Kategorie: Markt

Die Zehn-Pässe-Fahrt für Weicheier

Nächstes Jahr mache ich eine Velotour. Sie wird über zehn Pässe führen, davon zwei zweimal, 7034,9 Kilometer lang sein, 71’100 Meter obsi und 59’370 nidsi führen und mich 370 Stunden Fahrzeit kosten. Das wird leicht zu schaffen sein, da ich zwölf Monate Zeit haben werde. Und eine ähnliche Tortur schon 2015 und 2016 geschafft habe.

Ich Weichei werde wiederum in Gedanken kurbeln, den «Curves»-Kalender 2019 vor Augen, der mir auf seinen zwölf Blättern zu jeder Monatswende vor Augen führen wird, wo es noch schöner wäre als im Büro, pedalierend statt performierend. Stefan Bogner, Autor und Fotograf, hat sich wiederum in die Alpen begeben, um die Serpentinenstrecken der Pässe zu fotografieren, wiederum haben geschickte Fotoschöppler (nehmen wir jetzt mal an) pixelgenau jedwelches Räderwerk aus seinen Aufnahmen retuschiert, sodass die Haarnadelkurven sich jungfräulich in die Landschaft legen, bereit zur Eroberung per Gaspedal oder Kettenantrieb. Dem Fotografen Bogner scheinen die Pässe freilich langsam rar zu werden. Jedenfalls befährt er den Col de Pailhères und die Drei Zinnen nächstes Jahr zweimal und zählt er mittlerweile auch die Insel Sylt zu den Alpen, wobei letzterer Abstecher als Scherz aufgefasst werden darf und mir im November eine willkommene Auszeit verschaffen wird.

Meine Etappen nun im Einzelnen, die Verbindungen hat mir der Online-Tourenplaner Komoot vorgeschlagen und berechnet:

  • Januar−Februar, vom Timmelsjoch (Südtirol) 2509 m) auf den Col de Pailhères (Pyrenäen) 2001 m): 1271 km, 11’800 m Aufstieg, 12’290 m Abfahrt, 82 Stunden Fahrzeit
  • Februar−März, vom Col d Pailhères auf die Drei Zinnen (Dolomiten, 2320 m): 1381 km, 10’850 m Aufstieg, 12’390 m Abfahrt, 86 Stunden Fahrzeit
  • März−April, von den Drei Zinnen auf den Col d’Izoard (französische Alpen, 2360 m): 883 km, 9550 m Aufstieg, 7630 m Abstieg, 60 Stunden Fahrzeit
  • April−Mai, vom Col d’Izoard aufs Sellajoch (Südtirol, 2244 m): 634 km, 4750 m Aufstieg, 4890 m Abfahrt, 40 Stunden Fahrzeit
  • Mai−Juni, vom Sellajoc auf den Passo di Giau (Dolomiten,  2233 m): 40,9 km, 1620 m Aufstieg, 1600 m Abfahrt, 4 Stunden Fahrzeit− ein Schnäppchen
  • Juni−Juli, vom Passo die Giau auf den Gaviapass (Lombardei, 2618 m): 221 km, 5190 m Aufstieg, 4820 m Abfahrt, 17 Stunden Fahrzeit
  • Juli−August, vom Gaviapass auf den Passo San Boldo (Venetien, 706 m): 225 km, 2470 m Aufstieg, 4380 m Abfahrt, 4 Stunden Fahrzeit − ein Tiefflieger
  • August−September, vom Passo San Boldo auf die Drei Zinnen: 571 km, 5910 m Aufstieg, 6170 m Abfahrt, 38 Stunden Fahrzeit
  • September−Oktober, von den Drei Zinnen aufs Stilfserjoch (Südtirol, 2757 m): 761 km, 8830 m Aufstieg, 6590 m Abfahrt, 52 Stunden Fahrzeit
  • Oktober−November, Pause auf Sylt, Strandspaziergang
  • November−Dezember,  vom Stilfserjoch auf den Col de Pailhères (2001 m): 1047 km, 10130 m Aufstieg, 10’900 m Abfahrt, 66 Stunden Fahrzeit

Ich leg mich jetzt hin. Vorschlafen. Vor-Ruhen. wir sehen uns!

