Kategorie: Landschaften

  • Durchs Rauf-und-runter-Land oder: «Einfach geil!»

    Durchs Rauf-und-runter-Land oder: «Einfach geil!»

    Dienstag, später Morgen, im «Combe à la Biche» am Fuss des Mont Soleil sitzen er und sie sich gegenüber am grossen Tisch im Garten. Zwei weitere Paare setzen sich hinzu, bestellen und die sechs, alle mit Motörli-Velos en route, fangen an zu plaudern, über Corona und so. Sie kämen aus dem Aargau, aus Leuggern, sagen die, die zuerst da waren, das kenne man jetzt doch, von dort komme diese Frau, die 180 Millionen im Lotto gewonnen habe, wobei er, der Mann spricht nun, finde, die hätten gescheiter 180 mal eine Million verteilt, worauf die vier, die sich hinzugesetzt haben, nicken. Die vier Hinzugestossenen geben sich als Berner zu erkennen, der eine nimmt den Corona-Faden wieder auf und findet, es sei «ämu scho schön», was man auch in der Schweiz alles so erleben könne. «Huere guet!», pflichtet ihm sein Kollege bei.

    Bergan holen mich die Motörler wenig später ein; man hört auf zwanzig Meter, wie sie herannahen, denn die Motörli summen während der Arbeit, derweil mein Riemen lautlos läuft. Wie ich mich auf au sommet ein wenig umschaue, kurven die Motörler schon wieder talwärts.«Huere guet!» 

    Auf dem Mont Soleil; eines der sieben Windräder im Hintergrund. | © 2020 Dominik Thali

    Auf der Veloland-Route Nr. 7, die von Basel nach Nyon am Genfersee führt, tummelt sich mittlerweile, so scheint es, mehr Motörli-Volk als mit eigener Kraft pedalierendes wie unsereins. Sei’s drum, ob so oder anders, im Jura herrscht kein Gedränge, die Strassen und (vor allem) Strässchen führen durch unbekannte Dörfer und weites Land. Eins ums andere Mal ists einem ums Staunen. Bloss, was das mit dem Motörli verständlich macht: Es geht rauf. Und runter. In einem fort. 5400 Meter auf den 280 Kilometern* obsi, 5200 nidsi. Am ersten Tag findet man das, ohne Motörli, eher streng. Was mich betrifft: Am zweiten Tag treffe ich im Anstieg von St.Ursanne nach Le Mont zwei Kerle als Köln, die mit ihren – Zitat – Mädels aus Mainz Richtung Provence unterwegs sind. Wir holen im Schatten gemeinsam Atem, spornen uns gegenseitig an und freuen uns miteinander des Sommers. «Einfach geil!», meint der eine Kerl. Und meine auch ich.

    Das passt alles. In der Brasserie «Des deux clefs» in Porrentruy hatte ich am Abend zuvor ein Bier bestellt. «Ça marche!», meint die Bedienung, und stellt mir das kühle Blonde umgehend auf den Tisch. Et puis: Cordon bleu avec Frites? «Oui, ça marche!» Noch ein Bier? «Ça marche!»

    Einfach so und selbstverständlich und alles funktioniert. Sechs Tage druch den Jura, von Basel nach Genf, die einen die Wunder von Leben und Alltag neu er-fahren lassen.

    Eintauchen. Die Augen offen halten. Hinhören. Dankbar sein.

    Einfach geil!

    *Längenangabe für die offizielle Strecke von Basel nach Nyon

    Etappen und Übernachtungen:

    1. Sonntag, 12. Juli 2020: Basel–Pruntrut: 75 km, Schlafen im Stroh auf der Ferme du Bonheur
    2. Montag, 13. Juli, Pruntrut–Saignelégier mit Schwenker über Bure, Fahy, Réclère, Vaufrey F: 80 km, Übernachtung im Massenlager im Sportzentrum/Hotel Cristal
    3. Dienstag, 14. Juli, Saignelégier–La-Chaux-de-Fonds–Travers: 70 km, Übernachtung in Gästezimmer auf dem Bauernhof von Familie Menoud (ca. 400 m über dem Dorf)
    4. Mittwoch, 15. Juli, Travers–St. Croix: 45 km, Übernachtung im Maison d’hôte Grangette Bellevue von Claudine Dubois und Jean-Claude Pache
    5. Donnerstag, 16. Juli, St.Croix–Le Lieu am Lac de Joux: 45 km, Schlafen im Stroh auf der Alp L’impasse du loup von Evelyne Meyland und Hans Bernhard (ca. 200 m über dem Dorf)
    6. Freitag, 17. Juli, Le Lieu-Genf: 75 km
  • Kleine Schweden-Radelei oder: In kurzen Hosen durch die Eiszeit

