Kategorie: Politik

Pro Auto fordert 1.5 Meter Überholabstand vom Velo

Wenn Velofahrende von Motorfahrzeuglenkern zu knapp überholt werden, ist das gefährlich. Und es hält Menschen vom Velofahren ab. Die Delegierten von Pro Auto Schweiz haben am 4. November einstimmig eine Resolution verabschiedet, die einen gesetzlichen Mindestabstand beim Überholen fordert.

«Die Massnahme ist nicht gegen die Autofahrer gerichtet, im Gegenteil», sagte Lukas Huber, SVP-Nationalrat und Präsident von Pro Auto, gegenüber dem «Tages-Anzeiger». «Wenn klare Regeln herrschen, ist allen gedient.» Eine entsprechende Motion im Parlament sei in Vorbereitung. Vielen Autofahrern sei wohl gar nicht bewusst, wie unangenehm es für Velofahrer sei, wenn sie mit nur knappem Abstand überholt würden, fügt Huber an.

«Abstand ist Anstand – und rettet Leben», ist die Resolution übertitelt, welche die Delegierten von Pro Auto ohne Gegenstimme verabschiedet haben.  Jeder zehnte Velounfall passiere, wenn Velofahrende von anderen Fahrzeugen überholt würden, heisst es darin. Jedoch: «Zu nahes Überholen ist damit nicht nur eine Frage des Anstandes, sondern auch eine Frage der Sicherheit.»

Pro Auto bedauert, dass das Verkehrsrecht keine konkreten Vorschriften enthält, in welchem Abstand Velofahrende zu überholen sind. Da stehe lediglich, der Abstand solle «genügend gross» sein. Andere Länder hätten längst gehandelt und den Mindest-Überholabstand im Gesetz festgelegt. Das Mass variiert von Land zu Land von einem bis eineinhalb Metern. «Doch damit nicht genug: In vielen Ländern werden die Verkehrsteilnehmer mit Kampagnen darauf aufmerksam gemacht, dass sie genügend Abstand halten sollen. Und zu nahes Überholen wird entsprechend mit Bussen geahndet.»

Pro Auto Schweiz fordert den Bund auf, das Problem aufzugreifen und auch hierzulande die Vorschriften zu konkretisieren. Verkehrsteilnehmer sollen wissen, mit welchem Abstand Velos zu überholen sind. Diese Distanz müsse mindestens 1.5 Meter betragen. Zusätzlich zur Gesetzesnorm solle der Bund mit Sensibilisierungsmassnahmen dazu beitragen, dass die Verkehrsteilnehmer die Gefahren des zu nahen Überholens kennen und mit genügend Abstand überholen.

Politisch dürfte die Forderung von Pro Auto in den eidgenössischen Räten leicht sein, nachdem die in den Parlamenten stark vertretene bürgerliche Lobby-Organisation Pro Auto das Anliegen mitträgt. Die Motion dürfte in der Dezember-Session traktandiert werden.

Nachsatz: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

 

Theoretisch ist auch Zürich eine Velostadt

Praktisch kostet die Veloförderung Millionen. Am teuersten ist das Umdenken. Theoretisch ist sie gratis. Gibt der motorisierte Verkehr da und dort eine Spur frei, rollt sichs locker durch die Stadt. Wie das geht, war gestern Freitag Abend (22. September) in Zürich zu erleben. Am «Weltweiten autofreien Tag» luden hier die Grünen zur jährlichen Velodemo ein. (Warum und wozu erklärt das «Velojournal» hier.)  Die Ausfahrt an diesem wunderwarmen Spätsommerfrühherbstabend wurde zum Beweis dafür und Erlebnis davon, was Stadt auch sein kann, wenn sie nicht autoverstopft und auspuffvergast be-pedaliert werden kann: zweirädrige Lebens-Erfahrung. Dass dies auch ohne Strassensperrungen und Polizeieskorte möglich sein muss, ist das Ziel des «Zürcher Velostadt-Manifests», das an diesem Abend lanciert wurde und mit einer Petition verbunden ist. Dahinter stehen «umverkehR», Pro Velo Zürich, der VCS und der Fussgängerverein Zürich.