Curves 2019, Format 67,6 x 47,4 cm, ca. Fr. 40.-, ISBN 978-3-667-11125-8 Delius Klasing Verlag, Bielefeld

Ein hübscher und grossformatiger Tourenführer: der Curves-Kalender 2019. | © 2018 Delius-Klasing-Verlag

Die beste Kamera für die Velotour. Und deine Rolle

Fotografierst du unterwegs? Wenn ja, womit? Und wann? Sodann: Was machst du mit den Bildern? Canon Schweiz hat mir für unsere Sommertour in Österreich und Italien die Kompaktkamera PowerShot G7 X Mark II zur Verfügung gestellt – Anlass, über das Fotografieren auf Tour zu sinnieren. Vorweg: Es braucht dazu unterwegs wenig. Aber danach noch einiges. Und: Die G7 war uns ein passender Begleiter.

Was meine Erfahrung zeigt − hinsichtlich Technik

  • Die beste Kamera ist diejenige, die man dabei hat. Manchen genügt das Smartphone. Ich fotografiere damit nicht gerne, es fühlt sich nach zu wenig an in der Hand. Eine Spiegelreflex mochte ich anderseits noch nie im Tourengepäck: zu schwer, zu unhandlich. Eine Hand muss manchmal genügen. Eine kleine kompakte Kamera wie die G7 Mark II erfüllt meine Bedürfnisse bestens.
  • Und auch diejenige all der Alltagsfotografinnen und -fotografen, die wir auf Tour fast alle sind. Denn: Wir nehmen doch unsere Bilder zumeist im Automatikmodus auf. Zeit oder Blende manuell einstellen? Ach wo, machen wir selten, weil wirs zu wenig im Griff haben und keine Weile, wenn wirs bräuchten. Der Automat richtet fast alles, und das immer besser.
  • Doch für den Fall, wenn doch: Ich würde keine Kamera mitnehmen, bei der ich Zeit und Blende nicht auch händisch einstellen, die Belichtung einfach korrigieren kann. Und zwar handlich über Rädchen und Blendenring, nicht mit mühseligem Getippe auf einem kleinen Bildschirm. Was die G7 betrifft: Erfüllt.
  • Testberichte auf Plattformen wie digitalkamera.de sind verlässlich. Sie richten sich jedoch an fotografisch Anspruchsvolle und Profis. Will heissen: Es wird auf hohem Niveau bemäkelt. Wenn es hier etwa zur Canon PowerShot G7 X Mark II heisst, die Bildqualität sei «etwas enttäuschend», ist dies zu relativieren. Für meinen Blog und mein Album reicht sie längstens. Und: Mit 4K muss ich nicht filmen können. Full HD genügt.
  • Ich nehme meine Bilder im RAW- und JPG-Modus auf. RAW lässt mir die grösstmögliche Freiheit bei der Nachbearbeitung am Computer. Dazu später mehr.
  • Was mir ansonsten hinsichtlich Technik wichtig ist und ich an der G7 kennen- und schätzen gelernt habe: der berührungsempfindliche Bildschirm (hat meine Lumix von 2013 noch nicht und dient zum Beispiel als Auslöser bei Selfies), die Serienbilder-Funktion (vereinfacht Aufnahmen auf dem Velo und von seinem fahrenden Gegenüber ungemein, schafft die G7 auch im RAW-Modus bei perfekter Schärfe-Nachführung), die WiFi-Funktion, mit der ich Bilder in Windeseile von der Kamera kabellos aufs Smartphone übertragen kann – wenn ich will, in vollerAuflösung. Dazu brauchts kein WLAN. Die Bilder liegen anschliessend im ordentlichen Fotoordner des Smartphones und lassen sich von hier für Social Media verwenden oder – aus meiner Sicht der grösste Gewinn – in einem Cloudspeicher  sichern. Das macht man irgendwo, wo’s Netzzugang gibt.
  • Überdies: Viel viel wichtiger als all die netten Automatik- und Szene-Funktionen (Fischauge- oder Feuerwerk-Modus zum Beispiel), die man eh nie braucht, sind eine hohe Lichtstärke (1,8 bei der G7) , eine hohe Auflösung, was einen grossen Sensor bedingt (bei der G7 ist es ein 1-Zöller) und eine gute Makro-Funktion (für die Blümchen unterwegs).
  • Ein ausklappbarer Bildschirm ist natürlich auch nicht ohne. Ein solcher erlaubt es, ganz am Boden, über Kopfhöhe oder versteckt aus der Hand Aufnahmen zu machen.

