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Die weisse Überraschung im schwarzen Wald

Im Wald talwärts zwischen Hinterzarten und Kirchzarten. Es liegt noch Schnee, ein umgestürzter Baum versperrt den Weg.

Nach drei Tagen im Sattel und dreihundert Kilometern gibt es von Dreierlei zu berichten: von der Tour; davon, wie sich das neue Velo bewährt und welche Rolle das erstmals mitgeführte GPS-Gerät unterwegs gespielt hat. Der Reihe nach in Kürze: wunderschön, wunschloses Glück, wunderbar.

Punkt 1, Tag 1:

Das Unbekannte liegt oft nah, deshalb begann die nachösterliche Radrunde am Dienstag in Winterthur und führte durch den Schwarzwald. Nach Eglisau gings übern Rhein, ein Stückchen denselben flussabwärts und sodann via Küssaberg (mit Abstecher zur Küssaburg) ins Wutachtal. Wutöschingen oder Stühlingen heissen hier Ortschaften, die Sauschwänzle-Bahn dampft Touristen weiter oben sogar durch zwei Kehrtunnels, und es führt ein autofreier Veloweg von da nach dort. Für mich ist es der Südschwarzwald-Rundweg, den ich in umgekehrter Richtung abfahre, also flussaufwärts, wodurch bis am Abend in Bonndorf um die 1000 Höhenmeter zusammenkommen. Doch die sind kaum zu spüren.

Punkt 1, Tag 2:

Tag 2 führt dann durch den wahren Schwarzwald; links und rechts stehen die Tannen dicht, und auf jeder Lichtung lagert meterhoch Rundholz. Für Kuckucksuhren zum Beispiel, welche den Touristen  am Titisee die Viertelstunden schlagen. Des weiteren ins Tagebuch zu notieren ist heute der Bähnle-Radweg auf einer stillgelegten Bahntrassee,  ferner die Niederlage des Spätwinters gegen den Frühfrühling, der ich freilich ein wenig zu früh applaudiert habe. Denn nach der nächsten Kurve zeigt Väterchen Frost uns noch einmal den Meister. Will heissen: die steile Strasse durch das waldschattige Höllental hinunter nach Kirchzarten ist schneebeckt, ich schiebe einige Kilometer durch die Einsamkeit, eine quer übern Weg gestürzter Baum zwingt zu einer Velobuckelei, aber darauf pfeif ich mein Liedchen und freue mich. Solcherlei Abwechslung wird der autobewegten Masse, die sich auf der Strasse im Talboden quält, nicht zuteil.
Das Nachtlager wird mir heute in Emmendingen bereitet, einer Stadt nördlich von Freiburg.

Punkt 1, Tag 3:

Tag 3 kommt flach heraus. Kreuz und quer durch am Südende des Kaiserstuhls durch eine kleinräumige Land- und Landwirtschaft, in der gerade die Spargeln ans Licht drängen (wohin sie aber bekanntlich nicht dürfen). In Breisach sodann ein 90-Grad-Schwenker Richtung Nord und ans Rheinufer. Über den Rest – bis Basel – darf Schweigen gebreitet werden. Die 60 Kilometer Uferweg, die meisten auf grob gekiestem Weg, sind, na ja, eintönig. In Basel wartet der Zug.

Punkt 2, Mein neues Alltags- und Tourenvelo.

Das vor Monatsfrist erworbene Sleipnir-Pinion aus dem Hause 47 Grad Nord in Biel erweist sich (anders hab ichs nicht erwartet) als braves Stahlrösslein, dem ich Mal für Mal mit Freude die Sporen gebe. Die 18 per Drehgriff präzis zu schaltenden Gänge haben aus dem bis anhin schaltfaulen Velofahrer einen schaltfreudigen gemacht, der sich für jede Geländelage flink die passende Übersetzung heraussucht. Die Möglichkeit, im Stand selbst mehrere Gänge schalten zu können, erweist sich als praktischer Vorteil – nicht nur am Berg. Mein Sleipnir rollt ruhig über die Strasse, holpert durch den Wald und stoppt punktgenau vor der nächsten Gartenwirtschaft. Ziel erreicht. (Nebenbei: Zuhause ist der Putz in fünf Minuten erledigt. Wasser, Schwamm und Lappen genügen, es gibt keine Kette zu reinigen, nix Öliges ist da, kein Geschmiere.)

Punkt 3, das GPS.

Mit einem GPS-Gerät verhält es sich wie mit Gott. Man darf vertrauen, dass er einen ans Ziel führt. Schlenker sind allerdings in Kauf zu nehmen; ein Abweg ist nur ein Umweg, der aber ebenfalls nach Rom führt. Mein Vertrauen jedenfalls in das Ibex 32, das mir Falk zur Verfügung gestellt hat, ist schon nach dem ersten Kilometer unerschütterlich. Nach dem zweiten frage ich mich, wie ich je ohne ein solches Wunderding auf den rechten Pfad hatte finden können und am Abend weiss ich von – so besehen – göttlicher Lenkung aus eigener Erfahrung zu berichten.

Auf dem Bähnle-Radweg zwischen Bonndorf und Lenzkirch. Ein velo-touristisches Angebot vom Feinsten.

Auf dem Bähnle-Radweg zwischen Bonndorf und Lenzkirch. Ein velo-touristisches Angebot vom Feinsten.

