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Sieben Gründe, weshalb sich das Velofahren lohnt

Wer Velo fährt, steht weniger im Stau: Im Feierabendverkehr in der Stadt Luzern. | © 10. Juni 2017, Dominik Thali

Im Dezember 2016 hat der Europäische Radfahrerverband (ECF, European Cyclists Federation) hat seine überarbeitete, erstmals 2013 erschienene Analyse «Ökonomische Vorteile des Radfahrens in den 27 EU-Ländern» veröffentlicht. Der neue Report wurde um einige Themenfelder erweitert. Einbezogen werden Faktoren wie Gesundheit, Emmissionen, Unfälle, Fahrzeugbetriebskosten usw. «Hier zeigt sich besonders die grosse Stärke des Velos», sagt Roland Pfeiffer, Präsident der Velokonferenz Schweiz. Studien-Co-Autor Holger Haubold fasst den EU-Report im Info-Bulletin 1/2017 der Velokonferenz Schweiz, im Juni erschienen, die Argumente auf Deutsch zusammen. Wir geben den Beitrag hier wieder. (Hinweis: Die «Velokonferenz Schweiz» ist eine politisch neutrale, nationale Fachorganisation für Veloverkehrsplanung.)

Radfahren macht Spass und hält fit, aber welche weiteren Vorteile hat es noch? Und wie lassen sich diese messen? Eine neue Studie des Europäischen Radfahrerverbandes ECF gibt Antworten auf diese Fragen. Mehr als 1000 Euro pro Kopf der EU-Bevölkerung allein beim heutigen Radverkehrsaufkommen – so hoch ist laut der Untersuchung der volkswirtschaftliche Nutzen des Radfahrens.

Dazu kommen andere Vorteile, die sich zur Zeit noch nicht beziffern lassen, im Report aber schon aufgelistet werden. Nach der ersten Auflage 2013 beschäftigt sich der ECF bereits zum zweiten Mal mit der Frage, welche Vorteile das Fahrrad für Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft bringt. In der aktuellen Studie nimmt der ECF erstmals eine systematische Klassifizierung der einzelnen Vorteile vor und ordnet sie neun verschiedenen Bereichen zu. Die Einordnung basiert auf der Agenda zur aktiven Mobilität, die der ECF in den letzten Jahren zusammen mit seinem akademischen Netzwerk «Scientists for Cycling» entwickelt hat.

Umwelt + Klima 15.5 Mrd. Euro
Energie + Ressourcen 3 Mrd. Euro
Gesundheit 191 Mrd. Euro
Wirtschaft 63 Mrd. Euro
Technologie + Design 20 Mrd. Euro
Zeit + Raum 131 Mrd. Euro
Soziales 50 Mrd. Euro
Mobilitäs 30 Mrd. Euro
Kulturelle Vielfalt  10 Mrd. Euro

Grund 1
Mit mehr als 191 Milliarden Euro hat der Gesundheitsbereich den grössten Anteil an den quantifizierbaren Vorteilen des Radfahrens. Dazu gehört ein längeres und gesünderes Leben, für dessen Berechnung die Weltgesundheitsorganisation WHO eine eigene Methodik entwickelt hat. Es gibt aber noch weitere Vorteile in diesem Bereich: Radfahrende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind im Durchschnitt einen Tag pro Jahr weniger krank als ihre Kolleginnen und Kollegen. Das bringt einen
geldwerten Vorteil für Arbeitgeber, der sich für die EU auf 4,5 Milliarden Euro pro Jahr summiert.

Grund 2
Positive Auswirkungen hat das Radfahren auch für Umwelt und Klima. Allein die durch Radfahrer/innen in der EU jährlich vermiedenen 15 Millionen Tonnen CO2
-Emissionen entsprechen einem Wert von 2,2 Milliarden Euro. Dazu kommen die Reduzierung der Luft- und Lärmverschmutzung mit einem Wert von mehr als 700 Millionen Euro pro Jahr sowie die durch den geringeren Bedarf an Straßeninfrastruktur verminderte Versiegelung von Flächen, die mit einem Anstieg der Boden- und
Wasserqualität einhergeht.

Grund 3
Damit verknüpft ist eine bessere Nutzung des öffentlichen Raums: Zum einen brauchen Fahrräder zum Fahren und Parken nur einen Bruchteil der Fläche, den Autos benötigen. Zum anderen ist die Qualität des nur von Radfahrer/innen und Fussgänger/innen genutzten Raums höher, da hier öffentliche Begegnungsflächen entstehen anstelle von Fahrspuren, die Menschen voneinander trennen. Studien belegen ausserdem, dass Radfahrer/-innen einen höheren Nutzen aus der Zeit ziehen, die sie für ihre Fortbewegung aufwenden, indem sie sich zum Beispiel an der frischen Luft aufhalten oder die Landschaft geniessen können.

Grund 4
Einen nicht zu unterschätzenden Wert hat die Fahrradnutzung auch für Einzelhändler: Das jährliche Einkaufsvolumen von Radfahrer/innen in der EU schätzt der ECF auf 111 Milliarden Euro.

Grund 6
Schließlich sollte auch der Umsatz in den mit dem Fahrrad verknüpften Wirtschaftszweigen nicht vergessen werden. Diese beschäftigen in der EU mehr als 650’000 Arbeitnehmende.

Grund 7
Den grössten Anteil hat hier der Fahrradtourismus mit einem jährlichen Umsatz von 44 Milliarden Euro, was mehr ist als zum Beispiel der Umsatz in der Kreuzfahrtindustrie.

Diese Zahlen sind an sich schon beeindruckend. Die Studie zeigt noch weitere Vorteile des Radfahrens auf, zum Beispiel im sozialen Bereich, für die zum jetzigen Zeitpunkt quantifizierbare Daten aber noch fehlen. Doch eines ist auf jeden Fall sicher: Radfahren lohnt sich – sehr!

Titelseite der ECF-Studie zur Wirtschaftlichkeit des Velofahrens.

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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