    Kleine Schweden-Radelei oder: In kurzen Hosen durch die Eiszeit

    In Südschweden ist die Eiszeit noch nicht beendet und die Insel Gotland eigentlich ein Korallenriff: Beste Voraussetzungen, um ein paar Wochen durch die Gegend zu radeln. Wir haben sie während sechs Wochen erkundet.

    Der Minuspunkt vorab: Eine Velotour auf Gotland erfordert Zeit für die An- und Heimreise. Weil Fliegen keine Option ist und die Schwedischen Staatsbahnen keine Velos befördern, sind hin und zurück je drei bis fünf Tage einzurechnen. Wie viel letztendlich, richtet sich danach, ob man auf den  450 bis 500 Kilometern, die es von Trelleborg im Süden bis an den Fährhafen Oskarshamn sind, selber in die Pedale tritt oder jene Abschnitte, die Privatbahnen und Busse bedienen, die Velos mitnehmen, darauf setzt. Weil wir sechs Wochen Zeit hatten, sah unsere Anreise so aus:

    • Mit dem Nachtzug von Basel nach Hamburg, weiter mit dem Zug nach Rostock.
    • Mit der Fähre nach Trelleborg; sechs Stunden Überfahrt
    • Der Rest mit dem Velo, ausgenommen der der Abschnitt Bromölla-Karlskrona, auf dem wir die Bahn nahmen.
    • Damit waren wir bis Oskarshamn sieben Tage unterwegs und legten auf der Insel Tjurkö vor Karlskrona einen Ruhetag ein.

    Was die Eiszeit vor 10’000 Jahren in Südschweden und Gotland hinterlassen hat, ist eine vom Eis geformte Landschaft, die zum kurzweiligen Radeln einlädt. Es ist nie flach, aber es gibt auch keine langen Anstiege: hunderte kleine Bergpreise dafür. Die Schären, diese rotbraunen Felsbuckel, um- und über die wir kurven, sind die rundgeschliffene Hinterlassenschaft der Urzeit; kleine Eilande im Wasser, hingeworfene Hügel auf dem Festland.  Und manchenorts ist die Eiszeit auch noch gar nicht beendet: Das Land, vom Gewicht des Eises befreit, lässt die Schärenklippen jedes Jahr ein Stückchen höher aus dem Wasser ragen. In Kalmar etwa, das an unserem Weg lag, hebt sich die Erde immer noch zwei bis vier Millimeter pro Jahr.

    Gotland wiederum war vor 400 Millionen Jahren ein Korallenriff, wovon die Rauken zeugen, diese eigenartigen Gesteinstürme, die nichts anderes sind als Riffkörper, die später der Kraft der nagenden Wellen besser zu widerstehen vermochten als das umliegende Sedimentsgestein.

    Über unsere zweieinhalb Wochen auf Gotland werde ich nächstens (die Ausgabe steht noch nicht fest) im «velojournal» berichten. Fürs erste müssen hier deshalb Bilder genügen, die auch von der Fortsetzung unserer Reise erzählen: Die Fähre von Gotland brachte uns nach Västervik, von wo aus wir nach Stegeborg pedalten und ab dort dem Götakanal entlang fuhren. Das heisst: Viel Land und Landschaft, viel Wasser mit den beiden grossen Seen Südschwedens, dem Vättern- und Vänernsee. Ziel war Göteborg; ein idealer Start- wie Endpunkt, da von hier eine Nachtfähre von und nach Kiel gibt, das wiederum nur anderthalb Stunden Zugstunden von Hamburg entfernt liegt.

    Ich habe die Routen der einzelnen Etappen nicht aufgezeichnet, sondern nachträglich auf Komoot eingetragen. Der Verlauf stimmt also nicht genau und der GPX-Track kann nicht ohne weiteres übernommen werden.