An der Velodemo nahmen gewiss um die 1000 Velofahrerinnen und -fahrer (eigene Schätzung) teil. Sie war eine durchwegs friedliche Angelegenheit – mit zuvorkommenden BMW-, Töff- und Velopolizisten an der Spitze, mit gutgelaunten Velocipedisten, mit fröhlichem Publikum an den Strassenrändern und Balkonen, mit einer Menge fotofilmenden Passanten. Und, auch dies sei bemerkt, ganz wenig ungeduldigem Gehupe.

Schön wär‘, es gäbe solch eine Verkehrsfriedensfahrt an einem 22. September auch mal in Luzern. In der «Luzerner Zeitung» von heute meint ein Leserbriefschreiber zur aktuellen verkehrspolitischen Diskussion, «man sollte die Verkehrsplanung nicht den Autofahrern und der Wirtschaft (Parkhausplaner) überlassen. Innenstädte mit Privatverkehr seien «keine Zukunftsperspektive, er braucht zu viel Platz».

 

Sind 500 Mietvelos ein Problem? Doch eher 37’000 Autos

Die gelben Mietvelos aus China, die sich in Schweizer Städten versamen, sind offenbar ein Problem. Die O-Bikes, wie sie heissen, stünden bloss herum, seien nichts wert und beanspruchten öffentlichen Grund, ohne dass die Verleihfirma dafür bezahle. Das mag alles sein.¹ In dem Trallala geht jedoch die Verhältnismässigkeit vergessen. Was zum Beispiel die Stadt Luzern betrifft, wo O-Bike 500 dieser gelben Eingänger platzieren will: Hier waren per Ende 2016 (akuellste Zahl) 37’166 Autos in Verkehr gesetzt. Hinzu kommen die Lieferwagen, Busse, Lastwagen und Motorräder. Diese Zahl ist innert zehn Jahren um fast genau 5000 gestiegen und entspricht gut 450 Autos auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner. Vom Durchgangs- und Suchverkehr ganz zu schweigen. Ausserdem: Auf einem Autoparkplatz haben etwa 12 Velos Platz. In einem Auto sitzt (steht…) meistens nur eine Person.

Darauf muss zumindest hingewiesen werden. Mit Blick auf Zürich, wo die Diskussion um den Raum, den das Velo einnehmen darf, jeweils gleich ein paar Grade höher kocht als hier, kommentiert etwa Franz Horvath auf Facebook: «Die meinen wohl die Autoschwemme, wegen der es gleich auffällt, wenn mal mal ein paar Velos mehr rumstehen.» Das trifft natürlich auch auf Luzern zu.

¹Ansonsten, erstens: Die Bikes der Singapurer Firma O-Bike sind – eher – Neuschrott, wie Pro Velo Zürich per Selbstversuch herausgefunden hat. Jedoch: Der Markt wird das regeln. Zweitens: Die Firma O-Bike will mit ihren Mietvelos Geld verdienen. Wenn sie dafür (teilweise) ungefragt öffentlichen Raum belegt, soll sie dafür auch bezahlen. Solche Velos dürften zudem nicht die Abstellplätze für gewöhnliche Velos blockieren. All dies ist zu regeln und aber nicht Gegenstand dieses Beitrags.

Sieben Gründe, weshalb sich das Velofahren lohnt

Im Dezember 2016 hat der Europäische Radfahrerverband (ECF, European Cyclists Federation) hat seine überarbeitete, erstmals 2013 erschienene Analyse «Ökonomische Vorteile des Radfahrens in den 27 EU-Ländern» veröffentlicht. Der neue Report wurde um einige Themenfelder erweitert. Einbezogen werden Faktoren wie Gesundheit, Emmissionen, Unfälle, Fahrzeugbetriebskosten usw. «Hier zeigt sich besonders die grosse Stärke des Velos», sagt Roland Pfeiffer, Präsident der Velokonferenz Schweiz. Studien-Co-Autor Holger Haubold fasst den EU-Report im Info-Bulletin 1/2017 der Velokonferenz Schweiz, im Juni erschienen, die Argumente auf Deutsch zusammen. Wir geben den Beitrag hier wieder. (Hinweis: Die «Velokonferenz Schweiz» ist eine politisch neutrale, nationale Fachorganisation für Veloverkehrsplanung.)

