Kategorie: Landschaften

Die «Herzschlaufe Seetal» geht ans Herz

Wir pedalierten schon durch den Peloponnes (Hochzeitsfahrt), schlängelten uns durch die Mecklenburger Seen (inzwischen zu fünft), erkundeten bayrische Biergärten, schwedische Inseln und jurassische Höhen. Jedoch: Wir könnens auch in der Nähe und dies (zum wiederholten Male) nur empfehlen. Anlass dazu gibt die Herzschlaufe Seetal, die wir, Frau Gemahlin und meine Person, am Freitag und Samstag unter die Räder genommen haben. 110 km von Haustür zu Haustür, eine aussichtsreiche Wunderfahrt durchs Frühlingsblühen.

Die Herzschlaufe Seetal, soeben ins dritte Jahr gestartet, ist ein Abstecher der Herzroute, der in zwei  Tagesetappen abseits vom Verkehr in weiten Bögen von Eschenbach nach Lenzburg und zurück führt. Gedacht ist sie als  Route für Elektromotörler – wir haben sie als beingetriebene Velofahrer gewissermassen missbraucht und finden aber die 2100 Höhenmeter im Anstieg kein Problem: Man hat und nimmt sich halt die Zeit und stösst das Velociped bergauf, wenn die Kraft in den Beinen nicht mehr ausreicht. Punkt.

Die Belohnung der vermeintlichen Mühsal ist unerhört gross. Der Tag begann mit einer kleinen Einkehr in der schönsten aller Besenbeizen, dem Nussbaumbeizli von Familie Kurmann auf dem Horben, es ging sodann, übern Lindenberg, durch blühende Hochstammkulturen und über den Lindenberg mit Ausblick auf den Baldegger- und Hallwilersee sowie auf das Alpenpanorama, viel auf nicht geteerten und auf Waldstrassen, durch unbekannte Tälchen und an schönen Bauerngärten vorbei; es folgte ein friedlicher Abend auf Schloss Lenzburg mit gastfreundlicher Aufnahme im Bed-and-Breakfast bei Dani Schranz mitten im Städtchen, sodann ein ebenso wundervoller zweiter Tag, auf dem Westast, auf dem man in die grünen Täler und Anhöhen des Aargaus und der Region Beromünster-Sempachersee eintaucht. Eine Strecke für Heimatverliebte und solche, die sich diesbezüglich anstecken lassen wollen.

Ab Beromünster, beim zweiten Zobig, schlauft man sich allmählich wieder ins Seetal ein, nach einem spannenden Zickzack durch die Hildisrieder Anhöhen und letzten Halt bei Seppi Zwinggis wunderschöner Antoniuskapelle in Traselingen. Mit Gottes Segen sausen wir talwärts –  dankbar für viel erlebte (er-fahrene) Schöpfungswunderkraft.

P.S. 1: Die Herzschlaufe ist mit Elektrovelos natürlich bequemer zu meistern. Es geht aber, wie beschrieben, mit zwei gesunden Beinen, hevorragend auch, ohne eine Batterie mitzuschleppen. Ratsam ist einzig ein robustes Velo, wobei ein Bike angesichts der langen Abschnitte, die nicht geteert sind, keine schlechte Idee ist.

P.S. 2: Rund um den Napf gibts seit diesem Wochenende ebenfalls eine Herzschlaufe, die Herzschlaufe Napf.

 

 

Velowegkirchen entlang der Herzroute: Die Kirche fährt Velo. Gott Tandem

Velowegkirchen: das sind 16 Kirchen entlang der Herzroute vorab im Kanton Bern, die sich durch ihre Gastfreundschaft auszeichnen. Die Idee, in Deutschland aufgekommen, könnte auch im Kanton Luzern Fahrt aufnehmen.

Kirchen, Wegmarken in der Landschaft, laden Reisende seit jeher zur Rast ein. «Und weil das Christentum schon immer die Gastfreundschaft hochgehalten hat, war es für uns ein kleiner Schritt hin zur Idee der Velowegkirchen: Velofahrende einzuladen, unterwegs bei oder in einer Kirche einen Halt einzulegen», sagt Ralph Marthaler.

