Kategorie: Velosophie

Ein sonniges Bisschen über Land gefahren

Endlich Samstag, endlich Sonne: Unterwegs hoch über dem Tösstal.

Es braucht so wenig zum vollkommenen Glück: Zwei Räder unterm Sattel und hinreichend Luft in den Pneus. Blauer Himmel und eine warme Sonne sind nicht zwingend, aber wärmend. Am Samstag war all dies vorhanden, als wir die Velos in Winterthur ausluden und uns zu dem wie alle Jahre angesagten Pfingstbesuch in Adetswil (bei Bäretswil) aufmachten. Ein gemütliches 40-Kilometer-Fährtchen über Land, den grünen Routen auf der Velokarte entlang

Rast auf der Kyburg.

und wie fast immer durch Dörfer und Weiler, die man nur solcherart reisend zu Gesicht bekommt: Erst ein paar Kilometer durchs Tösstal, hoch zur Kyburg sodann und weiter nach Weisslingen, Dettenried, Madetswil und Hittnau, von wo aus das Ziel im Radumdrehen erreicht ist. Rast machen wir unter einer grossen Linde bei Gündisau, das ist ein liebliches kleines Tal vor Hittnau. Gündisau: Tönt nicht nur nach Gotthelf, sondern sieht auch noch ein wenig danach aus. Wobei hier das Geld stellenweise den Geist verdrängt hat.

Eigentlich schulde ich der Firma Mondia noch 400 Franken

Ausschnitt aus dem Artikel in der Zürichsee-Zeitung vom 22. April 1987, der unter anderem über das «ehrlich gestohlene» Kuwahara berichtete.

Das «Mounty» feiert Geburtstag: Vor einem Vierteljahrhundert erstmals in die Schweiz importiert, seien die trendigen Sport- und Fitness-Velos heute unangefochtene Spitzenreiter der Neuvelo-Verkaufshitparade und machen rund die Hälfte des Fahrrad-Gesamtbestandes aus, schreibt die Schweizerische Fachstelle für Zweiradfragen in einer Medienmitteilung. Das erinnert mich an eine Geschichte, an der ich mich bis dato ebenso freue wie sie mein Gewissen belastet. Denn womöglich hat sie seinerzeit, 1999,  zum Niedergang der Velofabrik Mondia beigetragen. Doch dafür kann ich – eigentlich – nicht. Dass den Velofabrikanten aus Balsthal 1987 an mir 400 Franken verloren ging, lag am damaligen vor lauter Mounty-Begeisterung buchhalterisch nachlässigen Herrn Direktor. Sein Name ist mir entfallen, er möge mir nachträglich vergeben.

Das Kuwahara im Panda
Also: Weshalb ich damals als Jung-Redaktor der «Zürichsee-Zeitung» auf diese neuen Velos kam, weiss ich nicht mehr. Jedenfalls orderte ich mit Kollege Ernst Hilfiker zu Testzwecken in Gränichen ein Tigra (für Ernst) sowie (für mich) ein Kuwahara bei Importeur Mondia in Balsthal, das ich irgendwie in den Kofferraum meines Fiat Panda brachte. Kuwahara: Wer erinnert sich denn noch an diese Marke? Einen Nachmittag lang testeten wir brav und begeistert, hopsten über ganz ganz kleine Hügelchen und fanden die zugstarken Cantilever-Bremsen wirklich toll. Am Ende entstand daraus eine ganze Zeitungsseite (Ausschnitt siehe Bild, Download hier). Während Kollega Ernst sein rot-weisses Tigra brav retournierte (sein Peugeot 205 GTI war ihm lieber), wollte ich das Kuwahara nicht mehr hergeben. Der Herr Direktor war damit einverstanden und fragte am Telefon, ob ich mit einem Preis von 400 Franken einverstanden sei (die Margen müssen damals schon grossartig gewesen sein…). Natürlich war ich und fuhr fortan, in Erwartung einer Rechnung im Briefkasten, per Kuwahara von meinem Wohnort Meilen nach Stäfa in die Redaktion.

