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Scharf beobachtet: Den Velo gehört mehr Platz

Der «Beobachter»-Kiosk-Aushang.

«Es ist höchste Zeit, das Fahrrad in der Verkehrspolitik ernst zu nehmen», schreibt der «Beobachter» in seiner neusten Ausgabe (Nr. 8/2010). Ausgangspunkt für die Titelgeschichte ist die traurige Tatsache, dass 2009 in der  Schweiz 2009 doppelt so viele Velofahrer tödlich verunfallten wie im Vorjahr, nämlich 55.  Darüber hat sich schon im Februar 2010 der VCS besorgt gezeigt (Medienmitteilung unter diesem Link). Das «velojournal» hat in der Ausgabe 2/2010 das Thema aufgenommen (Link zum Artikel oder hierals PDF herunterladen.

Die Rechnung, die der «Beobachter» anstellt, ist altbekannt und wahrscheinlich zu einfach, dass sich die Politik damit befassen mag. Zitat: «Das ist das Potential noch lange nicht ausgeschöpft. Bundesrat Moritz Leuenberger etwa betont gern, dass bei der Hälfte aller Autofahrten weniger als fünf Kilometer zurückgelegt werden. Würde nur schon ein Viertel dieser Kurzfahrten statt mit dem Auto mit dem Velo absolviert, wären auf den Strassen doppelt so viele Velofahrer wie heute unterwegs. Die Folgen würden alle Verkehrsteilnehmer spüren: weniger verstopfte Strassen, weniger Lärm, bessere Luft. »

Doch weit gefehlt. Stephanie Fuchs, Geschäftsführerin der Verkehrs-Club-Sektion beider Basel, kritisiert in dem «Beobachter»-Artikel: «Das Velo wird nicht ernst genommen. Erst wer aus lauter Angst aufs Auto umsteigt, den nehmen die Planer zur Kenntnis.» Dabei gehe es längst nicht immer nur ums Geld. heisst es in dem Artikel weiter. Oft sei die Sicherheit der Radfahrer einfach zweitrangig, wie ein Beispiel aus Baselland zeige. Zitat: Dort hat das Parlament seit den achtziger Jahren Kredite für 80 Millionen Franken zum Ausbau des Radnetzes gesprochen. 20 Millionen davon hat der Kanton bis heute nicht investiert. Jetzt hat der Velobeauftragte des Tiefbauamts, Jürg Widmer, nach 23 Jahren Staatsdienst frustriert gekündigt. Mit seinen Verbesserungsvorschlägen blieb er oft chancenlos. «Jeder redet gern von der Förderung des Veloverkehrs. Doch wenn es darum geht, ob die Sicherheit fürs Velo auf Kosten des motorisierten Verkehrs verbessert werden soll, verliert meist das Velo», sagt er.

Exemplarisch zeige sich da, so der «Beobachter»,  am Kreisel bei der Motorfahrzeugprüfstation Münchenstein BL. Diesen habe das Tiefbauamt letzten Sommer rundum auf 8,5 Meter verbreitert. Offizielle Begründung: Behebung eines Unfallschwerpunkts – allerdings gab es praktisch nur Blechschäden. Nach dem Umbau könnten jetzt überall im Kreisel Lastwagen und Autos nebeneinander fahren. Für Velofahrer tauge der Kreisel aber höchstens noch als Mutprobe. Doch ausgerechnet dort kreuzten sich zwei Radrouten.

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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