«Seelisches Einkehren»
Marthaler ist Beauftragter Kirche und regionale Entwicklung der reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn und hat die Idee vor drei Jahren im Taubertal bei Stuttgart entdeckt. Auf dem Berner Teil der Herzroute, des bekanntesten touristischen Velowegs quer durch die Schweiz, setzte er sie danach um. 24 Kirchen kamen dafür in Frage, gleich 16 bewarben sich um das Label und wurden im Herbst 2015 als Velowegkirchen bezeichnet – 14 bernische, eine aus dem Kanton Freiburg sowie jene von Hüswil im Kanton Luzern. Alle sind nun im Herzrouten-Führer mit Text und Bild erwähnt. «Etwas Einmaliges im Velotourismus», freut sich Herzroute-Miterfinder Kurt Schär, der – nebst dem gastronomischen – das «seelische Einkehren unterwegs» für ebenso wichtig hält.

Offene Kirchen für Velofahrer, die als solche bezeichnet sind, gibt es in Deutschland seit 2001 und sind eine Form des spirituellen Tourismus. Sie liegen an einem Veloweg, sind jeden Tag offen und zeigen ihre Gastfreundlichkeit etwa durch einen Rastplatz, eine Wasserstelle, eine Toilette oder einen Hinweis darauf, ein besonderes Gästebuch oder sonstwie zum Verweilen einlädt. «Wir möchten lebendige Kirchen, die nicht nur am Sonntag offen sind», sagt Marthaler. Zudem, fügt er an: «Kirchen sind fast die einzigen öffentlichen Gebäude, die Velotouristen oder Wanderer vor dem Wetter schützen und Momente der Stille bieten, ohne dass diese etwas konsumieren müssen.»

Weiter im Kanton Luzern?
Offen ist, wie die Idee Velowegkirchen weiter wächst. Marthaler, der um das grosse Interesse der Herzroute-Trägerschaft weiss, hofft darauf, dass der (katholische) Kanton Luzern einsteigt, den diese Route quert. «Es wäre toll, wenn entlang der Herzroute solche Gastfreundschaft der Kirchen immer weiter beworben werden kann.» Dies wäre, so Marthaler, auch «ein fantastisches ökumenisches Zeichen». Die Luzerner Landeskirche war an der Eröffnungsfahrt im Mai vertreten und hat damit Interesse signalisiert. Ob daraus ein Projekt entsteht, ist allerdings noch nicht entschieden. «Die Idee gefällt uns aber. Velowegkirchen sind neue Wege, die uns ansprechen», sagt Gregor Gander, Leiter der Fachbereiche.
Laut Marthaler enscheiden die Initianten im Herbst, wie es weitergeht. Wahrscheinlich werde das Projekt ausgeweitet. do

Unterwegs auf der Herzroute im Kanton Bern. | © 2016 Mauro Mellone
Unterwegs auf der Herzroute im Kanton Bern. | © 2016 Mauro Mellone
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Vorzugsbehandlung für Velotouristen: Vor der refomierten Kirche Cordast FR, seit kurzem als Velowegkirche ausgeschildert. | © 2016 Dominik Thali

Velofahrer sind dem Himmel näher

Nach gut 500 mehr oder minder flachen Kilometern durch Dänemark war zum Ferienende eine Ausfahrt nach gut schweizerischer Art angesagt. Den Susten nahm ich mir mal wieder vor, zwölf Jahre, nachdem dieser Pass der erste einer langen Reihe war, die ich mir mit meinem Sohn Jahr um Jahr vornahm. (In Klammern, rückblickend: Die 1300 Höhenmeter von Wassen bis zur Passhöhe waren für den damals Zehnjährigen ein steiler Einstieg und hartes Stück Pedalarbeit.)

Darüber zu schreiben erübrigt sich nun allerdings, diese Arbeit nahm mir tags darauf der frühere Redaktionskollege («Luzerner Neuste Nachrichten», Gott hab sie selig) ab, der im «Tages-Anzeiger» unter dem Titel «Auf zwei Rädern Richtung Himmel» eine selbst als solche bezeichnete «Hymne» über das Passfahren per Velo veröffentlicht hat. «Während sich die Mehrheit mit dem Auto durch Tunnel quält und Wanderer in verzweifeltem Schweiss die Gipfel erklimmen, eröffnet sich dem Velofahrer die wahre Pracht der Berge», fasst Fellmann schon in der Einleitung zusammen. Nun, dem Bergwandern abgeschworen wie Kollega Christoph hat der Velofahrer nicht. Den zweiten Satzteil kann er aber überzeugt unterschreiben. Dieses Bild, in der Auffahrt von Wassen her entstanden, ist mir Beleg genug:

Blick zurück ins Meiental während der Anfahrt auf den Brünigpass.

