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Mit dem Velo unterwegs sein – aber wie anreisen?

Er ärgere sich jedes Mal, wenn im «velojournal» über Reisen in Übersee berichtet werde, schreibt Leser G. in der aktuellen Ausgabe. Mit dem CO2-Ausstoss, den die Flugreise dorthin verursache, könne man bei durchschnittlicher Fahrleistung zwei Jahre Auto fahren. Für Leser G. passt dies nicht zu einer der Ökologie verpflichteten Zeitschrift wie dem «velojournal», und er zählt in der Folge «schöne, verkehrsarme Nahziele fürs Velofahren» auf.

Das Velo ist «allemal ökologisch»

Die Kritik ist berechtigt, das weiss auch Herausgeber Pete Mijnssen, der im Editorial auf das Thema eingeht.Den kritischen Leserbriefen nach, welche die Redaktion immer wieder auf ihre Übersee-Reiseberichte erhalte, gebe es unter den Leserinnen und Lesern wohl nicht wenige, die über Velotouren in weit entfernten Ländern den Kopf schütteln. Mijnssen kontert: «Selbstverständlich sollten wir unsere Reiseziele auch unter ökologischen Gesichtspunkten aussuchen, aber gerade mit Fahrradreisen relativiert sich dieser Aspekt. Denn egal, ob wir in der näheren Umgebung des Wohnorts oder in der weiten Welt Velo fahren – ökologisch ist diese Fortbewegung allemal».
Das stimmt – und doch lohnt die Kritik von Leser G. näherer Betrachtung. Wenn ich am Kiosk dieses oder jenes Hochglanz-Magazin zum velomobilen Unterwegs-sein durchblättere, stellt sich mir die Frage nach Sinn und Unsinn ebenso wie Herrn G.: Zwei Wochen Vietnam und Laos sind keinen Deut besser als der Wochenend-Trip nach London, bloss weil man dort mit dem Velo von da nach dort kurvt. Grundsätzlich. Denn allein für sich betrachtet erlaubt die Wahl des Reiseziels und die Anreise dorthin kein abschliessendes Urteil. Will heissen: Wer auf seine Sonntagsradeleien verweist, die er doch ab der Haustüre unternehme, für seinen Einkauf aber den Mercedes aus der Garage fährt, wo es doch auch mit dem Velo ginge, verhält sich nicht vernünftiger. Denn mit dem Velo unterwegs zu sein ist zwar die nachhaltigste aller Fortbewegungsarten (neben dem Zu-Fuss-gehen), den Gebrauch des Velocipeds aber auf die Ferienzeit zu beschränken, macht einen noch nicht zum Umweltaktivisten. So besehen, misstraue ich jedem Fahrer, der sein Bike auf dem Autodach spazieren fährt. Zumal auf einer Autobahn Richtung Süden.

Einmal zu fliegen ist noch keine Sünde

Umgekehrt gilt aber auch: Wenn ich mich jahrein, jahraus verkehrsmässig besonnen verhalte, meine Einkäufe mit Regionalbezug und besonderem Augenmerk auf die Herstellung tätige, wenn ich nicht jeden Sonntag die Skis auf den Dachträger schnalle und in jedem Ausverkauf meine Garderobe erneuere: Dann liegt auch mal ein Flug an den Ausgangspunkt der nächsten Velotour drin. Das Leben soll ja schliesslich Freude machen.

Zwei Klammern

In Klammern 1: Unserm Nachbarjungen Elmar müsste ich damit nicht kommen. Für den fängt die Tour vor der eigenen Haustür an und nirgends sonst. Punkt. Die Strecke Hochdorf-Basel fährt er deshalb mittlerweile im Schlaf. Seine Prinzipientreue verdient Bewunderung.

In Klammern 2: Ich lese jeden Reisebericht im «velojournal» bis zur letzten Zeile. Ob der Autor nun ums Schwarze Meehr oder den Schwarzsee gekurvt ist. Ich lese und erlebe mit. Bücher hingegen mit Untertiteln wie «8000 km in 365 Tagen» und dergleichen meide ich und rate auch dazu.

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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