Suche
Suche Menü

Mit dem Velo zur Arbeit zu fahren zahlt sich aus

Jörg Romstötter

«Der tägliche Weg mit dem Fahrrad an die Arbeit macht aus Nichts mehr», sagt Jörg Romstötter (*), Business-Trainer und Coach aus Süddeutschland. Und: «Da Denken eine höchst körperliche Angelegenheit ist, kann es dem Arbeitgeber nicht egal sein, wo und wie viel sich seine Mitarbeiter jede Woche bewegen.» Das spricht dafür, dass Unternehmen bestmögliche Voraussetzungen dafür schaffen, dass diese

auch wirklich das Velo für den Arbeitsweg nehmen können – auch im eigenen, wirtschaftlichen Interesse. Ein Gastbeitrag, den der Velofahrer Jörg herzlich verdankt.

«Als ich noch regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr, hatte ich mehr und bessere Ideen.» Weshalb diese Aussage ein echtes Pulverfass ist? Das hätten Sie nicht gedacht. Diese Aussage stammt von einer Biologin, die in der Herstellung und Vermarktung von Nahrungsergänzungsmitteln für Sportler arbeitet. Durch Umzug und Nachwuchslogistik ist sie seit zwei Jahren nun auf das Auto angewiesen.

Nun, sehen wir uns an, weshalb wir hier ein Pulverfass haben:

Pulverfass für die Gesundheit

Täglich insgesamt 20 km mit dem Fahrrad zu fahren, gibt in der Woche 100 km, im Jahr deutlich über 4000 km. Das ist satt mehr, als die Allermeisten an Bewegung im Jahr insgesamt zusammenbekommen. Gedanken über Gewicht, Fitness und schwächelndes Immunsystem gehören der Vergangenheit an. Wer jeden Tag draussen über eine Stunde radelt, der bekommt genügend Sonnenlicht und gibt seiner Haut die nötigen Kälte- und Hitzeimpulse. Er kurbelt seinen Kreislauf durch Bewegung an und nicht durch externe Aufputscher wie Kaffee usw.

Pulverfass für die Zeit

Zwei Mal täglich eine halbe Stunde geht ohnehin mindestens für den Arbeitsweg drauf. Egal mit welchem Verkehrsmittel. Mit dem Fahrrad beträgt der Arbeitsweg pro Tag zwar 1,5 Stunden, jedoch sind das bereits Sportstunden, die nach Feierabend nicht herausgequetscht werden müssen. Die Verwendung des Fahrrades «kostet» demnach nur eine läppische halbe Stunde pro Tag und bringt stolze 7,5 Stunden Sport pro Woche – einfach so. Das ist ein ganzer Arbeitstag! Wie soll bitte eine gut eingespannte junge Mutter diese Zeit zusätzlich für ihre Fitness mobilisieren? Geht meist nicht. Eben. Deshalb sind die Allermeisten auch so sagenhaft unfit, übergewichtig und krankheitsanfällig.

Pulverfass für den Arbeitgeber

Unfit, übergewichtig, krankheitsanfällig. Das sind nur die sofort sichtbaren Kosten, die Arbeitgeber zu tragen haben. Was ist mit der bedauerten Ideenarmut? Unternehmen leben von den Ideen und der Umsetzungskompetenz ihrer Mitarbeiter. Ein erfrischter Geist, der sich konzentriert seiner Aufgabe widmet, ganz entspannt am Nachhauseweg reflektiert und ebenso entspannt und gemächlich fokussierend zur Arbeit begibt, ist klingende Münze wert.
Der Weg von und zur Arbeit wirkt wie eine Schleuse, durch die wir privat von Arbeit nicht nur kognitiv, sondern tatsächlich körperlich trennen.
Da Denken eine höchst körperliche Angelegenheit ist, kann es dem Arbeitgeber nicht egal sein, wo und wie viel sich seine Mitarbeiter jede Woche bewegen. Jede körperliche Bewegung hat die Ausschüttung eines ganzen Cocktails an körpereigenen Drogen zur Folge. Und diese beeinflussen sofort und direkt, wie wir uns fühlen und wie wir denken. Eine möglichst natürliche Umgebung ist lukratives Kreativitätsfutter par excellence.