700 Franken Gewinn
Doch die Rechnung traf nicht ein. Kam nicht und blieb aus, wurde beiderseits vergessen und von mir verdrängt. Ein Jahr verging, die Angelegenheit dünkte mich verjährt und das Kuwahara sowieso schon bald nicht mehr das höchste aller Gefühle, sodass ich selbiges ohne rot zu werden ein Jahr später… Weiterlesen

Wo der Liebhaber sein Fahrrad betüttelt

Wer sein Velo – will heissen: Sein Fahrrad – liebt,  pflegt und putzt und wartet es nicht bloss, sondern betüttelt es. So jedenfalls in Berlin, wo ich im Blog des Fahrradladens Rad-Spannerei in Berlin-Kreuzberg folgenden wunderbaren Satz lese: «Das Nöll hat es einfach verdient, liebevoll betüttelt zu werden.» Also schreibt Radfahrer Ivo, 45, aus Epfendorf über sein gutes Stück, das er seit 15 Jahren fährt und zu dem er ebenso lange schon hingebungsvoll Sorge trägt. Sein Nöll, mit muffenlos gelötetem Reiserad-Rahmen als Basis, der mit individuellem Komponentenmix zum Fitnessrad umgebaut wurde. Betüttelt: Um solch wunderbar-klangvolle Wörter dürfen sich unsere nördlichen Nachbarn von unsereins beneiden lassen. Ich betüttle mein bald 20-jähriges Cannondale T-1000-Reisevelo ja auch, bloss hielte man mich hierzulande für bedeppert, erzählte ich davon.

Vom Umsteigen aufs und mit dem Velo

Eine wunderbarer Satz über die Leichtigkeit des Unterwegs-Seins auf dem Velo, gelesen in der NZZ am Sonntag vom 18. April 2010 in einem Porträt über den Kulturmanager Ivo Hutzli aus Solothurn:

…zu dritt ging es nun zuerst per Velo nach Instanbul, dann über Georgien, Aserbeidschan, durch Iran, Tafschikistan, Kirgistan und über den Pamir Highway bis zur ersten chinesischen Stadt. Hier trennten sich die drei. Ivo Hutzli bereiste noch China, dann lud er sein Velo in die Transsibirische Eisenbahn. «Von Peking nach Solothurn muss man dreimal umsteigen: In Moskau, Berlin und Olten.»

Das Velo der Bahn hat (zu) wenig Zug

Oft bleibt dem Velofahrer nichts anderes, als dem Zug zu winken: Die Herren (und Damen?) Bähnler treten nicht sehr gerne in die Pedale. (Bild: www.pd-f.de)

«Die Bahn verpasst den Velozug», titel das VCS-Magazin in seiner neuen Ausgabe. Während der Velotransport im Inland gut ausgebaut sei, bleibe er im internationalen
Verkehr ein Stiefkind, schreibt Chefredaktor Peter Krebs. Und: «Den Bahnen droht ein wachsender Markt zu entgehen.» Letzteres gilt freilich nicht nur – zum Beispiel – in Deutschland, wo die ICE-Züge immer noch keine Velos transportieren. In der Schweiz gibts zwar in fast allen Zügen kleinere (häufiger) oder grössere (weniger häufig) Veloabteile, aber es ist, eigentlich, unbegreiflich, weshalb die Politik nicht mehr bzw. endlich Druck auf die SBB machen, den Velopendelverkehr defintiv attraktiv zu machen. Ein bequem, sprich ebenerdig zugängliches und vor allem genügend grosses Veloabteil in jedem Regionalzug und Interregio ist meines Wissens immer noch bei weitem billiger als jeder automobile Strassenneu- und -ausbau.

Sodann dürften Weiterlesen