Und jetzt zu mir und dir– von der Kamera mal abgesehen

  • Die beste Kamera ist jene, die du gerade im Gepäck hast. Hab ich schon oben geschrieben. Ist aber das Wichtigste.
  • Die Kamera, die ich dabei habe, muss auch griffbereit sein. Ich hab‘ meine immer in einem wasserdichten Täschchen um die Schultern gehängt. Daraus kann ich sie selbst während des Fahrens klauben. Alternative: Kamera in der Lenkertasche versorgen.
  • Ein kleines Stativ ist immer dabei. Uns und mich selbst während des Fahrens fotografieren? Geht nicht ohne. Ich finde das Gorillapod superpraktisch. Klammert sich überall fest und wiegt wenig.
  • Fotografiere viel. Aber knipse nicht wahllos drauflos. Wir halten immer mal wieder an. Fahren zurück. Setzen einander in Szene. Aus der Hocke, von einem Wiesenbord, über eine Mauer. Das braucht mitunter Zeit. Aber lohnt sich.
  • Zuhause wird die Bilderfülle ausgedünnt. Ich will lieber von einer Tour 100 Bilder, die ich immer mal wieder anschaue, als 500, die im digitalen Nirwana endlagern.
  • Zur Nachbearbeitung setze ich auf die Software Lightroom von Adobe. Dazu verbringe ich Stunden vor dem Computer. Das lohnt sich aber. Ich habe keine Profiansprüche. Die Überei kommt mir aber zunehmend zupass. Der meist wolkenlose Himmel, das grelle Sonnenlicht und die Hitze führten diesen Sommer zu besonders scharfen Hell-Dunkel-Kontrasten, welche die G7 ebenso wenig ausgleichen konnte wie das eine Profikamera geschafft hätte. Mit Lightroom konnte ich aber aus vermeintlich misslungenen Bildern ansprechende Ergebnisse filtern, wie diese kleine Auswahl zeigt.
  • Zum Thema digitales Nirwana noch dies: Was nützen mir die schönsten Bilder, wenn ich sie bloss auf meiner Festplatte ruhen? Ich lege die meinen jeweils eine Weile auf dem Tablet ab, das ich oft dabei habe. Damit kann ich sie rumzeigen. Wichtiger aber noch: Jeweils Anfang Jahr baue ich sie in unser Jahres-Familienalbum ein, unsere bebilderte Jahreschronik. Darin investiere ich viel: Zeit für die Gestaltung der Seiten im Graik-Programm Indesign und seit zwei Jahren auch finanziell in die Hochglanz-Klasse, was das gedruckte Endergebnis betrifft. Es lohnt sich. Die Fotoalben sind diejenigen Bücher in unserem Haushalt, die am meisten hervorgeholt und rumgereicht werden. Ohnehin: Lieber ein Album aus schlechten Bildern als eine Menge gute, die nie jemand anguckt, weil dazu halt nur vorm Computer geht.

Wie hältst du es mit dem Fotografieren unterwegs? Und was machst du danach mit den Bildern?

Aus meinen Familien-Jahresalben, in denen jeweils auch die Velotouren Eingang finden: werden, weil auf Papier, immer wieder hervorgeholt und sind schöne Erinnerungen. | © 2018 Dominik Thali

Wie hinterher ein Anhänger mein neues Velo vollständig macht

Mein Velo ist auch ein Lastenrad. Erstens. Und zweitens: Der sprachhandwerklich etwas klobige Titel dieses Beitrags ist dem Anhänger geschuldet, der selbiges dazu macht. Drei Jahre nach der Jungfernfahrt kann ich mit meinem «47 Grad Nord» endlich (wieder) auf zwei Rädern als Bierfuhrmann unterwegs sein, Brennholztransporteur oder Alteisenentsorger. Hinterher hats hinterher möglich gemacht.

Hinterher heissen die Hänger, die aus der Münchner Werkstatt von Peter Hornung stammen, einem der wohl kreativsten Köpfe im zweiradgetriebenen Transportwesen. Über meine/unsere Erfahrungen werde ich an dieser Stelle noch einige Male berichten. Für heute und fürs erste: Wir sind begeistert. Der neue Hinterher Hmax hat unseren 26-jährigen Leggero abgelöst, den wir damals als Kinderanhänger kauften und der uns etwa 20 Jahre, abgespeckt, als Kofferraum für unsere Velos diente. Über Stock und Stein, was das Holperding längst zu unserem akustischen Markenzeichen gemacht hat. Will heissen: Man hört uns anrollen und nimmt Notiz davon, letzteres wohl aber auch deshalb, weil das gemeine Volk gewöhnlich Familientransporte vierrädrig bewältigt.

