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Die SVP biegt rechts ab – mit dem Velo

Wenn die SVP Vorfahrt fürs Velo fordert, kriegt sie einen Seitenaufmacher, ein Grüner dagegen aufs Dach. Denn bei der Volkspartei weiss man lediglich von ihrem Bundesrat, dass er Velo fahren kann; Grüne, VCS, Pro Velo und dergleichen Staatsfeinde jedoch setzen besser den Helm auf, bevor sie das «Freie Fahrt für freie Bürger» auch für sich reklamieren.

Was nun den Seitenaufmacher betrifft: Dem «Blick am Abend» vom 31. Oktober 2014 war die Neuigkeit einen solchen wert, dass die Zuger SVP-Kantonsräte Beni Riedi und Thomas Werner mit einem Postulat den Regierungsrat auffordern, er solle prüfen, ob Velos an Kreuzungen bei Rot rechts abbiegen dürfen – wie in Basel. Die hehre Absicht scheint freilich nicht purer Liebe zum Zweirad zu entspringen. Wohl betont Kantonsrat Riedi, er sei «überzeugter Velofahrer» – was hinsichtlich des tatsächlichen Gebrauchs des Velos allerdings noch gar nichts aussagt. Im folgenden Satz erklärt der Mann dann, es gehe ihm darum, den Verkehr zu verflüssigen, ob für Autos oder Velos. Und weiter hinten: Mit der Rechtsabbiege-Erlaubnis bei Rot lasse sich «viel Geld sparen». Das sei besser als teure bauliche Massnahmen wie Überführungen.

Der Velofahrer wünscht sich, dass Kantonsrat Riedi und sein Kollege Thomas Werner auch dann noch «überzeugte Velofahrer» sind, sollte im Zuger Kantonsrat eines Tages darum gehen, wirkliches Geld auszugeben fürs Velo. Könnte ja sein, dass mal eine simple Rechtsabbiege-Erlaubnis nicht ausreicht, um eine Verbindung sicher zu machen und es eine «teure bauliche Massnahme» braucht. Zum Beispiel eine Überführung.

Nachträge 1:

  1. Wahlen waren in Zug eben erst. Darum dürfte es im vorliegenden Fall also nicht gehen.
  2. Ob dies alles wahr ist, lässt sich zur Stunde nicht erhärten. Der Vorstoss lässt sich auf dem Zuger Kantonsratsportal nicht (noch nicht?) auffinden und von Kantonsrat Beni Riedi ist auf eine entsprechende Anfrage über Twitter noch keine Antwort eingegangen. Selbstverständlich würde dieser Absatz im anders lautenden Fall umgehend korrigiert.

Nachtrag 2:

Kantonsrat Riedi hat dem Velofahrer das am 30. Oktober eingereichte Postulat zugestellt. Es lautet:

Der Regierungsrat wird gebeten abzuklären, welche Massnahmen notwendig wären, um im Kanton Zug das Rechtsabbiegen bei «Rot» für die Fahrradfahrer an gewissen Kreuzungen zu ermöglichen.

Insbesondere interessieren die Postulanten folgende Punkte:

  • Hat der Regierungsrat von dem Versuch im Rahmen eines Forschungsprojekts von Basel Kenntnis genommen? (Offenbar hat es mit dieser neuen Regelung deutlich weniger Konflikte zwischen Fahrradfahrer und Motorfahrzeugen gegeben und auch die Fussgänger hätten die Neuregelung gut akzeptiert. (Auch zu Unfällen sei es wie erwartet nicht gekommen)
  • Wurde bereits eine Abklärung für dieses Anliegen im Kanton Zug gemacht?
  • Bei welchen Kreuzungen bzw. Orte würde diese neue Regelung eine flüssigere Verkehrsführung ermöglichen?
  • Mit welchem Kosten-/Nutzenverhältnis wäre ungefähr zu rechnen, wenn dieses Anliegen umgesetzt wird?
  • Erachtet der Regierungsrat dieses Anlegen als mögliche Massnahme um den Kanton Zug noch fahrradfreundlicher zu machen?
  • Gibt es Anzeichen, dass dieses Anliegen zu vermehrten Risiken (Unfällen) im Kanton Zug führen könnte?

Autor:

…geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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