Passstrassen seien Meisterwerke der Ingenieurskunst, schreibt Fellmann weiter, die idel das Fahr- mit dem Naturerlebnis verbänden. Ebenfalls einverstanden. Auch damit: «Eine Passfahrt ist eine Kontemplation.» Das Pedalieren als solche betrachtend, habe ich es am Freitag geschafft, nach dem Susten auch noch den Brünig zu er-fahren, wiewohl dieser auf seiner Berner Seite, von Meiringen her, des Verkehrs wegen für Velofahrer mehr Tortur denn Vergnügen ist. Als Entschädigung dafür winkt die Abfahrt ins Obwaldnerland, die auf schmalen, teilweise ungeteerten Strässchen talwärts und dem Lungerersee entlang führt – durch ein Idyll von Landschaft, wie diese zwei Bilder beweisen:.

Der Lungerersee…
…und der Sarnersee liegen dem Velofahrer bei der Abfahrt vom Brünig zu Füssen.

Velofahren macht zufrieden. Mit dem Velo einen Pass zu schaffen, ist er-fahrenes Glück.

 

Die Seetal-Freiamt-Seetal-Runde

Hat der Velofahrer wenig Zeit, will er nicht erst mit dem Zug weissichnichtwohin reisen und ist das Wetter unsicher, ist ein Abstecher ins Freiamt ein sicherer Wert. Die Kilometer durch die Reussebene, durchs Naturschutzgebiet vor allem, gehören zum Schönsten, was die nähere Umgebung zu bieten hat. Heute war nicht der Reussspitz, die Mündung der Lorze in die Reuss in der Nähe des Klosters Frauenthal auf dem Programm, sondern der Abschnitt weiter nordwärts, von Mühlau bis Bremgarten. Hier fährt es sich durchwegs auf kleinen Nebenstrassen und mancher Kilometer davon ist feingekiest – das knirscht so schön unter den Rädern. Das Vogelkonzert an diesem kühl-feuchten Morgen ist aber allemal lauter – und ein wahrer Ohrenschmaus. Blumenwiesen mit Orchideen und Schwertlilien säumen die Route.

Die Reuss führt nach dem Regen der vergangenen Tage viel Wasser.

Bremgarten ist eine Kaffeepause wert, wobei der Velofahrer heute eine Weile suchen musste, er er das einzige Café an der Hauptgasse ausmachte. Dafür eines mit gemütlichem Polster draussen und sympathisch niedrigen Preisen – Kafigipfeli gibts hier noch für einen Fünfliber. Zurück gings dann über Bünzen (schönen Gruss an Cés Keiser und seinen unvergesslichen Sketch: Halo, do isch Kuenz in Bünze), Boswil und Buttwil auf die Höhe des Lindenbergs, Schongau, dann demselben entlang nach Müswangen, zum Sulzer Kreuz und von hier hinunter nach Sulz, Lieli und Kleinwangen, Haus und Herd schon wieder in Sichtweite. Mittlerweile schien auch die Sonne warm vom Himmel.

Die Welt liegt uns zu Füssen. Will heissen: Vor den Rädern. Sie fängt gleich hier an – Türe auf, Radl raus und losgefahren!Fazit: 65 ländlich-lieblich-schöne Kilometer gleich vor der Haustüre, eine empfehlenswerte Runde, die sich ebensogut an einem Morgen oder Nachmittag abstrampeln wie zu einer Tagestour ausdehnen lassen.

Hier gehts zum Fotoalbum dieser Tour

Über diesen Link gelangst du zur Route auf www.schweizmobil.ch

Diese Karte zeigt die heute gefahrene Route. Wenn Du darauf klickst, kannst du sie in hoher Auflösung herunterladen

Das Seetal – immer für eine Runde gut

Heimat, meine Heimat, wie sehr gefälltst Du mir – und offensichtlich auch anderen: Chregu hat heute in seinem Bike-Blog die Runde beschrieben, die er gestern auf dem und über den Lindenberg unter die Räder genommen hat. Der kleine Weiher, den er dabei fotografiert hat, ist mir selbst bis jetzt verborgen geblieben. Na, wer mehr mit dem Tourenvelo unterwegs ist, hat halt lieber Asphalt unter den Rädern. Wie auch immer: Willkommen im Seetal!

Artikelbild von Chregus Blog, vielen Dank!