Neuerdings rollen wir nun aber flüsterleise an. Der Hinterher-Trailer ist trotz seiner gut 10 Kilogramm Leergewicht ein kaum spürbarer Auch-dabei. Die Wanne aus 4 mm dickem, gefrästen Aluminium nimmt auf und hält aus, was ich immer ihr überantworte. Die Gummimatte dämpft Geräusche, und mit den zwei langen, an vielen Stellen einrastbaren Riemen lässt sich jede Ladung befestigen. In Klammern: Den alten Hänger hab‘ ich lediglich fürs Bild auf den Hinterher gezurrt, er hielt aber aber absolut fest.

Wissen teilen, Menschen begeistern

Mit welchem Bewusstsein für Alltagstauglichkeit und Langlebigkeit, mit wie viel Liebe zum Detail Peter und sein Team die Hinterher-Hänger fertigen, beweisen die Details. Die Deichsel lässt sich, um 90 Grad gedreht, in die Mitte der vorderen Wand einschieben, wodurch der Hinterher zu einem praktischen Handwagen wird. Für lange Menschen wie mich gibts Deichseln in Überlänge. Oder: Die klappbare Hilfsstütze vorne links verhindert, dass die Ladung kippt. Sodann: Der Eingang der Führung, in welcher die Deichsel eingerastet wird, besteht aus gefrästem Aluminium, nicht Kunststoff. Wer noch mehr aus seinem Hinterher machen will, findet bei Peter zahlreiches Zubehör; vom Campingtisch-Bausatz bis zur Klappschaufel für eine Sackkarren-Funktion. Zudem: Kundinnen und Kunden machen mit dem Hinterher die verrücktesten Dinge, wie diese Bildergalerie beweist. Peter lässt sich von ihnen auch immer wieder inspirieren. Überhaupt: Bei Hinterher ist nichts geheim: Peter Hornung ermuntert zum Nachbauen und Selbermachen. Weil geteiltes Wissen auch geteilte Freude ist und sich vermehrt. Veloanhänger gehören auf die Strasse, nicht in Kataloge und Schaufenster. So viel Begeisterung wirft Wellen und war schon mehrfach preiswürdig. Jüngst gabs für einen Anhänger, mit dem Paletten gehoben und transportiert werden können, den «Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen».

Einschlägige Links:

Wir sammeln weiter Erfahrungen und gehen in die Details. Fortsetzung folgt.

 

Mit dem Velo-Wohnwagen durch die Ferien pedalen

Ante scriptum: Für den radfahrenden Katholiken beginnt die Säsong an Maria Lichtmess.1 Das erklärt, weshalb an dieser Stelle nach dem 30. Christmonat nicht mehr verlautbart wurde. Dass allerdings am 2. Horner  allhier immer noch keine Silbe zu lesen war, ist einzig winterlicher Schreibverdrossenheit des Schriftleiters zuzuschreiben.

Dafür gehts nun ins Frühlingsgrün und Sommerwarm zugleich. Auf vierrädrige Ferienfahrt. Zwei vorne hinter-, zwei hinten nebeneinander. Pedalgetriebene Tüftler begeistern mich seit jeher und Martin hat mir jüngst mit seinem Linktipp auf dieses Gefährt den Anstoss zu nachfolgender Übersicht gegeben. Die hier gelisteten Wohnwägelchen sind nur teilweise käuflich, in jedem Fall aber ein Ansporn, selbst Grossvaters ausrangiertes Milchwägechen campingtauglich umzugestalten. Vorsorglich sei darauf hingewiesen, auf Leichtbauweise zu achten. Doch selbst dann: Velowohnwägeln ist ein Freizeitvergnügen für die nordrheinische Tiefebene, nicht das Alpenhochland. Es sei denn, man leiste sich ein Strompferdchen als Zugmaschine, was gewiss eine gute Idee ist.

Sodann, in eigener Sache: Ein Modell mit Zweimeter-Pritsche für so lange Menschen wie mich ist mir noch nicht untergekommen.

Der Bicycle-Camper: leicht und aufgrund des niedrigen Schwerpunkts sicher zu fahren (Klick aufs Bild führt zum Video auf YouTube)

Erik Staardrups 2016 selbstgebauter Mikro-Camper: Schön und elegant.

Der Eluk-Fahrradanhänger: ein deutsches Produkt, seit 2014 lieferbar

Der Foldavan ist faltbar. Kennt man von Autoanhängern doch auch und kommt von hier.

Der Wide Path Bicycle Camper kommt aus Dänemark. Denn kan man auch mieten.

