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Ride on! Oder: Schöne Grüsse aus der Cannondale-Zentrale

Velophile Zeitgenossen wie mich, die ihre Zweiräder hegen und pflegen wie Neureiche den Ferrari, bestraft solche Sorgfalt mit zunehmendem Alter (der Zweiräder). Meinem Cannondale-Tourer, Typenbezeichnung T1000, Rahmen-Jahrgang 1992, stünde gelegentlich eine neue Pulverbeschichtung gut an. Dazu müssten aber die Kabelführungen am Oberrohr entfernt werden. Dies ist nicht möglich ist, ohne die kleinen Dingelchen zu zerstören, da sie mit Widerhaken in zwei millimeterkleine Löcher einrasten. Liess sich bei der ersten Neubeschichtung vor sieben Jahren noch problemlos Ersatz beschaffen, sind diese Kabelführungen mittlerweile nicht mehr erhältlich. Der örtliche Velohändler, der die Marke Cannondale führt, hatte sich der Sache angenommen – ohne Erfolg.

Doch klein beigeben mochte der Velofahrer deswegen nicht. Er wandte sich als erstes an die Cyclingsportsgroup, die Europazentrale von Cannondale mit Sitz in Allschwil im Kanton Baselland. Auf die Mail, über das Kontaktformular gesendet, traf schon bald eine standardisierte, unpersönliche Antwort ein: Man möge sich an den örtlichen Cannondale-Händler wenden. Auf eine Mail retour folgte unsererseits ein Anruf nach Allschwil, dessen Ergebnis hoffen liess. Ein freundlicher Mann namens Stefan nahm das Anliegen entgegen und liess sich einige Bilder der gewünschten Teile senden. Eine Woche später lag die Antwort in der Mailbox: «Leider war die Suche nach dieser Kabelführung nicht erfolgreich. Wir haben diese nicht mehr. Wir empfehlen, diese vor dem Lackieren des Rahmens zu entfernen um sie anschliessend wieder zu verwenden.»

«Wir können leider nicht für Ersatz sorgen»

Nun, dies ist einfacher gesagt als getan. Auf des Velofahrers Bitte, doch eine Adresse von Cannondale USA anzugeben (in der Hoffnung, ennet des grossen Teichs lagerten in irgendeiner Schublade noch irgendwelche Restbestände) gabs ein Njet. Zitat: «Ich kann Dir keine Mailadressen geben (das ist eine generelle Regelung). Ich habe gemeinsam mit der Technik in Holland im Lager nachgefragt und diese Kabelführungen sind nicht mehr lagernd. Wir können leider nicht für Ersatz sorgen.»

«Chasch tänke», sagte sich der Velofahrer, kratzte seine bescheidenen Englischkenntnisse zusammen und füllte das Kontaktformular auf cannonale.com aus. Die Antwort liess diesmal auf sich warten – aber sie kam, fiel aber erneut ernüchtern aus. Zitat Nummero 2:  «Thank you for taking the time to write us.  This is something that your local Cannondale Retailer can assist you with. Your retailer has access to various parts vendors and can work with you in choosing a housing that will work for you. Our Dealer Locator link on our website www.cannondale.com

Angesichts von so viel Kundenfreundlichkeit, sprich: Liebe zum Detail, klickte der Velofahrer auf Antworten – die Mailadresse, custserv@cannondale.com, hatte er ja nun – und reichte die Bilder, mit denen er schon Stefan bedient hatte, nach. Wieder dauerte es eine gute Weile, doch wieder traf eine Antwort ein. Diesmal verständnisvoller, wie Zitat Nummero 3 belegt: «It is true that we no longer have the A113/ top tube cable guides available. Our vendor for this product has gone out of business and we do not know where like guides can be sourced. The only thing that we can advise is to use cable-headed zip ties which your local Cannondale Retailer can assist in getting for you.»

Und dann, zum Schluss: «Ride on!»

Danke, liebe Leute von Cannondale, ich freue mich und bin getröstet (was ich keineswegs ironisch meine), denn Kleinkunden wie mich, die bestenfalls alle 20 Jahre ein neues Cannondale kaufen, könnte man ebensogut beschweigen. Cannondale hingegen bestätigt mich in diesem Fall als Fan der Marke (höchster zu erreichender Grad in Sachen Kundenbindung). Dass ich mich das nächste Mal allerdings für ein anderes Produkt entscheiden werde, muss ich hier ja nicht schreiben. Cannondale ist aus dem Tourenbereich leider praktisch ausgestiegen.

Autor:

…geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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