Eigentlich wollte der Velofahrer an dieser Stelle auf die grosse Afrika-Reise hinweisen, zu welcher der 38-jährige Zürcher Rechtsanwalt Maurizio Ceraldi am 23. August aufgebrochen ist. In zwei Jahren will Ceraldi Afrika umrunden und dabei für das Hilfswerk Helvetas Geld für ein Wasserprojekt in Mali sammeln. Geplant war, auf dieses Unterfangen hinzuweisen, auf die Website von Ceraldi hinweisen und die Möglichkeit, das Projekt mit Spenden zu unterstützen. Eine Idee war auch, die ellenlange Packliste durchzugehen, die der Afrikafahrer online gestellt hat und der zu entnehmen ist, dass derlei Reisen mittlerweile nicht mehr ohne MacBook G4 durchzuführen ist. (Logo, ohne PC kein WWW).
So war es gedacht. Die Kolumne von Nicole Soland im September-«velojournal» beleuchtet die Sache indessen von einer anderen Seite. Nicht dass sie Maurizios grosse Tour und Spendensammlung in Frage stellt. Mitnichten. Sie fragt sich vielmehr, weshalb die Menschen spenden – beziehungsweise erst dann spenden – wenn jemand in die Pedalen tritt, möglichst weit und an möglichst entrückte Orte. «Oder haben Sie schon von jemandem gehört, der sich in sein Auto setzt und durch Afrika fährt und so Spenden generiert?»
Bitte verrückt werden
Normal sei heutzutage vieles, schreibt Soland, aber Velofahren gehöre nicht dazu. Nur wer verrückt sei, pedale, zum Beispiel, von Basel nach Köln. Sie stellt auch fest, dass es keine Werbung dafür gebe, das Auto zu brauchen, sehr wohl hingegen für das Velo. Zum Beispiel und zurzeit von der Gesundheitsförderung des Kantons Zürich. «Was da genau von einem verlangt wird, seht in dieser Werbung natürlich nicht, nämlich verrückt zu werden statt weiterhin normal zu sein.»
Nicole Solands Schlusssätze sodann könnten als Aufgabenstellung in ein Lehrbuch angehender Werber und Kommunikationsfachleute dienen. Zitat: «Würden die WerberInnen hingegen Klartext schreiben und ‹mehr Verrückte› fordern, die nicht wie gewöhnliche Normalos Auto fahren, könnten sich durchaus mehr Leute angesprochen fühlen. (…) Ich freue mich jedenfalls auf den Tag, an dem so viele verrückt geworden sind, dass es bei Helvetas und anderswo heisst, Velofahrten für einen guten Zweck seien durch andere Events abgelöst worden.»


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