Radfahren macht Spass und hält fit, aber welche weiteren Vorteile hat es noch? Und wie lassen sich diese messen? Eine neue Studie des Europäischen Radfahrerverbandes ECF gibt Antworten auf diese Fragen. Mehr als 1000 Euro pro Kopf der EU-Bevölkerung allein beim heutigen Radverkehrsaufkommen – so hoch ist laut der Untersuchung der volkswirtschaftliche Nutzen des Radfahrens.

Dazu kommen andere Vorteile, die sich zur Zeit noch nicht beziffern lassen, im Report aber schon aufgelistet werden. Nach der ersten Auflage 2013 beschäftigt sich der ECF bereits zum zweiten Mal mit der Frage, welche Vorteile das Fahrrad für Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft bringt. In der aktuellen Studie nimmt der ECF erstmals eine systematische Klassifizierung der einzelnen Vorteile vor und ordnet sie neun verschiedenen Bereichen zu. Die Einordnung basiert auf der Agenda zur aktiven Mobilität, die der ECF in den letzten Jahren zusammen mit seinem akademischen Netzwerk «Scientists for Cycling» entwickelt hat.

Umwelt + Klima 15.5 Mrd. Euro
Energie + Ressourcen 3 Mrd. Euro
Gesundheit 191 Mrd. Euro
Wirtschaft 63 Mrd. Euro
Technologie + Design 20 Mrd. Euro
Zeit + Raum 131 Mrd. Euro
Soziales 50 Mrd. Euro
Mobilitäs 30 Mrd. Euro
Kulturelle Vielfalt  10 Mrd. Euro

Grund 1
Mit mehr als 191 Milliarden Euro hat der Gesundheitsbereich den grössten Anteil an den quantifizierbaren Vorteilen des Radfahrens. Dazu gehört ein längeres und gesünderes Leben, für dessen Berechnung die Weltgesundheitsorganisation WHO eine eigene Methodik entwickelt hat. Es gibt aber noch weitere Vorteile in diesem Bereich: Radfahrende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind im Durchschnitt einen Tag pro Jahr weniger krank als ihre Kolleginnen und Kollegen. Das bringt einen
geldwerten Vorteil für Arbeitgeber, der sich für die EU auf 4,5 Milliarden Euro pro Jahr summiert.

Grund 2
Positive Auswirkungen hat das Radfahren auch für Umwelt und Klima. Allein die durch Radfahrer/innen in der EU jährlich vermiedenen 15 Millionen Tonnen CO2
-Emissionen entsprechen einem Wert von 2,2 Milliarden Euro. Dazu kommen die Reduzierung der Luft- und Lärmverschmutzung mit einem Wert von mehr als 700 Millionen Euro pro Jahr sowie die durch den geringeren Bedarf an Straßeninfrastruktur verminderte Versiegelung von Flächen, die mit einem Anstieg der Boden- und
Wasserqualität einhergeht.

Grund 3
Damit verknüpft ist eine bessere Nutzung des öffentlichen Raums: Zum einen brauchen Fahrräder zum Fahren und Parken nur einen Bruchteil der Fläche, den Autos benötigen. Zum anderen ist die Qualität des nur von Radfahrer/innen und Fussgänger/innen genutzten Raums höher, da hier öffentliche Begegnungsflächen entstehen anstelle von Fahrspuren, die Menschen voneinander trennen. Studien belegen ausserdem, dass Radfahrer/-innen einen höheren Nutzen aus der Zeit ziehen, die sie für ihre Fortbewegung aufwenden, indem sie sich zum Beispiel an der frischen Luft aufhalten oder die Landschaft geniessen können.

Grund 4
Einen nicht zu unterschätzenden Wert hat die Fahrradnutzung auch für Einzelhändler: Das jährliche Einkaufsvolumen von Radfahrer/innen in der EU schätzt der ECF auf 111 Milliarden Euro.