    Routenführung Etappe 1, Trelleborg-Oskarshamn, 18.-24. Juni 2019

    Routenführung Etappe 2, Gotland, 25. Juni-11. Juli 2019

    Routenführung Etappe 3, Västervik, Göta-Kanal, Göteborg 13.-24. Juli 2019

  • Einmal wie ein Tourist velocipedieren

    Einmal wie ein Tourist velocipedieren

    Das geflügelte Wort vom In-die-Ferne-schweifen, wo doch das Gute so nahe liege, hört der Fernradler womöglich ungern, wiewohl diese Nähe wirklich nicht schon er-fahren habend. Auf zwei Rädern. Also ist es mir gestern ergangen, einem wunderwarmen Vorfrühlingstag, an dem ich umsetzte, was ich als Velotourist und Gast in Luzern, wohl umsetzen würde: Nämlich diesen mir zu Füssen liegenden See, den Vierwaldstättersee, pedalierend zu umrunden. Ein Ansinnen, das hinsichtlich begleitender Verkehrsmenge zwar nicht erste Wahl sein kann, landschaftlich aber einen geballten Eindruck dessen liefert, was dieses Land so ausnehmend schön macht: Seen, Berge, Landschaft, alles dicht.

    Ich fuhr also um acht in der Leuchtenstadt los, im Gegenuhrzeigersinn, freute mich an Himmelblau und Klarsicht, erreichte bald schon Küssnacht, kaffeepausierte in Vitznau und überfuhr kurz nach Brunnen die Grenze zum Kanton Uri. In Flüelen passierte ich das Reussdelta, das sommers zum Bade lüde, und nahm sodann mein Mittagsmahl kurz vor Bauen ein, dieser südlich anmutenden Hier-geht-es-nicht-mehr-weiter-Idylle am Westufer des Urnersees, von wo an es das Rad zu schieben und schultern gilt, 300 Meter hoch ungefähr bis auf den Seelisberg. Die Kraxelei lohnt sich freilich ungemein, denn hier oben öffnet sich uns eine Willhelm-Tell-Urschweiz sondergleichen.

    Von 850 Metern gehts vom Seelisberg alsbald wieder auf 450 Meter hinunter nach Beckenried, von wo es sich mehr oder minder gemächlich nach Luzern zurückpedalieren lässt. 106 Kilometer hatte ich dort auf dem Zähler, sieben Stunden war ich samt Pausen unterwegs gewesen. Das nächste Mal würde ich mir die letzten 25 eher verkehrsreichen Kilometer sparen und in Beckenried das Schiff nach Luzern besteigen. Der Velofahrer lässt sich gerne auch mal seefahren.

    Blick zurück nach Gisikon: Auf der alten Axenstrasse, die mit dem Velo noch befahren werden darf. | © 2019 Dominik Thali

    Von Bauen auf den Seelisberg ist das Velo zu tragen oder zu schieben. Die Aussicht lohnt die Mühe aber allemal. | © 2019 Dominik Thali

    Fast wie im hohen Norden: Blick auf den Seelisberg-See (an dem es übrigens im Sommer einen tollen, autofreien Zeltplatz gibt). | © 2019 Dominik Thali

  • Die «Herzschlaufe Seetal» geht ans Herz

    Die «Herzschlaufe Seetal» geht ans Herz

    Wir pedalierten schon durch den Peloponnes (Hochzeitsfahrt), schlängelten uns durch die Mecklenburger Seen (inzwischen zu fünft), erkundeten bayrische Biergärten, schwedische Inseln und jurassische Höhen. Jedoch: Wir könnens auch in der Nähe und dies (zum wiederholten Male) nur empfehlen. Anlass dazu gibt die Herzschlaufe Seetal, die wir, Frau Gemahlin und meine Person, am Freitag und Samstag unter die Räder genommen haben. 110 km von Haustür zu Haustür, eine aussichtsreiche Wunderfahrt durchs Frühlingsblühen.

    Die Herzschlaufe Seetal, soeben ins dritte Jahr gestartet, ist ein Abstecher der Herzroute, der in zwei  Tagesetappen abseits vom Verkehr in weiten Bögen von Eschenbach nach Lenzburg und zurück führt. Gedacht ist sie als  Route für Elektromotörler – wir haben sie als beingetriebene Velofahrer gewissermassen missbraucht und finden aber die 2100 Höhenmeter im Anstieg kein Problem: Man hat und nimmt sich halt die Zeit und stösst das Velociped bergauf, wenn die Kraft in den Beinen nicht mehr ausreicht. Punkt.

