak ebenso für die Tagestour auf dem Velo wie für  den Zweitäger mit Hüttenübernachtung.

Mit dem Tragsystem verhält es sich ähnlich wie mit der Optik: Hier interessieren mich weniger technische Beschreibungen, die von langer Tüftelei zeugen sollen (Zitate von der Velo-plus-Website: Hip2Shoulder-Tragriemen, 3D-Mesh-Polster), als die Anprobe: Sitz der Rucksack bequem? Diese zweite Aufgabe besteht der Yak ebenfalls auf Anhieb. Worin der Unterschied dieser Tragriemen-Befestigung zu derjenigen an meinem altbewährten Mammut-Rucksack besteht, ist ohnehin nicht ersichtlich. (Nachtrag: Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass Tragriemen und Hüftgurte beim Yak aus einem Guss sind. Dies soll die Packung auf dem Rücken stabilisieren.)

Praktisches und eher Überflüssiges
Das Rückenbelüftungssystem hält, was es verspricht: Die Mesh-Polster bilden kleine Kammern, die viel Luft zirkulieren lassen. Eine gute und vor allem leichte Lösung, will man den Rucksack nicht mittels Metallgestell auf Distanz zum Rücken halten. Besonders hoch gewichte ich das «Hinterlüftungsvermögen» eines Rucksacks freilich nicht: Auch mit dem Yak klebt das Shirt nach dem Ausritt schweissnass. Der Rucksackrücken selbst bleibt allerdings trocken und es bleiben keine Salzspuren vom Schwitzen zurück. Das gefällt.

Ansonsten hat Velo plus dem Yak eine Menge Kleinigkeiten verpasst, die sein Träger erst nach und nach entdeckt.

Die praktischen:

  • Zwei grosse Aussenfächer und ein kleines, gepolstertes für Brille, Kamera oder Handy. In der einen Aussentasche verbirgt sich eine Fach, das sich mit einem weiteren Reissverschluss verschliessen lässt.
  • Der am Boden versteckte, leuchtgelbe Regenschutz.
  • Die Reflektoren.
  • Die Seitentaschen links und rechts, in die sich ein Schirm oder, selbst fahrenderweise, eine kleine Petflasche verstauen lassen.
  • Die Helmhalterung lässt sich verstauen und wird nur bei Bedarf eingeklinkt. Die Plastikkarabinerchen machen allerdings keinen langlebigen Eindruck.
  • Mit den seitlichen Kompressionsriemen lassen sich die Wanderstöcke befestigen. Sie halten auch eine gerollte Jacke.
  • Der Einschub innen für eine 1.5-Liter-Petflasche, damit diese nicht umfällt.

Die weniger praktischen und/oder überflüssigen:

  • Das Handytäschchen am linken Tragriemen ist für mein Smartphone (HTC One X+) zu eng. Dieses Ding passt knapp rein, wenn ich die Schutzhülle daheim lasse. Mach‘ ich aber nicht. Das Ding baumelt irgendwie verloren am Riemen.
  • Meine Wertsachen stecken in meinem Portemonnaie oder ein einem eigenen Beutel. Der mitgelieferte kleine Beutel im oberen Aussenfach dient bestenfalls dazu, den Schlüsselbund darin zu verstauen.

Was sich hinterfragen und/oder verbessern lässt:

  • Statt einer Regenhülle wäre mir ein wasserdichter Stoff à la Ortlieb liebe. Ich halte nicht gerne an und fummle die Hülle raus, die ich zudem verlieren oder die abreissen kann. Der Yak-Rucksackstoff hält freilich auch ohne Hülle einiges Wasser ab; so besehen, brächte es schon viel, die Reissverschlüsse abzudecken, damit das Wasser durch diese nicht einlaufen kann. Dies müsste selbstverständlich sein.
  • Die Greifer des Reisverschlusses sollten einrastbar sein, mindestens jener des Hauptfaches. So würde sich diese nicht von alleine öffnen, wenn der Yak gut gestopft werden muss. Das Fehlen dieses Details hat mich schon an anderen Rucksäcken gestört.
  • Die Reissverschluss-Täschchen am Bauchgurt mögen praktisch sein, sind aber Geschmacksache. Mir sind es am Ende der Beutelchen und Täschchen zu viele.
  • Toll wäre es, wenn mal ein Rucksack-Entwickler eine Lösung für das störende Herumgehänge von Riemen und Schnallen erfände. Sind diese einmal nicht geschlossen, baumeln sie wie Firlefanz herum.

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank für den Yak Rucksack Bericht. Ist informativ, schön gemacht mit den Bildern und scheint mir recht objektiv geschrieben.
    Ich habe ihn (noch) nicht: würdest du ihn nun, nach einiger Benutzungszeit, wieder kaufen?
    Ist er wegen dem Tragsystem vor allem für die Bikehaltung oder auch für Wanderungen zu brauchen?
    Gruss Heinz

    Antworten

  2. Hoi Heinz
    Danke fürs Kompliment. Das Tragesystem eignet sich ebenso gut fürs Biken wie fürs Wandern; ich finde es – wie im Beitrag beschrieben – wirklich gut. Kaufen würde ich den Rucksack nicht mehr. Aber nicht, weil ich ihn nicht – über alles gesehen – gut finde, sondern weil ich es lieber schlichter habe und nicht zu viel Firlefanz mag, also nicht da noch ein Häklein, dort eine Schlaufe und ein Gummizug usw. Ich brauche einfach schlicht nicht so viel. Aber das ist natürlich Geschmacksache.

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