Autor: Dominik

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

Das Amuse-Bouche für Veloreisende

Dafür ist dieses Buch genau richtig: An einem Winterabend n’bisschen in der Wanne liegen, sich auf die warmen Tage freuen und fragen, wohin denn die Reise auf zwei Rädern diesmal gehen könnte, zufällig dann irgend ein Kapitel aufschlagen und finden: Doch, an die Loire, das wärs, oder aber nein, Menorca oder Wales vielleicht eher oder Schweden oder das Salzkammergut. «Europa mit dem Fahrrad» heisst das 160 Seiten dicke Amuse-Bouche, dessen wunderbare Bilder vor allem auf die nächste Tour locken. Hat man sich erst entschieden, zieht man zwecks Vertiefung weitere Literatur zu Rate, denn ein eigentlicher Tourenführer ist das Werk nicht, vielmehr eine schöne Sammlung der schönsten im Heft «Trekking Bike» erschienenen Reisereportagen. Buch wie Heft kommen demzufolge aus demselben Verlag. Einen kleinen Wermutstropfen gibts aus Schweizer Sicht: Touren in elf Ländern beschreit das Autoren-Duo Armin Herb und Daniel Simon darin, doch leider keine aus der Schweiz. Hier gehts den beiden wohl zu sehr in die Berge. Solln mal mehr trainieren, die zwei!

Armin Herb / Daniel Simon, «Radreisen. Die schönsten Touren in Europa», Delius Klasing Verlag Bielefeld, 160 Seiten, ISBN 978-3-7688-3162-8, ca. Fr. 50.-

Das Velo der Bahn hat (zu) wenig Zug

Oft bleibt dem Velofahrer nichts anderes, als dem Zug zu winken: Die Herren (und Damen?) Bähnler treten nicht sehr gerne in die Pedale. (Bild: www.pd-f.de)

«Die Bahn verpasst den Velozug», titel das VCS-Magazin in seiner neuen Ausgabe. Während der Velotransport im Inland gut ausgebaut sei, bleibe er im internationalen
Verkehr ein Stiefkind, schreibt Chefredaktor Peter Krebs. Und: «Den Bahnen droht ein wachsender Markt zu entgehen.» Letzteres gilt freilich nicht nur – zum Beispiel – in Deutschland, wo die ICE-Züge immer noch keine Velos transportieren. In der Schweiz gibts zwar in fast allen Zügen kleinere (häufiger) oder grössere (weniger häufig) Veloabteile, aber es ist, eigentlich, unbegreiflich, weshalb die Politik nicht mehr bzw. endlich Druck auf die SBB machen, den Velopendelverkehr defintiv attraktiv zu machen. Ein bequem, sprich ebenerdig zugängliches und vor allem genügend grosses Veloabteil in jedem Regionalzug und Interregio ist meines Wissens immer noch bei weitem billiger als jeder automobile Strassenneu- und -ausbau.

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Vom tiefen Winter in den Walliser Frühling

Schneetreiben in Andermatt…
…Sonne in Reckingen.

Drei Tage auf der Rhone-Route von Veloland Schweiz sind um diese Jahreszeit eine Fahrt durch drei Jahreszeiten. Beim Umsteigen am Ostermontag in Andermatt hüllt uns Schneegestöber ein und wir stapfen durch 20 Zentimeter schönsten Pulverschnee, um die Velos zum Gepäckwagen zu bringen. Handschuhe und Stirnband unterm Helm sind auch auf der anderen Seite des Furkalochs noch ein Muss. Doch hier scheint immerhin schon die Sonne. Oberwald lassen wir links liegen: Noch ein halber Meter Schnee. In Reckingen aber steigen wir aus, satteln die Drahtesel und sausen los. Bis Fiesch allerdings auf der Hauptstrasse, was aber kein

Blick von Ernen talwärts.
Bitte das Velo tragen!

Problem ist, da die Pässe ja noch nicht offen und der Verkehr entsprechend dünn ist. Dann hoch nach Ernen und ins Binntal, wo es an sonnigen Hängen bereits wacker blüht und eine Schicht Faserpelz abgelegt werden darf. Dafür müssen wir in der Binnaschlucht die Velos über zwei, drei umgestürzte Baumstämme hieven. Für jene, die nach uns kommen, säbeln wir mit dem Sackmesser ein paar sperrige Äste ab.

Der Rest ist Genuss pur: Durch Grengiols nach Brig hinunter, nach dem Znacht wieder hoch nach Termen, um auf dem Schmelihof zu übernachten (grossartig, Blick vom Schlafzimmer direkt in die Berge), anderntags dann gemächlich bis Sion, fast alles unmittelbar der Rhone – die bis Sierre/Siders Rotte heisst – entlang. Es wird zunehmend Frühling, die Weinbauern inspizieren ihre Rebberge, derweil sich die Velozipedisten noch angenehm rar machen, der Wind, der einem im Wallis (fast) immer ins Gesicht bläst, hält sich zurück – mit anderen Worten: Lebensfreude herrscht.