Dieser Mini-Wohnwagen sei Deutschlands kleinstes Zuhause, heisst es dazu. Niedlich!

Der ebikecamper: grenzenlos unabhängig reisen, wird dafür geworben. Na, einen Versuch wärs wert.

Der «gazebo bicycle camper trailer» von Jorge: wie aus dem Ei gepellt.

Der Bicycle Camper Caravan Trailer «The Rocketeer» sieht aus wie ein Zelt von Hilleberg auf zwei Rädern.

Für dieses Wägelchen verkauft Paul Elkins die Baupläne für 150 Dollar.

Paul Elkins zum zweiten: hübsch!

Wers gerne mit Ecken und Kanten hat, entscheidet sich für dieses Modell.

The Bike Caravan,  die Abschlussarbeit 2017 von Fabio, einem Luzerner.

Skowi baut Fahrradwohnwagen aus Aluminium.

Den Bau eines Velo-Wohnwagens mitverfolgen.

Zum Schluss noch dies: Ein Monster zwar auf zwei Rädern, aber den Jungs hat die Bauerei bestimmt ordentlich Spass gemacht und eine Menge gelernt dabei haben sie gewiss.

Weitere Informationen

1 2. Februar, Darstellung des Herrn, volkstümlich auch Mariä Lichtmess genannt, vierzig Tage nach Weihnachten, die Tage dauern dann schon rund eine Stunde länger als zur Wintersonnenwende.

Das wär‘ ein Winterwägelchen für den Velofahrer

Im hohen Norden sind die Winter härter und dauern länger. Von dort soll kommenden Frühling ein Wägelchen auf den Markt fahren, das auch hierzulande Freunde finden müsste und zum Beispiel des Velofahrers Saison auf eine ganzjährige verlängern könnte: das Podbike. Gebaut hat das schmucke Ding der Tüftler Per Hassel Sørensen und Anne-Lise Heggland, die mit ihm durchs Leben pedaliert und die Podbike AS in Sandnes südlich von Stavanger gegründet hat. Die «NZZ am Sonntag» hat den beiden am 3. Dezember 2017 eine Ecke auf ihrer «Mobilität»Seite gewidmet. Demnach beschäftigt sich Sørensen, neben einer Velofabrik aufgewachsen, seit Kindsbeinen mit der pedalgetriebenen Fortbewegung; mit Podbike soll ihm nun der Durchbruch gelungen sein. Dafür gebe es mehrere tausend Vorbestellungen, die ab Frühling ausgeliefert werden.

Das Podbike ist so etwas wie ein Liegerad, einfach mit vier Rädern. Es erinnert an das in den achtziger Jahren in der Schweiz entwickelte Twike, das aber  seit 2002 im deutschen Rosenthal gebaut wird. Auch im Podbike nimmt der Fahrer/die Fahrerin auf einem geneigten Sitz Platz und tritt vor sich in die Pedale. Was dann geschieht, beschreibt der Tech-Blog wired.de: «Angetrieben werden […] nicht die Räder selbst. Stattdessen gibt der Fahrer mit seinem Tritt einem Steuersystem die Geschwindigkeit vor und speist mit seiner Kraft gleichzeitig einen Generator, der einen Akku lädt. Der versorgt zwei Nabenmotoren, die die beiden Hinterräder in Gang bringen und das Podbike auf bis zu 60 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Der Kraftaufwand für den Fahrer ist stetig gleich – ganz egal, ob am Berg oder auf glatter Ebene. Eine Akku-Ladung genüge für 60 Kilometer Reichweite – wobei sich mehrere Akku-Packs parallel schalten ließen. Ist der Akku erschöpft, funktioniert das Podbike wie ein klassisches Rad.»

Das Podbike ist knapp 80 Zentimeter breit, 2,3 Meter lang und hat eine Karosserie aus Aluminium und Thermoplast und ist insgesamt um die 50 bis 60 Kilogramm schwer (auffindbare Angaben unklar). Hinten gibts Platz für Einkäufe oder ein Kind als Mitfahrer. Parkiert braucht das Podbike noch weniger Platz: Es wird dazu einfach auf sein Heck gestellt.

Zwei kleine Nachteile hat das Podbike aus Velofahrer-Sicht: Weil es 60 Kilometer pro Stunde schnell ist, darf es nicht auf Velowegen fahren. Es ist auch nicht schmal genug, um den Stau links oder rechts zu überholen. Dafür haben auf der Strasse gleich zwei Podbikes nebeneinander Platz, auf einem gewöhnlichen Parkplatz sogar vier. Abgesehen davon: Das Podbike muss die Motorisierten zum Umsteigen bewegen, nicht die eh schon überzeugten Velocipedisten. Es ist ein Beitrag zur Verkehrswende.