Grund 6
Schließlich sollte auch der Umsatz in den mit dem Fahrrad verknüpften Wirtschaftszweigen nicht vergessen werden. Diese beschäftigen in der EU mehr als 650’000 Arbeitnehmende.

Grund 7
Den grössten Anteil hat hier der Fahrradtourismus mit einem jährlichen Umsatz von 44 Milliarden Euro, was mehr ist als zum Beispiel der Umsatz in der Kreuzfahrtindustrie.

Diese Zahlen sind an sich schon beeindruckend. Die Studie zeigt noch weitere Vorteile des Radfahrens auf, zum Beispiel im sozialen Bereich, für die zum jetzigen Zeitpunkt quantifizierbare Daten aber noch fehlen. Doch eines ist auf jeden Fall sicher: Radfahren lohnt sich – sehr!

Titelseite der ECF-Studie zur Wirtschaftlichkeit des Velofahrens.

Zu Velofahrern gibts kein Näherfahrrecht

Wer sein Häuschen näher an des Nachbars Grundstück setzen will, als es das Gesetz zulässt, muss sich das Näherbaurecht erhandeln. Auf der Strasse nehmen sich dieses viele Autofahrer Velofahrern gegenüber selbstredend. Sie halten nicht einmal einen Mindestabstand ein. Pro Velo Thurgau hat deshalb eine Kampagne gestartet, mit der die Organisation «ein Gesetz für einen Mindestabstand von 1,5 m beim Überholen eines Velos» fordert. Denn: «Abstand ist Anstand!»

  • Dazu kann ich aktuell drei Erfahrungen beisteuern. Vergangene Woche, Montag, die für Velofahrer höchstgefährliche Y-Verweigung am Luzernerhof in Luzern. Weil ich nach links halten muss, fahre ich in der Mitte. Einmal mehr werde ich hier aber knapp rechts überholt. Mein wütender Blick durchs Seitenfenster wird meist schulternzuckend quittiert.
  • Am Abend, auf dem Heimweg; Urswil, der Weiler zwei Kilometer vor meinem Daheim. Längst ein Schleichweg für Autopendler, welche die Hauptstrasse meiden. Si überholen in der langgezogenen S-Kurve trotz Gegenverkehr und schlechter Sicht. Ein Lieferwagen muss schon nach halbem Manöver wieder scharf rechts halten drängt mich haarscharf an die Trottoirkante. Ein Kind wäre gestürzt und unter die Räder geraten. Ich kann bestätigen, was das Thurgauer Pro-Velo-Vorstandsmitglied Eddie Kessler feststellt: Je näher man am Rand fährt, desto knapper wird man überholt. Ich pedale seit dem Erlebnis vergangene Woche konsequent beinahe in der Fahrbahnmitte.
  • Zwei Tage später, einen Kilometer vor Urswil, hier fahre ich auf einer schmalen Güterstrasse, die eigentlich dem Landwirtschaftsverkehr vorbehalten sein müsste. Ein schwarzer Golf überholt mich derart knapp, dass mich sein Rückspiegel so gut wie streift. Ich verwerfe die Hände (aber ohne Stinkefinger…), der Fahrer nimmt dies wahr und bremst, ich freu‘ mich schon, im die Sache erklären zu können. Er fährt dann aber weiter. In Klammern: Ich hätt‘ ja auch einen (langsamen) Traktor fahren können.

«Höchste Zeit, dass sich da was tut. Aber zuerst gilt es, das Problem überhaupt mal anzusprechen und ernst zu nehmen», sagt die Thurgauer Pro-Velo-Präsidentin Vera Zahner. Die Kampagne «Abstand ist Anstand» will deshalb vorab sensibilisieren. «Ob mit weniger oder mehr Abstand überholt werden soll, kommt auf Umstände wie Geschwindigkeit oder Nässe an. 1,5 m haben sich als guter Durchschnitts- und deshalb Richtwert erwiesen», gibt Pro Velo Thurgau den Massstab vor. Die Kampagne ist deshalb im Web unter der Adresse www.1m50.ch erreichbar. Wer sie über die Sozialen Medien unterstützen will, gebraucht den Hashtag #abstandistanstand.