Zwischen Brig und Sion.
Naturschutzgebiet vor Sion.

Weiter talwärts wird es hinsichtlich Lufttemperatur beinahe Sommer, wiewohl die Nacht noch kalt war. Die Aprikosen blühen, die Autobahnbauer (die A9 frisst sich durchs Wallis hoch) spüren neue Lebensenergie und die Cafés rücken die Stühle nach draussen. Am Ende haben wir 157 gemächliche Kilometer mehr auf dem Tacho und steigen in St.Maurice wieder in den Zug. Zurück nach Visp, durchs Lötschberg-Loch bernwärts und eine Stunde später hat uns der Alltag wieder. Schön wars!

Rasende Radler

Dies gelesen im «Velojournal» Nr. 2/2010: «Von Wien bis Constanta sind es rund 2000 Kilometer; wir haben sie in drei Wochen zurückgelegt. Irgendwie bereuen wir es, so eilig gereist zu sein. Der Vorsatz für unsere nächste Tour steht fest: Wir wollen die halbe Distanz in doppelter Zeit zurücklegen.» – Und das gedacht: Einsicht ist der schnellste Weg zur Besserung. Der dergestalt rasende Radler verpasst vor lauter radelrasen das Unterwegssein. Schade.
Ansonsten ist die Reportage im wie immer mehr denn lesenswerten «Velojournal» ein Motivationsfaktor, es den beiden Autoren nachzumachen. Von Wien nach Constanta am Schwarzen Meer. In ein bisschen mehr als drei Wochen. Hier kann der Artikel im PDF-Format heruntergeladen werden.

Luzerner Velokuriere sind preiswürdig

Das ist die längst verdiente Auszeichnung für die Helden des Alltags im Stadtluzerner Strassenverkehr: Die Albert Koechlin Stiftung (AKS) verleiht dem Velokurier Luzern den Umweltpreis 2010, der mit 40’000 Franken dotiert ist. Die Velokuriere AKS für ihren Einsatz im Bereich von umweltschonenden Transporten von Gütern ausgezeichnet. Wie die AKS schreibt, legen sie pro Jahr 175’000 Kilometer mit dem Velo zurück. Dies sei «ein wirtschaftliches Unternehmen mit einer ökologischen Strategie, welches unsere Umwelt auf nachahmenswerte Weise entlastet», so die Stiftung. Eine Fachjury hat den Preisträger aus 11 Nominationen ausgewählt. Der Preis wird am 9. Juni im Rahmen einer Feier in Luzern übergeben.
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Draht- und andere Esel

Diese Frontalkollision war auf eine Woche hinaus absehbar. Zeitungen, denen die Themen ausgehen, nehmen sich der velofahrenden Kaste an und drängen diese an den Randstein. Oder stellen mal wieder das Helmobligatorium zur Diskussion. Redaktionen dafür und dawider  sind dann garantiert. In der «NZZ am Sonntag» vom 14. März hat der Journalist und Autor David Signer sich unter dem Titel «Auf dem hohen Drahtesel» über unsereins beklagt. Wir fühlten uns über Recht und Ordnung erhaben und spielten uns, Zitat,

als «Velo-Samurais» auf,  die «in ihrer Rolle als furchtlose Kämpfer, als unerschrockene Rächer der Entrechteten aufzugehen» schienen und «auch dann noch weiter alles über den Haufen fahren und niedermähen, wenn es weit und breit keine Offroader gibt».

Herrn Signer fällt dieses Gebaren insbesondere auf, seit er als Fussgänger mit eigenen Kindern – Zwillingen – unterwegs ist.

Mal abgesehen davon, dass ich Solches vor 15, 18 Jahren wöchentlich gegen die automobile Bevölkerung hätte zu Papier bringen können, weil es mit unseren Kindern (3!) beileibe kein Vergnügen war, sich auch nur schon in den dörflichen Verkehr zu wagen – mal abgesehen davon erstaunt die Flut der Leserbriefe in der heutigen Ausgabe keineswegs. Frans de Baan, ehemaliger Velobeauftragter der Stadt Zürich, bringt es folgendermassen auf den Punkt: «Die Be- und Verdrängung des Veloverkehrs durch den motorisierten Verkehr bleibt Tatsache und hat die ausführlich beschriebenen unliebsamen Folgen: Ausweichen auf Trottoirs, Missachten von Verkehrsregeln durch eine kleine Minderheit der Velofahrenden.

Und dann noch Joe Schweizer aus Weggis:

«Vermutlich ist der Autor ein hartgesottener SUV-Rowdy, der es nicht wahrhaben kann, dass Velofahrer auch Verkehrsteilnehmer sind.»

Dem ist nichts weiter beizufügen. Besten Dank.