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Das Veloleben in allen Farben

Wer Fixie fährt, drückt damit auch eine Lebenseinstellung aus: ein besonders farbiges Exemplar an der Ausstellung «Bike Design City» in Winterthur. | © 2017 Dominik Thali

Vor 200 Jahren hat Karl Drais in Mannheim die Laufmaschine erfunden, die als Vorläufer (genau, denn Pedale hatte sein Gefährt noch nicht) des heutigen Velos gilt. Das Gewerbemuseum Winterthur widmet dem Jubiläum die Ausstellung «Bike | Design | City». Der Titel steht für die drei Gründe dafür, dass sich der Besuch lohnt:

Die Ausstellung ist keine langweilige Aufarbeitung der Velogeschichte. «Bike I Design I City» beleuchtet vielmehr «die vielfältigen Fahrradszenen von heute, das reiche Entwicklungspotenzial innerhalb der urbanen Mobilität und mögliche Zukunftsszenarien rund ums Radfahren». (Zitat aus der Medienmitteilung)

Erstens: Die Schau zeigt Velos aus dem nationalen und internationalen Raum, mit dabei auch Unikate, Prototypen und Modelle aus Kleinstserien.

Zweitens: Das Velo ist, seit es erfunden wurde, ein Designobjekt und Kulturgut, das auch für ein Lebensgefühl steht. Und es wird fotografiert, gezeichnet und gemalt. «Bike I Design I City» zeigt deshalb Fotografien aus der Serie «we are traffic» von Björn Lexius und Till Gläser, Zeichnungen von René Zäch, Gianluca Giminis verquere Fahrräder aus der Bildserie «Velocipedia» und eine Vorschau auf den Comicband «Tour de Suisse», der im April erscheint.

Drittens: Das Velo war während Jahrzehnten in erster Linie ein billiges Fortbewegungsvehikel oder wurde für Freizeit und Sport genutzt. Heute kann es in den Zentren, die im motorisierten Verkehr ersticken, der Ausweg sein. Die Renaissance des Velos wird in vielen Städten noch immer kaum beachtet, in anderen hingegen einfallsreich gefördert. Kopenhagen, Amsterdam, Paris oder London begegnen der Herausforderung mit unterschiedlichen Verkehrskonzepten mit zum Teil hohen Investitionen und ehrgeizigen Zielen.

Blick in die Ausstellung «Bike | Design | City» im Gewerbemuseum Winterthur. | © 2017 Pressedienst

«Bike I Design I City» nimmt diese gebauten oder in Planung befindlichen städtebaulichen Umwälzungen in den Blick und zeigt gleichzeitig Utopien und Visionen, die vielleicht dereinst unsere Städte neu prägen werden. «Denn trotz hoher Investitionen in neue Verkehrsinfrastrukturen für Zweiräder befindet sich der Kosten-Nutzen-Vergleich zwischen Automobil und Fahrrad in Schieflage. Radfahrer bescheren einer Stadt nicht nur tiefere Gesundheitskosten, auch jeder gefahrene Kilometer kostet sie viel weniger», schreiben die Ausstellungsmacher.

Eine Aussage, die angesichts des heutigen Volksentscheids (12. Februar 2017) an Bedeutung gewinnt: Die Stimmenden haben einem Strassenfonds deutlich zugestimmt, der 2018 in Kraft tritt und gemäss dem der Bund in einer ersten Phase etwa 6,5 Milliarden Franken in Verkehrsprojekte investieren wird. Am meisten Geld wird in das Autobahnnetz fliessen, das um 400 Kilometer erweitert wird.

«Bike | Design | City», Gewerbemuseum Winterthur, bis 31. Juli, Di bis So 10–17 Uhr / Do 10–20 Uhr / Mo geschlossen, zahlreiche Begleitveranstaltungen | www.gewerbemuseum.ch 

über

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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