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«Schule und Velo» ist gut. «Lehrer und Eltern und Velo» noch besser

Geht doch und macht Spass: Gymnasiastinnen vor dem Gymnasium Kirchenfeld (BE). | c 2016 Pro Velo Schweiz

Früher wachten unsere Lehrer darüber, dass nur mit dem Velo zur Schule fuhr, wer mehr als einen Kilometer entfernt wohnte. Heute wirbt die «Allianz Schule + Velo» dafür, dass Kinder und Jugendliche das häufiger tun.

Früher war nicht alles besser. Aber manches schon.

Heute muss eine Bundesrätin her, um zu überzeugen, dass Velofahren von Nutzen ist. «Wer mit dem Velo zur Schule fährt, tut etwas für seine Gesundheit und die Umwelt», erklärt Verkehrsministerin Doris Leuthard in der Medienmitteilung, mit der die Allianz, angeführt von Pro Velo, vergangene Woche an die Öffentlichkeit trat.

Früher genügte der Schulhausabwart, um uns vom Velofahren abzuhalten. Wir liessen uns freilich die Flausen nicht austreiben. Hatten mit Vaters Göppel Velofahren gelernt, mit schrägem Rumpf unter dem Oberrohr pedalend, weil wir für den grossen Dreigänger zu klein waren,

Heute radle ich um viertel nach sieben an einer Bushaltestelle vorbei, an der ein halbes Dutzend Jugendliche darauf warten, sich ins 700, 800 Meter nahe Schulhaus fahren zu lassen. Sie starren auf ihre Smartphones, steigen ein und starren weiter.

www.schule-velo.ch heisst die neue Plattform für alle Veloförderangebote an Schulen. Dagegen lässt sich schwerlich etwas einwenden. Aber wer die Fünfzig hinter sich hat, kommt ins Grübeln.

Klammer auf: Die Medienmitteilung im Wortlaut

www.schule-velo.ch ist die neue Plattform für alle Veloförderangebote an Schulen. Sie schafft einen Überblick über Programme und Kurse, die speziell für Schulklassen angeboten werden.

Das Ziel der «Allianz Schule+Velo» ist, dass Kinder und Jugendliche den Schulweg häufiger mit dem Velo absolvieren. Aus diesem Grund lanciert sie die neue Plattform www.schule-velo.ch, auf der alle Veloförderangebote unter einem Dach vereint sind. Die Plattform bietet einen Überblick über Programme wie «bike2school», «DEFI VELO», «bikecontrol» oder «Schule bewegt». Hinzu kommen nützliche Informationen rund um das Thema Velo an Schulen und hilfreiche Unterrichtsmaterialien für Lehrpersonen zum Herunterladen. Die Angebote sind nach Altersstufen gegliedert und mit weiterführenden Informationen verse¬hen. Schule+Velo vereinfacht es interessierten Schulen, das Thema Velo in den Schulalltag zu integrieren.

Sicher auf dem Velo unterwegs

Schule+Velo hat zum Ziel, dass Schülerinnen und Schüler dank den Angeboten früh lernen, mit dem Velo sicher unterwegs zu sein, Spass am Velofahren haben und motiviert werden, den Schulweg häufiger mit dem Velo zurückzulegen. Denn Velofahren ist gesund und umweltschonend: Es verursacht keine CO2-Emissionen, die Bewegung im Alltag fördert die Gesundheit und führt zu einer angenehmen und erholsamen Abwechslung.
«Wer mit dem Velo zur Schule fährt, tut etwas für seine Gesundheit und die Umwelt. Darum unterstützen wir über EnergieSchweiz die Plattform Schule+Velo», erklärt Bundesrätin Doris Leuthard, Vorsteherin des Departementes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation.
Das Velo als Verkehrsmittel erster Wahl

Eine Studie aus der deutschsprachigen Schweiz zeigt, dass rund die Hälfte der Schulkinder ihren Schulweg am liebsten mit dem Velo zurücklegen würde. Tatsächlich aber nutzen weniger als 20 Prozent dafür das Velo. Für diese Diskrepanz gibt es unterschiedliche Gründe: Einschränkende Regelungen an Schulen, die Haltung der Eltern, mangelnde Infrastruktur oder attraktive Angebote an alternativen Transportmöglichkeiten, namentlich des öffentlichen Verkehrs oder des «Elterntaxis». Gesamtschweizerisch nimmt der Veloanteil am Schulweg seit 1994 kontinuierlich ab. Die Schulwege werden immer weniger aus eigener Muskelkraft zurückgelegt.

Einfacher Zugang zum Velo

Um diesen Trends entgegenzuwirken, haben verschiedene Organisationen Ausbildungs- und Animationsprogramme für Schülerinnen und Schüler geschaffen, um diese früh mit dem Velo vertraut zu machen. Denn engagieren sich Schulen aktiv für das Thema Velo, fahren die Schülerinnen und Schüler häufiger mit dem Fahrrad zur Schule. Die Plattform www.schule-velo.ch will diese Förderangebote besser sichtbar machen.

Breite Allianz für die Veloförderung. www.schule-velo.ch wird von der «Allianz Schule+Velo» unter der Federführung von Pro Velo Schweiz und Swiss Cycling betrieben und von EnergieSchweiz unterstützt. In der Allianz haben sich 13 Programmanbieter, Verbände sowie private und öffentliche Organisationen zusammengeschlossen. Sie sind in den Bereichen Schule, Veloförderung und Verkehrssicherheit, Bewegungs- und Gesundheitsförderung sowie nachhaltige Mobilität aktiv

Klammer geschlossen.

Der Velofahrer fügt an und wünscht sich, auf weiteren Ebenen anzusetzen:

  • Lehrerinnen und Lehrer, die ebenfalls mit dem Velo zur Schule fahren. Vorbilder sind.
  • Lehrerparkplätze, die nicht mehr gratis sind.
  • Eine Allianz «Lehrerzimmer+Velo».
  • Mehr Werken in der Schule. Wie früher. Lehrerinnen und Lehrer, die den Kindern und Jugendlichen zeigen, wie man das Velo flickt.
  • Die Aktion «bike2school» ist ein fixes Projekt im Unterricht aller Schulen.
  • Schulleiterinnen und -schulleiter, denen es egal ist, dass ihr Hoheitsgebiet ausserhalb des Schulareals endet und deshalb Elterntaxis verbieten. Damals beim Schulhausabwart wegen dem Velo gings schliesslich auch.
  • Lehrerinnen und Lehrer, die mit ihren Klassen Velotouren machen. Auch solche, auf denen es zwischendurch bergauf geht. Und mehrtägige.
  • Politikerinnen und Politiker, die für sichere Velowege gerne auch unbequem werden. (Aber das ist ein schwieriges Kapitel.)
  • Elternbildung in Sachen Mobilität. (Ein noch schwierigeres)

P.S.: Zu überlegen wäre, ob nicht Bundesrat Ueli Mauer, der frühmorgendlich ins Bundeshaus strampelt, der bessere Velobotschafter wäre als seine Tesla fahrende Kollegin Leuthard.

Autor:

…geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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