Es war meine erste Tour mit GPS-Hilfe, doch ich möchte diese fortan nicht mehr missen. Das Kistchen am Lenker lotst mich aus dem Wohnquartier auf eine Veloroute, an der ich letztes Mal vorbeigefahren bin, es steuert mich durch den Wald, kennt jeden Trampelpfad und führt mich vors gebuchte Hotel ebenso wie die gesuchte Hausnummer in einer Quartierstrasse. Ich suche nicht einmal per Karte nach dem Weg und brauche diese nur noch für die Orientierung.

Zuhause hatte ich mir einige mögliche Routen auf dem Tourenportal von Falk eingezeichnet und auf das Gerät geladen. Das ging einfach und war binnen Minuten erledigt. Ich musste mich weder durch ein Programm kämpfen noch eine Anleitung studieren und kannte die Streckenlänge und das Höhenprofil schon vor dem ersten Pedaltritt. Die Sache ist selbsterklärend.

Wenn es dennoch etwas anzumerken oder zu bemäkeln gibt, dann dies:

  • Man achte auf die Pfeilangaben unten links auf dem Bildschirm. Hier wird angezeigt, wie lange es bis zur nächsten Abzweigung dauert und in welche Richtung es dort geht. Ist mir mehr als einmal passiert, dass ich vor lauter Radelfreude geradeaus pedaliert bin, ohne auf das GPS zu achten.
  • Sich nicht von Verwirrungen beirren lassen. In Breisach führt mich das GPS weissichnichtwarum im Kreis herum. Ich würde jetzt noch dort meine Runden drehen, wenn ich nicht aufs Knöpfchen gedrückt und auf «Neues Ziel» getippt hätte.
  • Ersatzbatterien oder Ersatzakku mitführen. Mein Ibex 32 bat nach acht Stunden um Strom, stellte aber erst etwa anderthalb Stunden später ab. Schon bald hatte ich die Stimmanweisung abgestellt und die Helligkeit auf 30 % gedimmt. Das spart Pfuus. Inzwischen habe ich mein Velo mit dem «The Plug» von Tout-Terrain nachgerüstet. Damit kann ich über einen UBS-Anschluss Geräte während des Fahrens aufladen. Auch das Handy.
  • Der Bildschirm des Ibex 32 ist etwa drei Millimeter versenkt. Das ist unpraktisch. Touch-Screen-Tasten in den Ecken sind so mühsam zu «drücken». Beim Testgerät reagierte die «Taste» unten links oft erst nach mehrmaligem Drücken und schon gar nicht auf Berührung.
  • Beim Testgerät waren die beiden Modus-Tasten links und rechts des Geräts sehr schwergängig. Da brauchte es schon gehörig Druck, bis sich etwas tat.
  • Die meisten GPS-Geräte können Dinge, auf die sich verzichten lässt. Mitunter machen sie aber trotzdem Spass. Wenn ich mich verfahre, zeigt das Ibex 32 zum Beispiel sofort an, um wie viele Meter die Strecke länger wird. Armer Radler! Oder es errechnet die mutmassliche Ankunftszeit. Damit lässt sich spielen: Schnell mal ein Weilchen kräftiger in die Pedale getreten, und schon bin ich ein Minütchen früher am Ziel.
  • Schnickschnack für den, der Spass daran hat. Ich will mich allerdings nur im Gelände orientieren und am Computer geplante Touren abfahren können. Dafür ist so ein GPS aber wirklich eine prima Sache.

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Dominik,

    Ein schöner Beitrag, tolle Bilder und nach wie vor ein schönes Rad, mit dem Du mir meinen vorletzten Abend hier in Georgien verschönerst.

    Zum Falk: kannst du das gut mit dem Plug laden? Ich bin grad beim Plug etwas ernüchtert. Habe ihn mit SONdeluxe gefahren und nun mit SON28. Mein Handy macht er, mein Navi (Teasi Pro) erst ab 27 km/h. Und dafür bin ich zu alt 😉

    Zweitens: kannst du auch einfach (und ggf kostenlos) weltweit Karten auf das Ibex laden, die auch routingfähig sind?

    Drittens: bietet dir das Ibex auch eine Art Radcomputer?

    Gruß aus bei Tiflis,
    Martin

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    • Hallo Martin

      So ist das – die einen ziehts in die Ferne, die andern in den Schwarzwald. Ich hoffe, Du hattest eine erlebnisreiche Zeit. Wir werden ja sicher darüber lesen können.
      Zu Deinen Fragen: Ich habe den Plug genau seit heute, also noch null Erfahrung damit. Gemäss Rahmenbauer ist mein Son 28 SL aber stark genug, ein Navi zu laden. Tout-terrain gibt auf seiner Seite eine Übersicht, welche Navis mit dem Plug geladen werden können, das Falk Ibex ist da darunter: Was das Kartenladen betrifft: Davon gehe ich aus, habs aber nicht ausprobiert. Gemäss Falk-Website müsste es möglich sein.
      Dritte Frage: Ich glaube nein. So wie ich das sehe und soeben im Handbuch nachgelesen habe, werden nur die km, Höhenangaben usw. pro gefahrene Tour angezeigt, nicht aber insgesamt. Dafür habe ich seit jeher einen einfachen Sigma am Lenker. Ich bin ja mit meinem Velo für gewöhnlich im Alltag und ohne Navi unterwegs.
      Gute Heimkehr, Grüsse, Dominik

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