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Im Jugendparlament haben Züge nicht einmal ein Veloabteil

In diesem Alter können und wollen sies noch - Velofahren. Das Bild entstand am Urban Bike Festival im April in Zürich. | © 2016 Dominik Thali

Erstens: Gestern (28. Oktober 2016) hat das Jugendparlament des Kantons Luzern die Forderung an den Kantonsrat verabschiedet, die öffentliche Hand solle für alle jungen Menschen bis 25 den Passepartout – das Abonnement für den öffentlichen Verkehr – zu 70 Prozent finanzieren.

Zweitens: Pro Velo, die Lobbyorganisation der Velofahrerinnen und -fahrer in der Schweiz, hat an ihrer heutigen Delegiertenversammlung (29. Oktober 2016) beschlossen, die Veloförderung bei Kindern und Jugendlichen weiter auszubauen. Velofahren sei bei den jungen Menschen in der Schweiz immer weniger populär. In den letzten 20 Jahren habe das Velo bei dieser Zielgruppe stetig an Boden verloren, heisst es in einer Medienmitteilung.

Drittens: Die jungen Politikerinnen und Politiker haben damit gewissermassen vorauseilend die Feststellung der Pro Velo bestätigt. An der Jugendsession, die sich mit der Mobilität befasste, war das Velo jedenfalls kein Thema. Die vier Ateliers, in denen die Jugendlichen diskutierten, behandelten allesamt Massnahmen, mit denen der überbordenden (Auto-)Mobilität begegnet werden könnte, nicht aber mit der Mobilität und unserem Umgang damit selbst. Es ging um den Tiefbahnhof Luzern, die Priorisierung des öffentlichen Verkehrs, Roadpricing und – siehe oben – verbilligte Schülerabonnemente. Dass am Ende diese Forderung am meisten Stimmen erhielt, zeigt Pro Velo, dass sie mit ihrem Beschluss nicht falsch liegt.

Das Jugendparlament weist darauf hin, dass die Gemeinden heute die Schülerabonnemente unterschiedlich verbilligten. Die einen bezahlten gar nichts daran, einige sogar alles. Dies schaffe ungleiche Ausgangsmöglichkeiten für die Benützung des öffentlichen Verkehrs. Der Passepartout wiederum sei «relativ teuer, sodass die Eltern vermehrt auf das Auto ausweichen, um ihre Kinder in die Schule oder zu Vereinsaktivitäten zu fahren», heisst es in einer Medienmitteilung. Dies führe zu unnötiger Umweltbelastung.

Der Kantonsrat wird die Petition natürlich ablehnen. Zu teuer, dürfte das Parlament argumentieren. Nicht auszuschliessen aber, dass wenige insgeheim denken werden, Elterntaxis seien immer noch billiger als staatlich mitfinanzierte öV-Abonnemente oder sichere Velowege.

P.S.: Die Petition des Jugendparlaments ist online nicht verfügbar.

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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