    Die Belohnung der vermeintlichen Mühsal ist unerhört gross. Der Tag begann mit einer kleinen Einkehr in der schönsten aller Besenbeizen, dem Nussbaumbeizli von Familie Kurmann auf dem Horben, es ging sodann, übern Lindenberg, durch blühende Hochstammkulturen und über den Lindenberg mit Ausblick auf den Baldegger- und Hallwilersee sowie auf das Alpenpanorama, viel auf nicht geteerten und auf Waldstrassen, durch unbekannte Tälchen und an schönen Bauerngärten vorbei; es folgte ein friedlicher Abend auf Schloss Lenzburg mit gastfreundlicher Aufnahme im Bed-and-Breakfast bei Dani Schranz mitten im Städtchen, sodann ein ebenso wundervoller zweiter Tag, auf dem Westast, auf dem man in die grünen Täler und Anhöhen des Aargaus und der Region Beromünster-Sempachersee eintaucht. Eine Strecke für Heimatverliebte und solche, die sich diesbezüglich anstecken lassen wollen.

    Ab Beromünster, beim zweiten Zobig, schlauft man sich allmählich wieder ins Seetal ein, nach einem spannenden Zickzack durch die Hildisrieder Anhöhen und letzten Halt bei Seppi Zwinggis wunderschöner Antoniuskapelle in Traselingen. Mit Gottes Segen sausen wir talwärts –  dankbar für viel erlebte (er-fahrene) Schöpfungswunderkraft.

    P.S. 1: Die Herzschlaufe ist mit Elektrovelos natürlich bequemer zu meistern. Es geht aber, wie beschrieben, mit zwei gesunden Beinen, hevorragend auch, ohne eine Batterie mitzuschleppen. Ratsam ist einzig ein robustes Velo, wobei ein Bike angesichts der langen Abschnitte, die nicht geteert sind, keine schlechte Idee ist.

    P.S. 2: Rund um den Napf gibts seit diesem Wochenende ebenfalls eine Herzschlaufe, die Herzschlaufe Napf.

     

     

  • Velowegkirchen entlang der Herzroute: Die Kirche fährt Velo. Gott Tandem

    Velowegkirchen entlang der Herzroute: Die Kirche fährt Velo. Gott Tandem

    Velowegkirchen: das sind 16 Kirchen entlang der Herzroute vorab im Kanton Bern, die sich durch ihre Gastfreundschaft auszeichnen. Die Idee, in Deutschland aufgekommen, könnte auch im Kanton Luzern Fahrt aufnehmen.

    Kirchen, Wegmarken in der Landschaft, laden Reisende seit jeher zur Rast ein. «Und weil das Christentum schon immer die Gastfreundschaft hochgehalten hat, war es für uns ein kleiner Schritt hin zur Idee der Velowegkirchen: Velofahrende einzuladen, unterwegs bei oder in einer Kirche einen Halt einzulegen», sagt Ralph Marthaler.

    «Seelisches Einkehren»
    Marthaler ist Beauftragter Kirche und regionale Entwicklung der reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn und hat die Idee vor drei Jahren im Taubertal bei Stuttgart entdeckt. Auf dem Berner Teil der Herzroute, des bekanntesten touristischen Velowegs quer durch die Schweiz, setzte er sie danach um. 24 Kirchen kamen dafür in Frage, gleich 16 bewarben sich um das Label und wurden im Herbst 2015 als Velowegkirchen bezeichnet – 14 bernische, eine aus dem Kanton Freiburg sowie jene von Hüswil im Kanton Luzern. Alle sind nun im Herzrouten-Führer mit Text und Bild erwähnt. «Etwas Einmaliges im Velotourismus», freut sich Herzroute-Miterfinder Kurt Schär, der – nebst dem gastronomischen – das «seelische Einkehren unterwegs» für ebenso wichtig hält.

    Offene Kirchen für Velofahrer, die als solche bezeichnet sind, gibt es in Deutschland seit 2001 und sind eine Form des spirituellen Tourismus. Sie liegen an einem Veloweg, sind jeden Tag offen und zeigen ihre Gastfreundlichkeit etwa durch einen Rastplatz, eine Wasserstelle, eine Toilette oder einen Hinweis darauf, ein besonderes Gästebuch oder sonstwie zum Verweilen einlädt. «Wir möchten lebendige Kirchen, die nicht nur am Sonntag offen sind», sagt Marthaler. Zudem, fügt er an: «Kirchen sind fast die einzigen öffentlichen Gebäude, die Velotouristen oder Wanderer vor dem Wetter schützen und Momente der Stille bieten, ohne dass diese etwas konsumieren müssen.»

