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Veloferien: wichtig ist es, Spass zu haben

Was braucht es, um mit dem Velo tolle Ferientage zu erleben? Wenig, ausser dem Velo selbst, Schlafsack und Zelt. Sicher keine teure Goretex-Ausrüstung oder das neuste GPS-Gerät. Mit dem Velo unterwegs zu sein kostet wenig und macht vor allem Spass. In einem Gastbeitrag erzählt Larissa, meine Götti-«Tochter», von den Tagen an der Loire, die sie im Sommer 2013 erlebt hat. Zur Nachahmung empfohlen!

Vergangenen Sommer erlebte ich meine ersten Veloferien. Zusammen mit einer Freundin, die täglich mit dem Velo fährt, stürzte ich mich in dieses Abenteuer. Obwohl ich selbst nicht ganz so trainiert war, wollte ich doch unbedingt einmal die Erfahrung machen, wie es ist, wenn man einige Tage, bei uns waren es 9, mit dem Velo von Ort zu Ort zieht.

Zuerst galt es, das Wichtigste für unsere Ferien vorzubereiten. Nach einigem Überlegen wählten wir die Loire-Route in Frankreich, mit Startpunkt in Blois. Wir entschieden uns für diesen Startort, damit wir am Ende unserer Tour, bei etwa 50 bis 70 Kilometern pro Tag, den Atlantik erreichen würden. Um eine Karte dieser Strecke dabeizuhaben, kauften wir uns den Bikeline-Radtourenführer dieser Route. Darin befand sich auch eine Auflistung der Übernachtungsmöglichkeiten, was es uns sehr einfach machte, jeden Abend einen ruhigen Platz zum Schlafen zu finden. Ein handliches, kleineres Zelt konnten wir von Bekannten ausleihen, und mussten so nur rund 5 bis 8 Euro pro Person und Nacht ausgeben. Obwohl wir nirgends reserviert hatten, bekamen wir fast überall gleich auf Anhieb einen Platz. Die Zeltplätze der Loire entlang sind alle wirklich sehr schön und ruhig. Der Campingplatz im Amboise war besonders schön gelegen auf einer kleinen Insel mitten in der Loire. Für Velofahrer mit kleinem Zelt findet sich sowieso überall sehr schnell ein Platz. Nur an der Atlantikküste war dies nicht so. Als wir dort den Zeltplatz abends erreichten, mussten wir feststellen, dass schon alles besetzt war. Auch der Nächste war bereits voll. Erst beim dritten Zeltplatz, nach weiteren Stunden Fahrt, hatten wir dann Erfolg.

Vaters Velo

Da ich selbst nur ein Dreigang-Bahnhofsvelo besitze, konnte ich für unsere Tour das Alpina Herren-Fahrrad meines Vaters ausleihen. Um bösen Überraschungen während unserer Ferien vorzubeugen, liess ich es vom Velomech noch kontrollieren. Natürlich hatten wir auch Flickzeug auf der Reise dabei, glücklicherweise kam es aber nie zum Einsatz.

Praktische Velotaschen konnten wir bei Verwandten ausleihen, worüber wir sehr froh waren. In Frankreich begegneten wir auch Velofahrern, die nur mit einem grossen Rucksack unterwegs waren, was bestimmt sehr unbequem gewesen sein muss…

Mit dem TGV fuhren wir von Zürich nach Paris und von dort weiter mit einem Regionalzug nach Blois. Um die Velos transportieren zu dürfen, mussten wir eine Reservierung vornehmen, da im TGV nur sehr wenige Veloplätze vorhanden sind. Der Selbstverlad klappte dann aber ganz gut. Auch auf der Rückreise von St.Nazaire über Paris wieder nach Zürich war der Velotransport kein Problem. Die Billette waren allerdings mit etwa 300 Franken pro Person das teuerste an unserer Reise. Beide Male mussten wir in Paris umsteigen und zwischen verschiedenen Bahnhöfen wechseln. Mit 3 bis 5 Stunden Umsteigezeit und einer Paris-Karte ging das aber sehr gut, obwohl ich Paris mit Velo nicht gerade empfehlen kann.

Das Nötigste genügt

An Gepäck nahmen wir nur das Nötigste mit: Mätteli, Schlafsack, ein paar Kleider, bequeme Schuhe … Die Küche beschränkten wir auf Teller, Tasse und Besteck für zwei, Salz, Tee, eine Pfanne und einen Gaskocher. Dementsprechend einfach fielen auch unsere Mahlzeiten aus. Mittags machten wir ein Picknick und abends kochten wir etwas Schnelles wie z.B. eine Suppe oder Teigwaren mit Tomatensauce. Es war nicht luxuriös, aber genau das gefiel uns!

Mit dem Wetter hatten wir sehr Glück; tagsüber war es sonnig und warm, nur nachts kühlte es etwas ab, und der Morgentau benetzte unser Zelt, sodass wir es jeweils nass einpacken mussten und in der Mittagspause zum Trocknen auslegten.

Die gesamte Route war sehr gut durch Schilder gekennzeichnet, und führte meist auf Velowegen oder wenig befahrenen Strassen durch Wälder, über Felder, durch Dörfer, mal etwas näher, mal etwas weiter entfernt der Loire entlang. Typisch für das Loire-Gebiet waren auch die zahlreichen und sehr schönen Schlösser und Burgen. Ab und zu wechselte die Route auf die andere Flussseite, einmal sogar mit einer Fähre. In unserem Veloreiseführer waren auch Ausflugstipps angegeben, für die wir jedoch selten Zeit hatten, da sie sich meist einige Kilometer abseits der Route befanden. Stattdessen besuchten wir oft Kirchen, an denen wir vorbeikamen, oder genehmigten uns ein feines Glacé. Beim Durchqueren von grösseren Städten wie Tours oder Nantes mussten wir uns stärker anhand der Karte orientieren und fanden so, mit kleineren oder grösseren Umwegen, jedes Mal wieder auf unsere Route zurück.

Industrie-Hektik am Atlantik

Trotz stetigem Gegenwind gelangten wir schliesslich einen Tag früher als geplant zum Atlantik. Dort waren wir allerdings etwas enttäuscht: rund um die Loire-Mündung erstreckte sich ein grosses Hafengebiet mit Industriezonen, und eine riesige Stadt: St. Nazaire. Wir schlängelten uns also da hindurch und erreichten nach langem Suchen doch noch einen schönen Zeltplatz in der Nähe des Meeres. Dort konnten wir dann noch einen Tag ausspannen, die Sonne und das Meer geniessen.

Diese Ferien haben mir unglaublich gut gefallen! Es ist einfach ein schönes Gefühl, eine solche Strecke aus eigener Kraft mit dem Velo zurückzulegen. Möglichst weit zu kommen oder möglichst schnell zu sein, war aber nie unser Ziel, viel wichtiger war der Spass und das unvergessliche Velo-Erlebnis!

Larissa Schmid, Glattfelden

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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