Fakten zur Problemlage gibt es genug, sie sind alle auf 1m50.ch gesammelt. Tatsache ist: In der Schweiz beklagen sich zwei Drittel der Velofahrenden darüber, dass sie zu eng überholt werden. Dies hat die «Nationale Befragung zur Sicherheit beim Velofahren» ergeben. An dieser war nicht etwa nur die Velolobby beteiligt, sondern es machte auch BfU, Suva und TCS mit. Hinzu kommt: Die Schweiz sei betreffend Überholabstand eine kleine Insel. (Fast) alle Länder runderum kennten einen gesetzlichen Mindestabstand oder seien daran, einen einzuführen, schreibt Pro Velo Thurgau.

Die Kampagne «Abstand ist Anstand» ist eine Initiative der Pro Velo Thurgau. Als kleiner Verein, der den grössten Teil seiner Mittel in Velofahrkurse für Kinder steckt, ist auf Spenden angewiesen. Wie und wo man sein Scherflein beisteuern kann, steht im Kasten rechts auf der Startseite von www.1m50.ch. Mit dem eingenommenen Geld will sich Pro Velo Thurgau nicht nur für ein verbindliches Gesetz engagieren, sondern auch dafür sorgen, dass die Botschaft «Abstand ist Anstand»  im ganzen Land gehört wird. Dafür braucht es Werbe- und Aktionsmaterial sowie viel Medienaufmerksamkeit. Am 18. November 2017 findet in Solothurn einen Workshop zum Thema statt.content here…

P.S.: Vielleicht lässt sich die SUVA dazu bewegen, sich in diesem Thema ebenfalls zu engagieren. Der Unfallversicherer würde sich damit gewiss mehr Freunde machen als mit diesem unsäglichen Video.

 

Velomittwoch, #velozh: Weil das Velo erlebt werden muss

In jüngster Zeit ists an dieser Stelle wenig verlautbart worden. Grund dafür sind die jene drei Initiativen, die ebendies fördern, womit ich derweilen die Zeit verbracht habe: das Velofahren. Wenns es sich am Morgen um sechs schon kurzbehost zur Arbeit radeln lässt und zwölf Stunden später umgekehrt die Sonne immer noch vom Himmel brennt, verausgabe ich mich lieber im Sattel als vor dem Bildschirm. Das Velo will erlebt werden. Darum geht bei ebendiesen Initiativen. Deren erste:

#velozh: Nicht nur für Zürcher

Das Velofahren in der Stadt «besser und sicherer»: Das will Pro Velo Zürich mit der Kampagne #velozh. Diese soll zeigen, «wo das Velofahren Freude macht, aber auch wo Velofahrerinnen und Velofahrer behindert oder gar gefährdet werden», wie es in einer Medienmitteilung heisst. Seit dem 7. Juni sind alle Zürcher Velofahrerinnen und Velofahrer eingeladen, auf der Plattform veloZH.ch oder auch via Instagram mit dem Hashtag #veloZH ihre Beiträge
zu veröffentlichen. Ziel der Kampagne ist es, «der Zürcher Velo-Community ein Gesicht und eine Stimme zu verleihen sowie ihre Befindlichkeit zu reflektieren», so die Mitteilung weiter.

Um für Verkehr auf der Plattform zu sorgen, plant Kampagnenleiter Dave Durner, die Velogemeinde mit konkreten Aufgaben, Fragen, Wettbewerben und Umfragen zu aktivieren. Natürlich sollen die einzelnen Beiträge über die sozialen Netzwerke verbreitet werden und so eine breite Öffentlichkeit erreichen. In einer zweiten Phase werden ab Sommer 2018 die Beiträge ausgewertet und geordnet, um der politischen Velo-Lobby neue Munition für ihren Einsatz zugunsten einer schnellen Verbesserung der Velo-Infrastruktur zu liefern.

