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Emanuel Ammons Liebeserklärung an das Velo

«Velo schenkt Bewegung, Velo bringt Verspieltheit, Velo ist Lebensfreude, Velo schafft Poesie», schreibt der radelnde Schriftsteller und Journalist Dres Balmer. Zu lesen ist der schöne Satz im Vorwort des neuen Bildbands «Velobuch. I love my bicycle». Der Luzerner Fotograf Emanuel Ammon zeigt darin auf 200 Seiten, was ihm in seinem Berufsalltag und auf vielen Reisen pedalgetrieben vor die Linse gekommen ist. Eine unbedingte Empfehlung für alle, die gerne auf zwei Rädern und aus eigener Kraft vorwärts kommen.

Velo schenkt Begegnung. In Ammons Bildersammlung etwa mit der unbekannten Frau in Luzern, zügelnd wohl, die einen Mordsschrank im Anhänger mitschleppt; mit dem alternden Hippie, diesmal mit Cruiser statt Harley; mit dem Knopf im Gepäckträger-Körbchen am Velotag 1985 (der Bub müsste, hat er die Velophilie von seinem Vater geerbt, längst selbst eine Sammlung im Keller stehen haben); mit den seltsam anmutenden Velofahrern auf der Autobahn bei Beckenried vor deren Eröffnung 1980; oder aber mit Kaspar Villiger, dem zukünftigen Bundesrat, wie er sich 1987 in Buttisholz mit einer Art Liegevelo als innovativer Unternehmer präsentiert.

Der Bildband erscheint im Oktober, dem Velofahrer liegt er als PDF-Datei bereits vor. Das Buch umfasst gut 30 Jahre Velogeschichte, von 1979 bis 2012; er führt auf zwei Rädern durch viele Schweizer Städte und Dörfer, aber auch nach Burma, nach Japan, Kuba oder auf die Seychellen; Emanuel Ammon liess sich von der Velostadt Kopenhagen ebenso faszinieren wie von Fahrrad-Polizisten in Texas oder den Rikschafahrern in Indien. Hinzu kommen wunderschöne Velo-Stilleben aus allen Jahreszeiten – wie etwa das herausragend Schattenspiel im Neuschnee auf den Seiten 142 und 143.

Hier wohnen offensichtlich Veloliebhaber: Fahrradhof im deutschen Altlandsberg, fotografiert 2012 von Emanuel Ammon.

Emanuel Ammon hat schon Bildbände publiziert über die Luzerner Fasnacht, Schweizer Kühe oder die Siebzigerjahre. Er liebe einfache Themen, «Themen, die viele Menschen ansprechen können», sagt Ammon. Das Velo ist so ein Thema, und das fasst Dres Balmer in wunderbar klaren Sätzen zusammen:

«Der Mensch auf dem Velo fühlt die Temperatur, er spürt den Wind auf der Haut, er riecht die Lindenblüten, er sieht die Welt mit den Augen, höchstens durch eine Brille, nicht aber durch eine Panzerscheibe, und er frisst hie und da eine Mücke, die ihm in den Mund fliegt. Auf dem Velo kommt er mit der Welt in ein Zwiegespräch, er ist nicht nur gegenüber den Strassenpanzern blutt, sondern auch gegenüber den sinnlichen Einflüssen von aussen. Dazu kommt die eigene Tätigkeit. Man pedaliert ja, man atmet und man schwitzt, man kommt in den Dialog mit der Topographie, spricht mit der Landschaft. Das ist die Welt, und Leben heisst sich bewegen.»

Die Beziehung zum Velo zeigen

Emanuel Ammon hat das Velo schon immer viel fotografiert, als Fotograf des Bundesamts für Umwelt, für Publikationen über Langsamverkehr, für Magazine im In- und Ausland. Sein grosser Fundus war die Grundlage für diesen neuen Bildband. Ammons Sammlung hebt sich wohltuend ab von jenen Hochglanz-Bildbänden über Marken und Sportsmänner, die zahlreich aufgelegt werden. Er wolle «die Beziehung zum Velo» zeigen «und nicht eine Abhandlung über Velo-Typen», sagt Ammon. Schliesslich sind Velos dazu da, gefahren zu werden. Würden mehr Menschen das Velo als Erst-Fahrzeug benutzen, liesse es sich friedlicher leben auf unseren Strassen.

Doch wie hält er selbst mit dem Velofahren? Einerseits weiss Emanuel Ammon das Besondere zu schätzen. Er fährt schon das zweite Moulton, unfreiwillig zwar, denn das erste wurde ihm vor Jahren in Luzern gestohlen. Anderseits fährt er in Luzern viel Velo, hat dieses jedoch auch meist im Auto dabei – «um so in den Bergen schneller vorwärts zu kommen, nach dem Fahrverbot.» Doch leider könne für ihn als Fotograf und Verleger, der sehr viel Ausrüstung dabei habe, «leider nicht das bevorzugte Transportmittel sein».

Luzern ist (noch) keine Velostadt

Ohnehin sei Luzern «leider weit davon entfernt», eine Velostadt zu sein. «Weil, was hier gemacht wird, ist doch eher schöne Kosmetik ist und nicht echte Veloförderung.» Ein paar rote Streifen auf den Boden seien bloss fotogen. Dabei hätte Luzern durchaus das Potenzial zur Velostadt, findet Emanuel Ammon, aber es fehle der Mut dazu. Veloförderung sei oft mit der Ansicht verbunden, damit schade man der Wirtschaft. «Eigentlich komisch, wenn man bedenkt, dass unser Ex-Stapi Urs. W. Studer und auch andere Politiker vor allem mit dem Velo unterwegs sind.» Ammon ist freilich überzeugt: «Das Velo wird trotzdem in naher Zukunft in allen Städten massiv gewinnen. Dann bekommt es vielleicht auch den Platz, den es verdient und vor Allem auch genügend Veloparkplätze.»

«Velobuch. I love my bicycle», Fotos von Emanuel Ammon, mit einem Text von Dres Balmer, 200 Seiten, 24 x 30 cm, Aura-Fotobuchverlag, Luzern, Ladenpreis: Fr. 69.-, ISBN 978-3-9523375-7-8. Mehr unter www.aurabooks.ch

Buchvernissage: Montag, 22. Oktober 2012, 18.30 Uhr, im Velociped in Kriens.

Biker in Crans Montana, fotografiert 2001 von Emanuel Ammon.

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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