Suche
Suche Menü

Auf dem Velo aus dem Gotthardloch

Wider den verkehrspolitischen Tunnelblick: Der Velofahrer unterwegs durch eine stillgelegten Bahntunnel zwischen Cluny und Mâcon im Sommer 2015. Ι © 2015 Dominik Thali

Ich mein‘ ja nur, aber die 2.8 Milliarden, über die wir am 28. Februar für die «Zweite Röhre» (*) durch den Gotthard abstimmen, sind natürlich ein überaus schlechtes Geschäft. 2.8 Milliarden (solche gewaltige Zahlen darf unsereins nicht einmal denken, wenn wir ab und an um ein paar Laufmeter sichere Veloverbindung bittstellen) für 17 Kilometer Autobahntunnel: ich bitte Sie! Das macht 164’705 Franken und 88 Rappen pro Laufmeter. Zwar beleuchtet und am Schärme, was aber das Preis-Leistungsverhältnis nicht besser macht. Zum Vergleich: Mit dem Sümmchen – ein birebitzeli mehr, als ich in einem Jahr oder 1860 Arbeitsstunden verdiene, liessen an die 300 Meter Rad- und Gehweg bauen. Geteert. Und mit Beleuchtung.

700 Franken für einen Meter Rad- und Gehweg
Ich mein‘ ja nur. Diese Zahlen hab‘ ich nicht etwa aus der Satteltasche geschüttelt, sondern sie haben Hand und Fuss. Genauer: Pnö und Bremse. In der digitalen Bibliothek des Bundesamts für Strassen (Astra), Abteilung www.langsamverkehr.ch lässt sich unter «Materialien» die Broschüre «Baukosten der häufigsten Langsamverkehrsinfrastrukturen. Plausibilisierung für die Beurteilung der Agglomerationsprogramme Verkehr und Siedlung» herunterladen. Darin sind sogar Rechenbeispiele enthalten, und es wird auch aufgelistet, wieviel eine Unterführung, eine Überführung oder eine Rampe so kostet. Für einen Meter 3-Meter-Radweg mit Beleuchtung etwa wird mit 600 Franken gerechnet, für einen 4-Meter-Rad-und-Gehweg mit 700.

Eine Menge Gescheiteres

Mit den 2800’000’000 Franken liesse sich zum Beispiel ein schöner Rad- und Gehweg von Zürich nach Bern durchs Land legen.

2.8 Milliarden: eine Zwei, eine Acht und dann acht Nullen: Mein Taschenrechner (einst ein Werbegeschenk der BauernZeitung», das passt jetzt aber wirklich bestens) kann das gar nicht darstellen. Es dürfte deshalb auch das Fassungsvermögen motorisiert-, betoniert- und asphaltierter Verkehrspolitiker (und -innen) übersteigen, was sich damit Gescheiteres anstellen liesse, was mittelfristig (jawohl, nicht langfristig) so manches Stauproblem lösen täte.

Ich mein‘ ja nur. Mit den 2800’000’000 Franken liesse sich zum Beispiel ein schöner Rad- und Gehweg von Zürich nach Bern durchs Land legen, das sind um die 140 Kilometer. Das sind 140’000 Meter, mal die oben genannten 700 Franken gibt das erst 98 Millionen Franken. Da bliebe noch viel vörig; zum Glück natürlich, denn wir möchten ja nicht der lärmstinkigen A1 entlang pedalen, sondern die Landschaft unterwegs auch geniessen, und da und dort wäre gewiss auch eine Unter- oder Überführung nötig, eine Rampe oder sonst ein dekorativer Kunstbau. Damit wäre aber immer noch nicht alles Geld aufgebraucht, sodass wir für all diese Unter- und Überführungen und dekorativen Rampen den örtlichen Schulklassen einen Dekorationsauftrag erteilen und ihnen dafür eine Zustupf in die Klassenkasse entrichten könnten. (In Klammern: Nebeneffekt Jugendarbeit, fürs Gemeinwohl sprayen statt rumhängen.)

Entstopfen
Ich mein‘ ja nur. Mit den restlichen schätzungsweise 2500 Millionen liessen sich unter anderem bei uns, in Luzern also, sämtlichen langsamverkehrspolitischen Probleme baulich und mit Bestechung lösen, sodass in nicht allzuferner Zeit, spätestens nach ihrem Rücktritt aber, Frau Bundesrätin Doris Leuthard ihren Tesla gegen ein massgefertigtes Velo eintauschen wollen würde, weil dann die Pedaliererei wirklich Spass machen täte, und weil sie so vielen Spass machten täte, würden so viel weniger die Strassen automobil verstopfen, sodass jene, die mit gutem Grund motorisiert unterwegs sein müssen (ja ja, die gibts und da hab ich auch gar nix dagegen), eben unterwegs nicht mehr an Verstopfung leiden müssten.

Ich mein‘ ja nur. Sooo schwierig wär’s eigentlich nicht. Sagen wir erst mal Nein am 28. Februar.

(*) Das mit der «Zweiten Röhre», wie vom Bundesrat angepriesen, stimmt natürlich überhaupt nicht, wie Richard Aschinger in der WOZ vom 15. Januar präzisiert. Der zweite Autobahntunnel wäre das fünfte Loch: nach dem bestehenden Bahntunnel, dem bestehenden Strassentunnel und den zwei neuen Neat-Röhren.

Autor:

…geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.