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Veloweis- und Wahrheiten

Bisweilen liest der Velofahrer schöne Sätze übers Velofahren. Zeitlose Wahr- und Weisheiten. Randbemerkungen. Politische Unbequemlichkeiten. Velozipedistische Lebenserfahrungen. Für dergleichen ist diese Sammelstelle hier gedacht. Entsprechende Fundstücke dürfen gerne – mit Quellenangabe – über das unten stehende Formular gemeldet werden.

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LITERARISCH
  • «Zwischen dem Kindheitswunsch, ein Rad zu besitzen, und dem Drang, in die Pedale zu treten, liegt ein langer, sonnenbeschienener und kurvenreicher Weg. Und jedes Mal, wenn ich diesen Drang in Frage stelle, folgt die Antwort auf dem Fuss: Ich schwinge mich auf mein schönes Gefährt und gehe auf Tour.»
  • «Der Unterschied zwischen Radfahren und Fliegen liegt darin, dass der Mensch zwar radeln kann, aber fliegen noch nicht.»
  • «Wer auf ein Rad steigt, ergreift von der Landschaft Besitz.»
  • «Im Unterschied zu dem, was sich ereignet, wenn ich im Auto sitze und die Landschaft sich dem Blick darbietet, aber nicht der ‹Erfahrung›, sitze ich auf dem Fahrrad mittendrin.»
  • «Es wird oft behauptet, Radprofis würden dopen, weil der Sport so hart ist, aber der Sport ist so hart, weil sie dopen.»
  • «Fitness ist ein Zustand, der alle Facetten des Rennradfahrens umfasst. Man kurbelt wie geölt, man klettert gut, fährt schnell ab. Man meistert Herausforderungen, die einen selbst verblüffen. Man ist glücklich.»

Paul Fournel, «Die Liebe zum Fahrrad», 2012, Covadonga-Verlag

  • «Was die Schönheit des Fahrrads ausmacht, ist seine aufrichtige Offenheit. Es verbirgt nichts. Seine Bewegungen sind klar zu erkennen, bei ihm sieht und begreift man die Kraftentfaltung, es gibt seine Absicht bekannt, es sagt, dass es sich schnell, geräuschlos und leicht bewegen will. Warum ist das Automobil so abstossend hässlich und flösst und ein Gefühl des Unbehagens ein? Das kommt daher, weil es seine Organe wie einen Schandfleck verbirgt. Man weiss nicht, was es will. Es wirkt unausgereift. Man erwartet noch etwas. Nicht zum Vorankommen, sondern zum Schleppen scheint es geschaffen zu sein.»
  • «Oh, wie gut es tut, glücklich zu sein, einfach nur, weil man lebt! Es ist ein Glück, das immer für uns greifbar ist. Man braucht nur den Lebenssinn in sich zu wecken, und man ist glücklich, auf edle Art glücklich, vollauf glücklich, mit allem Recht und aller Gewissheit. Und das verdanken wir ihm, diesem kleinen Ding aus Stahl. Erweisen wir ihm unsere Anerkennung.»
  • «Das Fahrrad schafft Abhilfe für unsere Langsamkeit und beseitigt unsere Ermüdung. Der Mensch ist nun selbst mit allen Mitteln versehen. Dampfkraft und Elektrizität, dies waren lediglich seinem Wohlbefinden dienliche Fortschritte. Das Fahrrad ist die Vervollkomnung seines Körpers selbst, seine Vollendung, könnte man sagen.»
  • «Man hat Freude dararn, mit der erreichten Geschwindigkeit ein Äquivalent dafür zu schaffen, was man an Energie und an Hoffnungen hineingesteckt hat. Man kommt voran, weil man kraftvoll und gelenkig ist, man bekommt schöne Dinge zu sehen, weil man imstande ist, sie aufzusuchen. Ist das nicht etwas, worüber man stolz und zufrieden sein kann?»
  • «Das Fahrrad ist die neue Freundin, welche das Schicksal dem Menschen nun gewährt. Aus seinen gesprengten Ketten geschaffen, ist diese Maschine eine getreue und mächtige Verbündete, welche er gegen seine ärgsten Feinde einsetzen kann. Das Fahrrad ist stärker als der Trübsinn, stärker als der Überdruss. Es ist stark wie die Hoffnung. Es beschränkt die Sorgen auf ihre tatsächliche Bedeutung. Es entrückt uns in die Vergangenheit, es lehrt uns, in der Gegenwart zu leben und der Zukunft entgegenzuschreiten. Diese Maschine ist die grosse Befreierin.»

Maurice Leblanc, «Nun wachsen uns Flügel. Amouröser Roman», Originalausgabe 18989, Neuauflage 2012, Maxime, Verlag Maxi Kutscher

POLITISCH
  • «Wenn man den Einwohnern […] Fahrräder zur Verfügung stellt, zwingt man sie, einander zu sehen und zu begegnen, die Strassen in soziale Räume zu verwandeln, den städtischen Lebensraum neu zu gestalten und die Stadt zu träumen.»
  • «Wir haben die Stadt aus den Augen verloren und wir verlieren uns selbst aus den Augen. Vielleicht kann das Fahrrad tatsächlich eine bestimmende Rolle spielen, wenn es darum geht, den Menschen zu helfen, sich ihrer selbst und der Orte, an denen sie leben, wieder bewusst zu werden, indem es zumindest für die Radler die Bewegung umkehrt, die die Städte aus sich selbst hinauskatapultiert. Wir brauchen das Fahrrad, um uns wieder auf die Orte, an denen wir leben, zu zentrieren.»

Marc Augé, «Lob des Fahrrads», Verlag C. H. Beck, München 2016

 

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