    Weiter im Kanton Luzern?
    Offen ist, wie die Idee Velowegkirchen weiter wächst. Marthaler, der um das grosse Interesse der Herzroute-Trägerschaft weiss, hofft darauf, dass der (katholische) Kanton Luzern einsteigt, den diese Route quert. «Es wäre toll, wenn entlang der Herzroute solche Gastfreundschaft der Kirchen immer weiter beworben werden kann.» Dies wäre, so Marthaler, auch «ein fantastisches ökumenisches Zeichen». Die Luzerner Landeskirche war an der Eröffnungsfahrt im Mai vertreten und hat damit Interesse signalisiert. Ob daraus ein Projekt entsteht, ist allerdings noch nicht entschieden. «Die Idee gefällt uns aber. Velowegkirchen sind neue Wege, die uns ansprechen», sagt Gregor Gander, Leiter der Fachbereiche.
    Laut Marthaler enscheiden die Initianten im Herbst, wie es weitergeht. Wahrscheinlich werde das Projekt ausgeweitet. do

    Unterwegs auf der Herzroute im Kanton Bern. | © 2016 Mauro Mellone
    Unterwegs auf der Herzroute im Kanton Bern. | © 2016 Mauro Mellone

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    Vorzugsbehandlung für Velotouristen: Vor der refomierten Kirche Cordast FR, seit kurzem als Velowegkirche ausgeschildert. | © 2016 Dominik Thali

  • Velofahrer sind dem Himmel näher

    Velofahrer sind dem Himmel näher

    Nach gut 500 mehr oder minder flachen Kilometern durch Dänemark war zum Ferienende eine Ausfahrt nach gut schweizerischer Art angesagt. Den Susten nahm ich mir mal wieder vor, zwölf Jahre, nachdem dieser Pass der erste einer langen Reihe war, die ich mir mit meinem Sohn Jahr um Jahr vornahm. (In Klammern, rückblickend: Die 1300 Höhenmeter von Wassen bis zur Passhöhe waren für den damals Zehnjährigen ein steiler Einstieg und hartes Stück Pedalarbeit.)

    Darüber zu schreiben erübrigt sich nun allerdings, diese Arbeit nahm mir tags darauf der frühere Redaktionskollege («Luzerner Neuste Nachrichten», Gott hab sie selig) ab, der im «Tages-Anzeiger» unter dem Titel «Auf zwei Rädern Richtung Himmel» eine selbst als solche bezeichnete «Hymne» über das Passfahren per Velo veröffentlicht hat. «Während sich die Mehrheit mit dem Auto durch Tunnel quält und Wanderer in verzweifeltem Schweiss die Gipfel erklimmen, eröffnet sich dem Velofahrer die wahre Pracht der Berge», fasst Fellmann schon in der Einleitung zusammen. Nun, dem Bergwandern abgeschworen wie Kollega Christoph hat der Velofahrer nicht. Den zweiten Satzteil kann er aber überzeugt unterschreiben. Dieses Bild, in der Auffahrt von Wassen her entstanden, ist mir Beleg genug:

    Blick zurück ins Meiental während der Anfahrt auf den Brünigpass.

    Passstrassen seien Meisterwerke der Ingenieurskunst, schreibt Fellmann weiter, die idel das Fahr- mit dem Naturerlebnis verbänden. Ebenfalls einverstanden. Auch damit: «Eine Passfahrt ist eine Kontemplation.» Das Pedalieren als solche betrachtend, habe ich es am Freitag geschafft, nach dem Susten auch noch den Brünig zu er-fahren, wiewohl dieser auf seiner Berner Seite, von Meiringen her, des Verkehrs wegen für Velofahrer mehr Tortur denn Vergnügen ist. Als Entschädigung dafür winkt die Abfahrt ins Obwaldnerland, die auf schmalen, teilweise ungeteerten Strässchen talwärts und dem Lungerersee entlang führt – durch ein Idyll von Landschaft, wie diese zwei Bilder beweisen:.

    Der Lungerersee…

    …und der Sarnersee liegen dem Velofahrer bei der Abfahrt vom Brünig zu Füssen.

    Velofahren macht zufrieden. Mit dem Velo einen Pass zu schaffen, ist er-fahrenes Glück.