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Veloförderung ist nichts für Spassbremsen

Pink Panter am Hilliminator-Rennen am 30. Mai 2015 in Luzern. Spass muss sein, der Rest ergibt sich von selbst.

Der Mensch schwingt sich in den Sattel, wenn er, nebst allen anderen Vorteilen, Spass daran findet. Veloförderung heisst deshalb in erster Linie, die Freude daran anzukurbeln. Doch wie geschieht dies? Grundsätzlich von alleine, indem wir das Velofahren sicher und schnell machen. Doch bis diese Voraussetzung erfüllt ist, wird es dauern. So lange (und überhaupt) hilft es mehr, in Sachen Fahrfreude einen Gang höher zu schalten. An der Positiv-Spirale zu drehen hätte den Effekt, dass dass es auf der Strasse für unsereins sicherer wird, wenn sich mehr Velocipedisten darauf tummeln.

Doch in dieser Hinsicht verhält es sich hierzulande genau umgekehrt. Das Velo ist in der öffentlichen Diskussion ein Problemfaktor und gefährliches Transportmittel. Kampagnen der öffentlichen Hand und Verbänden laufen unter den Stichwörtern Rücksicht und Vorsicht. Die Stadt Luzern, Pro Velo Luzern und Fussverkehr Schweiz Region Luzern sowie die Luzerner Polizei warben im April zum zweiten Mal für ein freundliches Miteinander von Velofahrenden und Fussgängerinnen und Fussgängern. Die Kampagne dürfte so wenig bewirkt haben wie die auf den Boden gemalten «Rücksicht»-Signete schnell wieder weggeschrubbt wurden.

Vor einer Woche sodann traten VCS, Pro Velo, TCS, BfU und Polizei mit dem Aufruf «Vorsicht beim Vortritt. Du weisst nie was kommt!» an die Öffentlichkeit. Ihre Kampagne macht auf Gefahren bei «Kein Vortritt», Kreisel, Stopp, Linksabbiegen und Rotlicht aufmerksam. Dies ist gewiss gut gemeint und gut gemacht – aber der Aufruf dürfte die Menschen eher vom Velofahren abhalten als dazu ermuntern.

«Bitte keine Eisbären»

Nützt’s nüüt, so schad’s nüüt, sagt der Volksmund. Der dänische Experte für Velokonzepte, Mikael Colville-Andersen (Copenhagenize) dürfte diese Meinung nicht teilen. Für ihn sind auch Fahrfreude-Kampagnen überflüssig. Das sei Geldverschwendung, sagte er am 17. Mai gegenüber der «NZZ am Sonntag». Und «das Umweltzeug» könne man gleich vergessen. «Bitte keine Eisbären. Niemand fährt Rad, um die Welt zu retten», sagte Colville-Andersen. Laut Umfragen nennten nur ein Prozent der Kopenhagener Velofahrer ökologische Gründe, schreibt die NZZ. «Statt dessen geht es ihnen vor allem ums Tempo: Das Velo ist viel schneller als alles andere. Die tiefen Kosten sind auch ein Faktor, aber viel weniger wichtig.»

Es verhält Velofahren letzten Endes so, wie bei Vielem: Man muss es einfach tun und damit andere anstecken. Besten Anschauungsunterricht boten diesbezüglich gestern Samstag die Macher des Hilliminator, eines Bergsprints mitten in der Stadt Luzern. Ein 300 Meter kurzes Rennen, das es aber aufgrund seiner Höhendifferenz – 60 Meter – gnadenlos in sich hat. Eine sozusagen überhängende Herausforderung. Und auf jeden Fall grossartiges Vergnügen.

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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