Diesbezüglich brauchts, gelinde gesagt, noch viel Sensibilisierungsarbeit, Ich liess mich vergangene Woche in eine Facebook-Diskussion verwickeln, die aus der Verlinkung eines «TagesWoche»-Meinungsbeitrags des Basler Grossrats Raphael Fuhrer (Grüne) entstanden war. Fuhrers Feststellung: «Velofahrerinnen und Velofahrer sind nicht das Böse. Im Gegenteil: Sie tun viel Gutes. Für sich selbst, aber noch mehr für die Allgemeinheit.» Wir müssten darum «wirklich jeden Velofahrer lieben». Was Facebooker Patrick Stahel so kommentierte: «Sie sind nur rücksichtslos und verdammte Rowdies. Ich fordere Nummernschilder in der Grösse von Motorrädern und konsequent gleich-hohe Bussen. Und ich bin nicht allein: 95% im Tele-Züri-Ted stimmten JA dazu. Danke Nationalrat Hans-Peter Portmann.» Oliver Schmid doppelte nach: «Patrick, du hast sowas von recht!» – Den Rest können wir uns eigentlich sparen; es entspann sich daraus eine Diskussion der altbekannten Art.» Tesla-Fahrer Schmid («Mehr als 2 Tonnen schwer, Abgase = 0.») wäre ein Kandidat dafür, eine Woche lang mit einem schnellen E-Bike zwangsumgerüstet und gezwungen zu werden, über #velozh seine Erfahrungen als Velocipedist in der Autowelt zu teilen.

Druck für Veränderungen machen

Sichtbar machen, wo das Velo unter die Räder kommt oder aber Freude macht, will auch die neue Web-Plattform und App bikeable.ch. Sie läuft bis dahin in einer Beta-Version. Nutzerinnen und Nutzer fotografieren und beschreiben gefährliche Stellen für Velofahrerinnen und -fahrer und kommentieren diese. Diese Stelle wird auf der Kartenansicht markiert. Userinnen und User voten für die übelsten Stellen. Die mit den meisten Votes landen zuoberst auf der «Wall of Shame». Angezeigt werden können aber gute Lösungen. Ziel, von bikeable.ch, so die jungen Macher: «den Velofahrerinnen und -fahrern die Möglichkeit zu geben, die Verbesserung der Infrastruktur voranzutreiben und mitzugestalten. Sie zeigen den Verantwortlichen auf, wo Veränderung am dringendsten notwendig ist und welche Lösungen die höchste Akzeptanz finden.»

Velofahren findet nicht am Schreibtisch statt. Es muss erlebt werden, um verstanden zu werden. Verkehrsplaner und -politiker, die sich selbst nicht in den Sattel schwingen, können mithilfe der Community immerhin zu einer virtuellen Probefahrt bewegt werden. Und diese erhält mit Plattformen wie velozh.ch oder bikeable.ch die Möglichkeit, Leid und Freud‘ Ausdruck zu verleihen.

Der Mittwoch wird zum Velotag

Schlicht eine Mitmachaktion fürs Velo ist der «Velomittwoch», eine neue Kampagne von Pro Velo Schweiz. Rund ein Drittel aller Autofahrten und zwei Drittel der Fahrten im öffentlichen Nahverkehr seien kürzer als 3 km. Als ideales Nahverkehrsmittel sei das Velo schnell und wendig, ohne Treibstoff und emissionsfrei unterwegs, kostengünstig und förderlich für die Gesundheit, heisst es in einer Medienmitteilung. Ein Wettbewerb will deshalb jede Woche Anreiz zum Umsatteln schaffen. Wer sich am Mittwoch aufs Velo oder E-Bike schwingt, mindestens 3 Kilometer fährt und seine Fahrten mit der Velo-Mittwoch-App aufzeichnet oder unter www.velomittwoch.ch einbucht, kann Preise gewinnen. Die Teilnehmenden wählen zuerst ihren Wunschpreis aus. Je nach Preis sind unterschiedliche Distanzen zurückzulegen. Wer die verlangte Strecke absolviert hat, nimmt an der Verlosung teil.

Der Velo-Mittwoch wird unterstützt von EnergieSchweiz, der Migros, dem Bundesamt für Gesundheit sowie weiteren Partnern.

Sommer in der Stadt, so und hier macht Velofahren Freude: auf dem Drahtschmidli-Steg in Zürich. | © 2017 Dominik Thali