Kategorie: Touren

Die Schweiz, auf wenige Quadratkilometer verdichtet

Blick auf den Greyerzersee Richtung Südwesten.

Vorfreude ist (nebst, für manche, der Schadenfreude) die schönste Freude. Was mich betrifft: Steht ein freier Tag an mit der Option, sich in den Sattel zu schwingen, greife ich mir erst die Velokarte Schweiz, um mich im Groben für irgendeine eidgenössische Ecke zu entscheiden, danach für die Feinabstimmung die 60’000er. (Wiewohl diese, soviel in Klammer, zum Radeln fast ebenso wenig taugt wie zum Wandern.) Für die Auffahrtsbrücke, den 14. Mai, kam diesmal das Blatt «Gruyère – Montreux – Gstaad» in die Ortlieb hinten rechts.

Die Abtei Hauterive, an der die Route kurz nach Freiburg vorbeiführt. Die Geschichte des Zisterzienserklosters reicht ins 11. Jahrhundert zurück.

Mit dem GA und Velopass als Grundausstattung lässt sich hierzulande fast jedes Ziel binnen eines Tages er-fahren. Aus der Absicht, von Fribourg aus den Lac de Gruyère zur Hälfte zu umrunden, in Broc Richtung Jaun… Weiterlesen

Grindel, Wahlen und der Scheltenpass

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Geheimnisvoll: Auf der Anfahrt zum Scheltenpass von Delsberg her.

Grindelwald? Kennt jeder. Aber Grindel? Und Wahlen? Zwei Nester südlich von Laufen, die ich auf der ersten Blueschtfahrt er-fahre, auf der ich Handschuhe tragen muss: 7. Mai, aber ein paar wenige Grad nur, diesig und der Asphalt nass. Aber einfach schön. Kurz nach neun Uhr gehts in Basel los, erst der Veloland-Route Nr. 7 entlang westwwärts, Ettingen, Flüh, Mariastein (schöne Grüsse himmelwärts) und auf die Challhöchi, gut 800 Meter, der erste Stutz ist geschafft. Kaum Verkehr. 450 Meter runter gesaust dann bis Laufen, weiter dann, siehe oben, nach diesem Grindel, das von der übrigen Schweiz vergessen zwischen ein paar Jura-Högern vor sich hinträumt.

Die leuchtenden Rapsfelder kontrastieren heute wunderbar zum trüben Himmel.
Der erste Übergang ist geschafft. Von der Challhöchi gehts hinunter ins Laufental.

Jetzt gehts endgültig abseits, immer verträumter dafür, Niederbergli und Oberbergli heissen die nächsten Höfe, und ehe auf 810 Metern der nächste Weiterlesen

Vom Umsteigen aufs und mit dem Velo

Eine wunderbarer Satz über die Leichtigkeit des Unterwegs-Seins auf dem Velo, gelesen in der NZZ am Sonntag vom 18. April 2010 in einem Porträt über den Kulturmanager Ivo Hutzli aus Solothurn:

…zu dritt ging es nun zuerst per Velo nach Instanbul, dann über Georgien, Aserbeidschan, durch Iran, Tafschikistan, Kirgistan und über den Pamir Highway bis zur ersten chinesischen Stadt. Hier trennten sich die drei. Ivo Hutzli bereiste noch China, dann lud er sein Velo in die Transsibirische Eisenbahn. «Von Peking nach Solothurn muss man dreimal umsteigen: In Moskau, Berlin und Olten.»

Vom tiefen Winter in den Walliser Frühling

Schneetreiben in Andermatt…
…Sonne in Reckingen.

Drei Tage auf der Rhone-Route von Veloland Schweiz sind um diese Jahreszeit eine Fahrt durch drei Jahreszeiten. Beim Umsteigen am Ostermontag in Andermatt hüllt uns Schneegestöber ein und wir stapfen durch 20 Zentimeter schönsten Pulverschnee, um die Velos zum Gepäckwagen zu bringen. Handschuhe und Stirnband unterm Helm sind auch auf der anderen Seite des Furkalochs noch ein Muss. Doch hier scheint immerhin schon die Sonne. Oberwald lassen wir links liegen: Noch ein halber Meter Schnee. In Reckingen aber steigen wir aus, satteln die Drahtesel und sausen los. Bis Fiesch allerdings auf der Hauptstrasse, was aber kein

Blick von Ernen talwärts.
Bitte das Velo tragen!

Problem ist, da die Pässe ja noch nicht offen und der Verkehr entsprechend dünn ist. Dann hoch nach Ernen und ins Binntal, wo es an sonnigen Hängen bereits wacker blüht und eine Schicht Faserpelz abgelegt werden darf. Dafür müssen wir in der Binnaschlucht die Velos über zwei, drei umgestürzte Baumstämme hieven. Für jene, die nach uns kommen, säbeln wir mit dem Sackmesser ein paar sperrige Äste ab.

Der Rest ist Genuss pur: Durch Grengiols nach Brig hinunter, nach dem Znacht wieder hoch nach Termen, um auf dem Schmelihof zu übernachten (grossartig, Blick vom Schlafzimmer direkt in die Berge), anderntags dann gemächlich bis Sion, fast alles unmittelbar der Rhone – die bis Sierre/Siders Rotte heisst – entlang. Es wird zunehmend Frühling, die Weinbauern inspizieren ihre Rebberge, derweil sich die Velozipedisten noch angenehm rar machen, der Wind, der einem im Wallis (fast) immer ins Gesicht bläst, hält sich zurück – mit anderen Worten: Lebensfreude herrscht.

Zwischen Brig und Sion.
Naturschutzgebiet vor Sion.

Weiter talwärts wird es hinsichtlich Lufttemperatur beinahe Sommer, wiewohl die Nacht noch kalt war. Die Aprikosen blühen, die Autobahnbauer (die A9 frisst sich durchs Wallis hoch) spüren neue Lebensenergie und die Cafés rücken die Stühle nach draussen. Am Ende haben wir 157 gemächliche Kilometer mehr auf dem Tacho und steigen in St.Maurice wieder in den Zug. Zurück nach Visp, durchs Lötschberg-Loch bernwärts und eine Stunde später hat uns der Alltag wieder. Schön wars!

Rasende Radler

Dies gelesen im «Velojournal» Nr. 2/2010: «Von Wien bis Constanta sind es rund 2000 Kilometer; wir haben sie in drei Wochen zurückgelegt. Irgendwie bereuen wir es, so eilig gereist zu sein. Der Vorsatz für unsere nächste Tour steht fest: Wir wollen die halbe Distanz in doppelter Zeit zurücklegen.» – Und das gedacht: Einsicht ist der schnellste Weg zur Besserung. Der dergestalt rasende Radler verpasst vor lauter radelrasen das Unterwegssein. Schade.
Ansonsten ist die Reportage im wie immer mehr denn lesenswerten «Velojournal» ein Motivationsfaktor, es den beiden Autoren nachzumachen. Von Wien nach Constanta am Schwarzen Meer. In ein bisschen mehr als drei Wochen. Hier kann der Artikel im PDF-Format heruntergeladen werden.