Ein preisgünstiger zudem: Das Podbike kostet gemäss Angaben seiner Hersteller ab rund 5500 Euro. Zum Vergleich: Für ein Twike 3, das momentan erhältliche Modell, sind in der einfachsten Ausführung (Akku-Reichweite 40 bis 80 km) rund 27’000 Euro fällig.

Im Winter spielt der Velofahrer Passquartett

Dieser Titel stimmt natürlich nicht. Im Winter fährt der Velofahrer (auch) Velo. Doch das Passquartett in der Schlagzeile ist der Suchmaschinen-Optimierung geschuldet: Dieses und «Velofahrer» müssen da rein, damit der nun folgende digitale Lobpreis auf die kleine velocipedistische Spielerei im Netz auch gefunden wird. Rechtzeitig. Denn: Wer seinen Lieben (oder seine Liebe, meinetwegen) zwischendurch vom Sattel ins Sofa holen will zwecks Verbringung eines halben Stündchens ohne aktives Pedalieren, legt ihm (oder ihr, meinetwegen) ein Passquartett untern Christbaum. (In Klammern: Im Idealfall beschenken sie und er sich damit natürlich gegenseitig.)

Das Passquartett ist das grosse Alpenbrevet für den Spiel- und Stammtisch. Vom Col de la Croix im Westen bis zum Umbrail im Osten bündelt es 32 cyclistische Herausforderungen in Kartenform. Zu jeder notiert sind Höhenangabe und Höhenmeter, Steigung im Schnitt und maximal sowie Streckenlänge der Anfahrt beiderseits. (Klammer 2: Zwischen Croix und Umbrail liegt unter anderem der Pragel, mit 17 Prozent Maximalsteigerung vom Muotathal her die pass-ende Knacknuss.)

Pässe und die Geschichten dazu

Ein Testspiel gestern Abend mit der Angetrauten hat ergeben: Beim Passquartettlen lässt sich a) etwas lernen und es ist b) endlos, wenn man es nach der Auto-und-Flugzeugquartett-Methode wie einst als Schulbub spielt. Kaum hat man einen Grossen erklommen und seiner Gegenüber abgeluchst, verliert man denselben beim nächsten Durchgang wieder, weil der Grosse bezüglich durchschnittlicher Steigung leider zur Kategorie Weicheicher gehört. Ergebnis c): Die Angetraute fährt zwar gerne Velo, zum Biolädeli, zur Sammelstelle und mit Sack und Pack in die Ferien. Aber über Pässe lieber nur in Richtung der Schwerkraft. Will heissen: Das Passquartett ist ein Zeitvertreib besser für die Höhenfresser und Selbstquäler unter der radfahrenden Zunft. Selbige, und das darf gerne in die Spielregeln eingebaut werden,  plagieren dafür bei jeder Karte von ihren pass-ablen Heldentaten. Solches Spielen lässt eine Quartettrunde zum verschwitzten Männerabend ausufern. Klar. Analoges Fachsimpeln ist alleweil gemütlicher, als digital auf Strava gegen unsichtbare Gegner anzustrampeln oder «Quäl dich» von unerreichbaren Höhen zu träumen.

Nach dem Legenden- das Passquartett

Schöpfer des Passquartetts sind die Brüder Gaspare und Pietro Loderer; zwei Velo-Gepickte, die bereits diese Tricots mit den Namen von Schweizer Pässen vertreiben. Er und sein Bruder und hätten sich überlegt, «wie man die Emotionen, die beim Pässefahren entstehen, wecken kann», sagt Gaspare. «Und da sind mir sofort die schönen Pässebilder von Berthold Steinhilber oder Michael Blann in den Sinn gekommen.» Das Wissen um das vor einigen Jahren erschienene Legendenquartett zum Radpsort («ein super schönes Produkt») führte schliesslich zur Idee des Passquartetts,. Gaspare, Jurist und auf dem Weg zum Doktor, buchte darauf hin an der Uni einschlägige Programmkurse und nahm die Sache selbst in die Hand. Nun hoffen die beiden Brüder, das Quartett bereite vielen Veloenthusiasten genauso Freude ihnen selbst.

Passquartett Schweiz, Fr. 19.-, www.passtricot.ch