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Mit Aberglaube zuoberst aufs Treppchen

Nützt's nichts, so schadet's bestimmt auch nicht: Aberglaube ist auch im Radsport ein Thema. | 2015 pixabay.com

Aberglaube ist in unserer Gesellschaft fest verankert. Ob es darum geht, Leitern zu umgehen, schwarze Katzen zu vermeiden oder ein bestimmtes Ritual durchzuführen, um das Glück auf seine Seite zu ziehen – Aberglaube ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Überall dort, wo das Schicksal eine Rolle spielt, ist er anzutreffen. Beim Glücksspiel natürlich. Und, selbstverständlich, im Sport. Obwohl Fussballspieler als die Abergläubischsten unter den Sportlern gelten, findet man derartige Rituale und Praktiken auch im Radsport.

Wenn viel auf dem Spiel steht – so wie es im Profisport der Fall ist –, liegt es in der Natur des Menschen, den Ausgang eines Spieles oder Rennens beeinflussen zu wollen. Bestimmte Bewegungsabläufe kann man üben, seine Kondition trainieren und verschiedene andere Methoden anwenden, um die bestmöglichen Chancen zu haben, doch bestimmte Dinge kann man nicht vorhersagen oder beeinflussen. Zum Beispiel starken Gegenwind oder die Leistung anderer Sportler. Also versuchen viele Sportler das Schicksal zu beeinflussen und entwickeln abergläubische Rituale.

So hatte zum Beispiel Jan Ullrich seine Angewohnheiten. Der ehemalige deutsche Spitzenradfahrer, der sich als nicht religiös bezeichnet, bekreuzigte sich vor jedem Rennen. Vielleicht vorsichtshalber? «Das ist so eine Art Aberglaube», erklärt er seinen Brauch. Ausserdem erzählte er vor einigen Jahren, dass «die drei Streifen auf der Brust (des Deutschen-Meister-Trikots) ihm 1997 Glück gebracht» hätten. Auch sein berühmter Radfahrkollege Lance Armstrong hatte so seine Rituale. So wollte er immer mit dem gleichen Rad ein Rennen beginnen und beenden. «Dadurch musste er lediglich die richtige Position finden und allenfalls die Räder austauschen», erklärte Scott Daubert von der Radfirma Trek.

Um die Zahl 13 macht man – sofern man abergläubisch ist – ja bekanntlich einen grossen Bogen. Einige Velofahrer gehen deswegen so weit, dass sie die Startnummer 13, wenn sie diese erhalten haben, umdrehen. Um das Pech nicht anzuziehen müsse dies strikt eingehalten werden, meint so mancher.

Ein seltsames Ritual, dass nicht nur im Radsport verbreitet ist, ist die Angewohnheit, sich vor einem wichtigen Sportereignis nicht zu rasieren. Velofahrer treten bei wichtigen Rennen mitunter mit Bart an. Im Eishockey ist «Bart» schon zur Tradition geworden. Es fing mit einer Mannschaft an, deren Mitglieder ihre Bärte während einer Meisterschaft wachsen liessen und sie erst dann abrasieren wollten, wenn sie entweder aus der Meisterschaft ausgeschieden waren oder das letzte Spiel (und damit die ganze Meisterschaft) gewonnen hatten. Andere Teams ahmten sie später nach.

Eine andere Methode, um das Glück auf seine Seite zu ziehen, die sowohl im Sport als auch im Glücksspiel weit verbreitet ist, ist es, eine bestimmte Farbe am Körper zu tragen. Besonders Rot ist beliebt. So trägt zum Beispiel die Golf-Legende Tiger Woods immer ein rotes Hemd am Finaltag. Seine Mutter habe ihm verraten, dass Rot seine Power-Farbe sei, klärte Woods auf seiner Website vor einigen Jahren seine Fans auf.

Auch im Glücksspiel gibt es diesen Aberglauben. Viele chinesische Casinobesucher tragen sogar rote Unterwäsche (das kommt wohl daher, dass Rot in der chinesischen Kultur als Glücksfarbe gilt). Die Farbe wird aber in Casinos auf der ganzen Welt als glückbringend angesehen.

Den Bart wachsen lassen

Bildquelle: www.pixabay.com

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Viele Radfahrer tragen Glücksbringer bei sich. Darunter häufig zu finden sind Medaillen mit religiösem Hintergrund. Ob das als Aberglaube zählt, ist zwar ein anderes Thema. Jedenfalls versuchen viele Sportler aber, sich so einen Vorteil zu verschaffen. Viele dieser Medaillen sind mit einem Abbild der Marienerscheinung Madonna del Ghisallo versehen. Der Legende zufolge wurde Graf Ghisallo, der im Mittelalter lebte, auf einem Hügel in der Nähe des Comer Sees von Banditen angegriffen als ihm die Jungfrau Maria erschien. Er lief auf sie zu und wurde von ihr gerettet. Zunächst wurde die Jungfrau zur Patronin der Reisenden ernannt und später durch einen lokalen Priester, Vater Ermelindo Vigano, auch zur Patronin der Radfahrer. Papst Pius XII bestätigte die Bezeichnung.
Aber nicht nur Glücksbringer werden getragen. Der Aberglaube nimmt auch kreative Formen an. In Australien gibt es beispielsweise einen seltsamen Brauch. Viele Radfahrer bleichen im «Down under» ihre Haare vor den Track-World-Championships, den Weltmeisteraschaften auf der Bahn. Auch tragen manche Velosportler ihr Unterhemd so, wie sie es aus der Waschmaschine ziehen. Das gilt auch, wenn es verkehrt herum in die Maschine gesteckt wurde. Später hat man dann den Salat, denn es muss genau so angezogen werden, wie es herausgenommen wurde, wenn man das Glück anlocken möchte.
Man sieht also, es herrscht auch bei Radfahrern jede Menge Aberglaube. Wer weiss – vielleicht fällt einem ja der eine oder andere seltsame Brauch beim nächsten Rennen auf.

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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