Einmal wie ein Tourist velocipedieren

Das geflügelte Wort vom In-die-Ferne-schweifen, wo doch das Gute so nahe liege, hört der Fernradler womöglich ungern, wiewohl diese Nähe wirklich nicht schon er-fahren habend. Auf zwei Rädern. Also ist es mir gestern ergangen, einem wunderwarmen Vorfrühlingstag, an dem ich umsetzte, was ich als Velotourist und Gast in Luzern, wohl umsetzen würde: Nämlich diesen mir zu Füssen liegenden See, den Vierwaldstättersee, pedalierend zu umrunden. Ein Ansinnen, das hinsichtlich begleitender Verkehrsmenge zwar nicht erste Wahl sein kann, landschaftlich aber einen geballten Eindruck dessen liefert, was dieses Land so ausnehmend schön macht: Seen, Berge, Landschaft, alles dicht.

Ich fuhr also um acht in der Leuchtenstadt los, im Gegenuhrzeigersinn, freute mich an Himmelblau und Klarsicht, erreichte bald schon Küssnacht, kaffeepausierte in Vitznau und überfuhr kurz nach Brunnen die Grenze zum Kanton Uri. In Flüelen passierte ich das Reussdelta, das sommers zum Bade lüde, und nahm sodann mein Mittagsmahl kurz vor Bauen ein, dieser südlich anmutenden Hier-geht-es-nicht-mehr-weiter-Idylle am Westufer des Urnersees, von wo an es das Rad zu schieben und schultern gilt, 300 Meter hoch ungefähr bis auf den Seelisberg. Die Kraxelei lohnt sich freilich ungemein, denn hier oben öffnet sich uns eine Willhelm-Tell-Urschweiz sondergleichen.

Von 850 Metern gehts vom Seelisberg alsbald wieder auf 450 Meter hinunter nach Beckenried, von wo es sich mehr oder minder gemächlich nach Luzern zurückpedalieren lässt. 106 Kilometer hatte ich dort auf dem Zähler, sieben Stunden war ich samt Pausen unterwegs gewesen. Das nächste Mal würde ich mir die letzten 25 eher verkehrsreichen Kilometer sparen und in Beckenried das Schiff nach Luzern besteigen. Der Velofahrer lässt sich gerne auch mal seefahren.

Blick zurück nach Gisikon: Auf der alten Axenstrasse, die mit dem Velo noch befahren werden darf. | © 2019 Dominik Thali

Von Bauen auf den Seelisberg ist das Velo zu tragen oder zu schieben. Die Aussicht lohnt die Mühe aber allemal. | © 2019 Dominik Thali

Fast wie im hohen Norden: Blick auf den Seelisberg-See (an dem es übrigens im Sommer einen tollen, autofreien Zeltplatz gibt). | © 2019 Dominik Thali

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6 Kommentare

  1. Schöner Bericht!

    Isses denn topographisch dort wirklich so schwer, zwischen Seelisberg und Bauen einen asphaltierten Radweg anzulegen; ggf. auch mittels Tunnel? Autofahrer haben ja den Tunnel der A 2 – aber als Radfahrer kommt man im Grunde nur über die Nord- und Ostseite des Vierwaldstätter Sees in Richtung Uri.

    • Ja, das isses, und es würde auch gar keinen Sinn machen, weil es sehr steil ist, da ein beliebter Wanderweg durch geht und jene Velofahrer, die halt trotzdem GANZ rund um den See wollen, da ihr Zweirad ruhig hochbuckeln sollen. Mich hats jedenfalls nicht gestört.

      • Naja, verkehrlich Sinn würde es angesichts des alternativlosen Umwegs über die Nord- und Ostseite meines Erachtens sehr wohl machen. Das Fahrrad mal so eine Treppenpassage hochtragen mag sicherlich ein besonderes Erlebnis sein – das ist aber auch nix auf Dauer. Mich würde es nerven, weil so die Tourenmöglichkeiten stark eingeschränkt bleiben. Ich hab leider keine hochaufgelösten topographischen Karten aus der Ecke – aber es gibt da südlich von Bauen bereits eine Serpentinenstraße rauf nach „Hutegg“; in etwa auf gleicher Höhe mit dem Weg am Ende / Anfang der Treppe. Müsste man „nur“ mittels eines Weges am Hang miteinander verbinden. Wenn man das wirklich wollen würde, würden das die Schweizer Straßenbauingenieure sicher schaffen. Aber da gilt wohl das Gleiche wie in Deutschland: „Und so einen Aufwand nur für ein paar Radfahrer…!?“ 😉

        Ich finde es allgemein immer wieder erstaunlich, auf was für eigentlich verkehrlich wichtigen Routen dann aber doch nie Straßen gebaut wurden.

  2. (Velo-)verkehrlich wichtig ist diese Route nicht, wer sie fahren will, für den/die ist die Tragepassage, zumal dann, wenn sie/er ein Bike fährt, kein Problem. Ich selbst würde dort auch keinen Veloweg wollen, es gibt auch Strecken, die den Wandersleuten vorbehalten sein sollen. Die Schweizer Strassenbauingenieure würden’s zwar wohl hinkriegen, aber gegen einen solchen landschaftlichen Eingriff würden sich gewiss auch die eingefleischtesten Tourenradler/-innen wehren.
    Hochaufgelöste topografische Karten gibts übrigens auf http://www.schweizmobil.ch gratis; auf diesem Ausschnitt hier findest du Bauen etwa in der Mitte.

  3. He? – das ist doch IM Uhrzeigersinn! Jedenfalls, wenn du die Strecke auf der Karte abfährst…

  4. Hallo Nique, da hast du natürlich recht. Ich konnte lechts und rinks noch nie sehr gut auseinanderhalten…

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