Dicker Bonus, der jeden Arbeitgeber freut: Entscheidungen in Naturumgebung sind nachhaltiger und lukrativer.

Pulverfass für den Geldbeutel

Dass Autofahren im Vergleich zum Fahrrad hoffnungslos teurer ist, diese Kalkulation mache ich hier im Detail erst gar nicht auf. Über fünf Jahre habe ich selbst eine Vollkostenrechnung mit wirklich allen Kosten (sogar meine Zeit für den erhöhten Reinigungsaufwand!) für das Fahrrad und über 34’000 km geführt. Da ist alle paar Jahre ein schöner neuer Drahtesel drin. Oder eben auch schneller das Eigenkapital für die eigene Wohnung, das eigene Häuschen. Fragen zur Urlaubsfinanzierung stellen sich eben so wenig wie die nach Maßanzug und rahmengenähten Schuhen.

Pulverfass für Zufriedenheit, Glück usw.

Reflektiert die Biologin über eine Zeit lang ihre verminderte Kreativität, wird sie das nicht ohne Bedauern tun. Was wir bedauern, das schwächt uns, denn es macht uns mit der aktuellen Situation unzufrieden. Ist diese nicht realistisch änderbar, fesselt uns das im wahrsten Sinne des Wortes die Beine und wir hadern. Geistes- und Lebensenergie die nicht in die Bewältigung von Hürden geht, sondern sich an den Hürden sinnlos aufreibt. Zudem werden die für unser Wohlbefinden so wichtigen Endorphine vermindert ausgeschüttet.

Weshalb ist das so?

Bewegung, insbesondere in erbaulicher Naturumgebung, wie sie zumeist mit dem Fahrrad gut gewählt werden kann, bewirkt unter anderem die Ausschüttung des körpereigenen Opioidpeptid Endorphin. Das macht uns kreativ, geistig beweglich und aufmerksam, leistungswillig und -fähig und verursacht im Nachgang ein sehr wohliges Gefühl der Entspannung. Wodurch wiederum neue Ideen entstehen, da in diesem Zustand die rechte und linke Gehirnhälfte besonders gut miteinander verschaltet werden. Für die körperliche Gesundheit ist es förderlich, da unser Schlaf erholsamer und unser Appetit gesünder wird. Gesund im Sinne von: wir haben nach dem Lust, was uns gut tut, Energie und Gesundheit gibt.

Fazit

Der tägliche Weg in die Arbeit mit dem Fahrrad macht aus Nichts mehr: mehr Zeit, mehr Geld, mehr Kreativität, mehr Zufriedenheit, mehr Gesundheit, mehr Fitness, mehr Ausdauer, mehr Leistungsfähigkeit, mehr Gedankenklarheit, mehr geistige Flexibilität, mehr Umsatz, mehr Rendite, mehr Jobsicherheit, mehr Aufstiegs- und Entwicklungschancen, mehr Stressresistenz,
einfach mehr Qualität und mehr Quantität.

*Jörg Romstötter, Ingenieur der Land- und Ernährungswirtschaft und Betriebsökonom, ist als selbständiger Business-Coach und Ausbilder tätig. Er berät Unternehmen, wie sie die Natur für mehr Führungskompetenz, Kreativität und Leistungsfähigkeit nutzen können. Romstötter lebt mit seiner Familie in Freilassung im Berchtesgadener Land.

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Ein sehr interessanter Beitrag, dem ich voll und ganz zustimme. Leider hinkt so mancher Arbeitgeber hier in Deutschland noch hinterher mit diesen Erkenntnissen. Ich schreibe aus eigener Erfahrung. Trotzdem ich an sehr vielen Arbeitstagen mit dem Rad kreuz und quer durch die Großstadt zur Arbeitsstelle fahre, werde ich oftmals belächelt. Auch blöde Sprüche muß ich mir manchmal anhören („solltest besser mal den Motor aus lassen“).
    Ich fahre jeden Tag 30 km. Leider wird heutzutage immer noch von vielen Betrieben nicht verstanden, was man durch das Radeln auch Gutes für die Firma tut.
    Ich zumindest fühle mich morgens viel frischer, bin ausgeglichener und habe seit rund zwei Jahre keine Erkältung mehr gehabt! Ich fühle mich rundherum wohl durch das Radfahren!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.