Klimaschädliches Velofahren: Es ist noch viel schlimmer, Herr Eichenberger

Wer Velo fährt, schädigt das Klima unter Umständen mehr als mit dem Auto. Die Berechnung, die Wirtschaftsprofessor Rainer Eichenberger in der «Handelszeitung» Mitte November anstellte, stiess auf viel Widerspruch. Dabei ist alles noch viel schlimmer.

Ein sparsames Auto brauche auf 100 Kilometer 5 Liter Benzin und stosse bei einer Besetzung mit 4 Personen 30 Gramm CO2 pro Personenkilometer aus, schreibt Eichenberger in seiner Kolumne. Fleisch essende Velofahrerinnen und Velofahrer hingegen verursachten auf die gleiche Distanz pro Personenkilometer 133 Gramm CO2 – das Vierfache. Grund: Sie müssten mehr essen, um genug Energie zu haben. Rindfleisch, wie Eichenberger annimmt. Für die 2500 Kilokalorien, die ein Velofahrer auf 100 Kilometer brauche, würden 13,3 Kilo CO2 ausgestossen.

Luft fürs Velo statt fürs Atmen

Das sind Zahlen, die auf den Magen schlagen. Dabei gibt es noch ganz andere Umstände, die jedem Velofahrer, jeder Velofahrerin die Überzeugung austreiben dürften, mittels Pedalieren die Welt zu retten. Um nur ein paar Beispiele zu nennen:

Die Europäische Agentur für die Luftmengenverteilung (EAL) stellt in einer aktuellen Studie für Städte mit einem hohen Veloanteil am Verkehrsaufkommen eine erhöhtes Aufkommen von Atemnot fest. Die EAL mutmasst, dies könnte mit dem grösseren Sauerstoffverbrauch von Velofahrenden und Zu-Fuss-Gehenden zusammenhängen. Im Auto hingegen seien die Menschen keiner körperlichen Anstrengung ausgesetzt und atmeten deshalb auch nicht übermässig. Vielmehr produzierten die Klimaanlagen heutiger Fahrzeuge sogar frische Luft in grossen Mengen.

Die EAL bringt die Atemnot in Städten wie Kopenhagen, Amsterdam oder – neuerdings – auch Paris sogar damit in Verbindung, dass Veloreifen häufiger gepumpt werden müssten also Autopneus. «Die dadurch verbrauchte Luft fehlt dann den Menschen, die nicht Velo fahren können oder wollen», heisst es in der Studie. Das sind «Klimaopportunitätskosten», die «in einer vernünftigen Ökobilanz mitgerechnet werden» müssten, wie auch Rainer Eichenberger schreibt.

Wer duscht schon kalt?

Was es weiter zu beachten gilt und gegen das Velo spricht:

  • Wer Velo fährt, braucht mehr Kleider. Während sich – theoretisch – ganzjährig nackt hinter dem Steuer sitzen lässt, ziehen sich Velofahrerinnen und -fahrer gerne Funktionsbekleidung über, die oft aus Merinowolle gefertigt ist. Diese stammt a) oft aus Neuseeland und b) von Schafen, deren Methanausstoss das Klima mehr belastet als die europäische Produktion von Badehosen.
  • Wer pedaliert, muss – sollte zumindest – regelmässig duschen. Das tut indessen kein Velofahrer kalt. Demgegenüber ist die Duschhäufigkeit von Autofahrern schon rein rechnerisch geringer.
  • Velofahrerinnen und -fahrer wollen eigene Fahrstreifen oder sogar abgetrennte Fahrwege. Das braucht Platz, den wir in unserem dicht bebauten Land nicht haben. Die Folge: Grünland wird verbraucht oder dem Auto Fläche genommen. Was letzten Endes heisst: Die grüne Idee, den Veloanteil am Verkehrsaufkommen zu steigern, bewirkt das Gegenteil. Fürs Auto wird’s eng, es gibt immer mehr Staus, der ständige Stop-and-Go-Verkehr führt zu einem erhöhten Benzinverbrauch und mehr Lärm.
  • Nicht zu unterschätzen sind ferner die mentalen Folgen dieser Entwicklung: Stau heisst Stress, gestresste Menschen sind weniger leistungsfähig. Daran hat die Wirtschaft kein Interesse.
  • A propos Wirtschaft: Autos werden immer mehr zu rollenden Büros: Telefonieren am Steuer, Mails vor dem Rotlicht beantworten und damit schon vor dem Eintreffen am Arbeitsplatz Pendenzen erledigt haben: Solches ist auf dem Velo nicht möglich.

Schwatzen statt Umsatz erzielen

Zu guter Letzt: Wie viel (bezahlte) Arbeitszeit verschwatzen Velopendlerinnen und -pendler, indem sie beim morgendlichen Eintreffen im Büro unter Ihresgleichen erst darüber klagen, welche vermeintlich gefährliche Situation sie unterwegs wieder erlebt hätten, welcher Autofahrer sie geschnitten oder ungeräumte Veloweg sie beinahe aus dem Sattel geworfen habe?

Am Ende braten diese Velofahrer noch Rindfleisch zum Znüni.

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8 Kommentare

Wieviel Luft verbrauchen Autofahrer die während der Fahrt rauchen, danach ihr Klimmstengel übers Fenster entsorgen und damit die Umwelt schädigen ? Wieviel Metall, Kunststoffe und seltene Erden müssen für ein Auto herangeschafft werden aus weit entfernten Ländern um ein Relikt aus vergangenen Tagen zu produzieren ?
Meistens sitzen auch nur eine, maximal zwei Personen im Auto, somit hinkt die beschriebene Bilanz ? Den Verfasser dieses Berichtes würde ich gerne mal gegenüber stehen um zu erfahren woher er seine unglaubliche Weisheit bezieht, bestimmt noch gesponsert von der Automobilindustrie.

Lieber Frank, der Verfasser – also ich – ist keineswegs gesponsert von der Automobilindustrie, sondern vielmehr überzeugter Alltagsvelofahrer. Der Beitrag ist Ironie und Satire, eine Reaktion auf die Kolumne des erwähnten Rainer Eichenberger in der «Handelszeitung». Diese ist im Beitrag verlinkt. Tut mir leid, wenn meine Veräppelung nicht klar wurde/wird – aber ich konnte nicht anders, als mich über Herrn Eichenberger lustig zu machen. Gute Fahrt weiterhin!

Dann ist ja gut mit der Satire.
Aber viele Autofahrer denken wie der Professor. Die Autofahrer-Lobby ist so groß gegenüber den Velofahrern.

Andererseits ist es eben halt schon auch gut, wenn ich mir jeden Tag, eins oder gerne auch zwei ganze Rindsfilets reinpfeife. Weil sonst stehen die Rindviecher noch länger auf der Weide rum, fressen – sauerstoff produzierendes! – Grünzeug und görpsen und furzen Methan in die Luft. Also weg mit den Viechern, auf den Grill!

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