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Das Velo nimmt dem Auto gerne Lasten ab

Einer trage des anderen Last, heisst es in der Bibel. Vor 2000 Jahren setzte der Herr Jesus diesbezüglich auf einen Esel, um seine und seiner Jünger Habseligkeiten mitzuführen. Vor 150 Jahren ergänzten die ersten Velobauer ihre Räder um einen Gepäckträger. Das Velo wurde zum Transportgerät, bis es Auto und Lastwagen ausbremsten. In den Städten sind heute so viele motorisierte Esel unterwegs, dass das Velo es schwer hat, nicht zwischen Achse und Bordstein eingekemmt zu werden.

Dabei könnte in den in den europäischen Städten die Hälfte aller motorisierten Warentransporte auch mit dem Velo erledigt werden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Cycle Logistics, die im Sommer vorgestellt wurden. Cycle Logistics ist ein Projekt der EU mit dem Ziel, den motorisierte Gütertransport im urbanen Raum zu vermindern. Kurierfahrten mit dem Velo bzw. Elektrovelo sind oft schneller, sie sparen Treibstoff und verdrecken die Luft nicht.

Die Luft sauberer, die Menschen zufriedener

In den grossen Ballungszentren Deutschlands, die sich aufgrund ihrer Topografie noch viel besser eignen als die oft hügeligen Schweizer Städte, erkennen Unternehmen zunehmend diese Chance. Die Berliner Genossenschaft Velogista zum Beispiel startet in diesem Monat über Startnext eine Crowdfundingkampagne, um weitere Elektro-Schwerlasträder zu finanzieren. «Wir treten an, die gegenwärtigen Herausforderungen in urbanen Räumen zu lösen», sag Martin Seissler, der Initiator und Gründer von Velogista. «Ziel ist eine lebenswertere Stadt für alle. Ökologisch intelligent mit weniger CO2- und Feinstaubbelastung, weniger Autos auf den Strassen, weniger Lärmbelastung und zufriedeneren Menschen.»

Velogista will zwei weitere Elektro-Lastenräder über das Crowdfunding finanzieren. Dafür sind 20‘000 Euro als erstes Ziel der Kampagne definiert. Demnächst will Velogista einen neuen neuen Standort beziehen und ein Berliner Lastenradzentrum aufbauen. Um eine merkbare Veränderung im Strassenbild hervor zu rufen, müsse der Fuhrpark so schnell wie möglich weiter aufgebaut werden. Wie es in einer Medienmitteilung heist, arbeiten derzeit alle bei Velogista – bis auf die Fahrer/-innen – unentgeltlich, um ihre Vision der City-Logistik zu verwirklichen. Alle Gewinne fliessen momentan in die Bezahlung der Fahrerinnen und Fahrer und in das Geschäft selbst.

Bis 250 kg – mit dem Velo!

Bis jetzt zählt Velogista über 30 Kundinnen und Kunden. Das Unternehmen ist als Genossenschaft organisiert, die im Mai gegründet wurde. Das Transportmittel der Wahl ist ein Elektro-Lastenrad, das mit einer Akkuladung bis zu 100 Kilometer schafft und bis zu 250 kg Zuladung transportiert. Zum Vergleich: Bei herkömmlichen Fahrzeugen ist dieses Verhältnis mit etwa einer Tonne Fahrzeuggewicht für die gleiche Ladekapazität weitaus schlechter.
Vergleiche man zwei Elektro-Lastenrädern von Velogista mit Fahrzeugen, die in der Stadt mit Diesel-Kraftstoff fahren, würden in nur einem halben Jahr mehr als 5000 kg CO2 eingespart, rechnet die Genossenschaft vor. «Eine entsprechende Hochrechnung macht deutlich, welches Potenzial hier schlummert.»

Jedes Velo ist ein Lastenrad – die Benutzung zählt

Anzufügen ist: Grundsätzlich ist jedes Velo ein Lastenrad und kann zur Entlastung beitragen. Wer sich damit bewegt, statt sich bewegen zu lassen (vom Auto, vom Zug, vom Bus, vom Tram), lockert den Verkehr auf und tut sich selbst Gutes: seiner Gesundheit, seiner Zufriedenheit, seinem Wohlbefinden, seinem Geldbeutel.

Bilder: www.velogista.de

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Eines der Lastenräder des Berliner Anbieters Velogista unterwegs. Es kann bis zu 250 Kilogramm transportieren.

Autor:

…geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Tolles Konzept! In der Schweiz sollte eine Umsetzung des Konzepts wahrscheinlich schwierig sen, weil Fahrräder max. 1 m breit sein dürfen. Und bei einer Spurenbreite von unter 1 Meter ist die Gefahr des Umkippens gross.

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  2. Ich fahre ein faltbares Gekko fx Liegetrike von HP Velotechnik mit «Hüftgold–Dieselantrieb». Vorne habe ich eine Schlumpf HighSpeedDrive Tretlagerschaltung und hinten eine stufenlose NuVinci N360 Nabenschaltung eingebaut, beide sind auch im Stand schaltbar und bringen zusammeneins Spanne zwischen der kleinsten und der grössten Entfaltung von 600%. Ich habe dazu nach dem Muster des velowerks in Schaffhausen zwei 18-literige KlickFix Lamello Kunststoffkorb mit Ortlieb-Hakenschienen verschraubt. So können die Körbe seitlich an den Gepäckträger gehängt werden. Unter einen 12-literige KlickFix Lamelle Kunststoffkorb habe ich einen Ortlieb-Halteplatte zum Ortlieb-Gepäckträgeradapter geschraubt. Dieser Korb kann damit auf den Gepäckträger geklipst werden. Zusammen gibt dies ein Transportvolumen von 48 Liter. Unglaublich was sich so effizient und mit eigener Muskelkraft einkaufen lässt. Eine Kunststoffboxe mit Ortlieb-Halteplatte für nässempfindliches Transportgut habe ich auch bereits. Demnächst wird noch eine 13-literige Kühlbox mit Ortlieb-Halteplatte folgen. Mit diesem genialen Logistik-Zubehör kommt der Veloanhänger, den ich auch noch besitze, so selten zum Einsatz, dass ich ihn jeweils pumpen muss. Das logistische Potential des Velos wird immer noch gewaltig unterschätzt. Und es macht Spass die FahrerInnen von Stadt-Verstopfungs-Panzern (SUVs) mit der Transportkapazität eines Velos zu verblüffen.

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