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Wenig Ahnung vom Wert des Velos

120915_veloboerse_luzern_webDer Velofahrer ist nicht etwa auf dem Sattel eingeschlafen, er hat sich deshalb lange nicht gemeldet, weil er vergangene Woche krankheitshalber die Prioritäten anders setzen musste. Darunter hat a) der Formstand gelitten, wie er an einer kleinen Ausfahrt heute bergwärts spüren musste, dafür hatte er b) umso mehr Zeit, ein paar Gedanken nachzuhängen, die ihm seit der Luzerner Velobörse von Mitte September durch den Kopf gehen. Mich wundert jedesmal, wenn ich an der Velobörse mithelfe, wie wenig Ahnung die Allermeisten vom Wert ihres Fahrrad haben. Wie wenig sie darüber wissen, welcher Pflege ein Velo bedarf, soll es ein paar Jahre hinhalten, oder aber, umgekehrt, zu welch unverschämten Preis sie ihr Gefährt anschreiben lassen, das doch schon bessere Zeiten gesehen haben muss. Ihr Auto würden diese Eigentümer nie derart lieblos behandeln. Mann und Frau weiss Bescheid, was ein solches kostet und gibt dafür Jahr um Jahr tausende Franken für den Unterhalt und Ersatzteile aus. Darin spiegelt sich wohl die Stellung des Fortbewegungsmittels Velo im gesamten Mobilitätsangebot. Oder wie ist diese Feststellung sonst zu erklären?

Velos nur für Schönwettertage
An der diesjährigen Herbstbörse verscherbelt ein Händler offensichtlich neue Stadtvelos für 220 Franken. Die Frage einer interessierten Käuferin, womit der tiefe Preis zu begründen sei, kann ich nicht beantworten. An der seltsamen Rahmenform kann es nicht liegen. Eine andere Kundin zeigt mir ein ebenfalls neues Rad in offensichtlicher Warenhaus-«Qualität», das für 380 Franken zu haben ist und fragt, ob dieses wohl reiche, um in der Stadt nach da und dort zu pedalen. Als ich ihr erkläre, jedes Velo bedürfe der regelmässigen Wartung, zumal nach winterlichen Fahrten auf salznassen Strassen, blickt sie mich fragend an. Ich denke für mich, das von ihr ins Auge gefasste Modell dürfte bestenfalls ein Schönwetter-Rad sein, da wohl kaum ein Lager gefettet sei. Wofür sich die Frau am Ende entschied, weiss ich nicht. Es gab jedoch gute Angebote auf dem Platz: Räder für 300, 400 Franken, gut ausgestattet und gut erhalten, die neu das vier- bis fünffache gekostet hatten. Doch mit chromblitzenden Felgen wie die Billigräder konnten diese Velos natürlich nicht (mehr) glänzen.

Minuspunkte fürs Velo
Das Velo ist für viele seiner Nutzerinnen und Nutzer ein Alltagsgegenstand, den man anschafft und dessen man sich eines Tages wieder entledigt. Weil die Bedingungen, damit zu fahren – vielleicht sogar: darauf umzusteigen – nach wie vor ungenügend sind, muss man ihm keine besondere Pflege angedeihen lassen. Sich für die politische Seite des Velos einzusetzen, ist erst recht nicht mehrheitsfähig. Der Velofahrer nahm gestern an der Zukunftskonferenz seiner Wohngemeinde teil, dem Auftakt zur Ortsplanungsrevision, über die in zwei Jahren abgestimmt werden wird. Sein Vorschlag, meiner also, unter dem Stichwort Verkehr auch ein Konzept und griffige Massnahmen für Velofahrer und Fussgänger vorzusehen, erntete auffallend viele Minuspunkte.

Autor:

…geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Dominik,

    vorab: ich habe Deinen Blog abonniert und folge Deinen Gedanken gerne!

    Dein Blogeintrag über Deine Erfahrungen von einer Fahrrad ähh Velobörse und die abgeleiteten Erkenntnisse sind mir zu pauschal und oberflächlich. Bitte vertiefe das Thema doch etwas!

    Ich nehme es den Leuten nicht übel, dass sie den Versprechen der Wirtschaft glauben. Lt. diesen sind doch moderne Naben wartungsfrei. Getriebenaben? Wartungsfrei. Systemlaufräder? Wartungsfrei. Hydraulikbremsen? Wartungsfrei. Bremsbeläge? Einfach zu wechseln. Innenlager (Tretlager)? Gekapselt, wartungsfrei.

    Liest man dann die Beiträge über die „Dauertest“ in der BIKE verfällt man in Schockstarre, was hier bei modernen Rädern in kürzester Zeit und Laufleistung den Geist aufgibt…

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    • Hallo Ede, danke für deinen Einwurf. Nun, meine Zeilen wurden gestern vielleicht ein bisschen schnell hingeschrieben. Deine Bemerkungen treffen zu, es ging/geht mir aber um etwas anderes, grundsätzlicheres. Wenns vom Auto die Rede ist, ist allen klar, dass 10’000 Franken für einen Neuwagen nicht reichen. Und dass ein Auto regelmässig in den Service muss, soll es lange halten. Wenn man aber davon spricht, dass ein qualitativ einigermassen überzeugendes Velo 1500 bis 2000 Franken kostet, finden das viele Leute schon wahnsinnig viel Geld. Und dass auch ein solches Velo der regelmässigen Wartung bedarf, ist überhaupt nicht ohne weiteres einsichtig. Die ungleichen Massstäbe, mit denen man seine Mobilitätsmittel misst, sind für mich nicht einsichtig. Dass die Branche zu diesem Missverhältnis das Ihre beiträgt, wie du schreibst, ist ein freilich ein Umstand, für den die Endverbraucher nichts können. Bzw. man ist ihnen gegenüber nicht ehrlich.

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