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Wer normal ist, fährt nicht Velo

In Afrika wirds bestimmt ein bisschen wärmer: Maurizio Ceraldi unterwegs in Norwegen 2003. (Bild: www.ceraldi.ch)

Eigentlich wollte der Velofahrer an dieser Stelle auf die grosse Afrika-Reise hinweisen, zu welcher der 38-jährige Zürcher Rechtsanwalt Maurizio Ceraldi am 23. August aufgebrochen ist. In zwei Jahren will Ceraldi Afrika umrunden und dabei für das Hilfswerk Helvetas Geld für ein Wasserprojekt in Mali sammeln. Geplant war, auf dieses Unterfangen hinzuweisen, auf die Website von Ceraldi hinweisen und die Möglichkeit, das Projekt mit Spenden zu unterstützen. Eine Idee war auch, die ellenlange Packliste durchzugehen, die der Afrikafahrer online gestellt hat und der zu entnehmen ist, dass derlei Reisen mittlerweile nicht mehr ohne MacBook G4 durchzuführen ist. (Logo, ohne PC kein WWW).

So war es gedacht. Die Kolumne von Nicole Soland im September-«velojournal» beleuchtet die Sache indessen von einer anderen Seite. Nicht dass sie Maurizios grosse Tour und Spendensammlung in Frage stellt. Mitnichten. Sie fragt sich vielmehr, weshalb die Menschen spenden – beziehungsweise erst dann spenden – wenn jemand in die Pedalen tritt, möglichst weit und an möglichst entrückte Orte. «Oder haben Sie schon von jemandem gehört, der sich in sein Auto setzt und durch Afrika fährt und so Spenden generiert?»

Bitte verrückt werden

Normal sei heutzutage vieles, schreibt Soland, aber Velofahren gehöre nicht dazu. Nur wer verrückt sei, pedale, zum Beispiel, von Basel nach Köln. Sie stellt auch fest, dass es keine Werbung dafür gebe, das Auto zu brauchen, sehr wohl hingegen für das Velo. Zum Beispiel und zurzeit von der Gesundheitsförderung des Kantons Zürich. «Was da genau von einem verlangt wird, seht in dieser Werbung natürlich nicht, nämlich verrückt zu werden statt weiterhin normal zu sein.»

Nicole Solands Schlusssätze sodann könnten als Aufgabenstellung in ein Lehrbuch angehender Werber und Kommunikationsfachleute dienen. Zitat: «Würden die WerberInnen hingegen Klartext schreiben und ‹mehr Verrückte› fordern, die nicht wie gewöhnliche Normalos Auto fahren, könnten sich durchaus mehr Leute angesprochen fühlen. (…) Ich freue mich jedenfalls auf den Tag, an dem so viele verrückt geworden sind, dass es bei Helvetas und anderswo heisst, Velofahrten für einen guten Zweck seien durch andere Events abgelöst worden.»

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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  1. Es ist sicher Ansichtssache, wer als „normal“ oder als „verrückt“ zu gelten hat, kommt aber sicher auch darauf an, in welchem Land man sich fortbewegt. In Indien oder gewissen Ländern Afrikas Velo zu fahren, ist sehr normal bzw. die einzige Alternative zum Gehen. Wer bei seinem nächsten normalen All-Inclusive-Badeurlaub an der Costa da Sol hingegen etwas Verrücktes machen möchte, der möge mit dem Velo von Malaga auf direktem Wege nach Algeciras fahren. Man fährt dort grösstenteils schlicht und einfach auf einer Autobahn, ohne Ausweichmöglichkeit. Übrigens bin ich Baselbieter und nicht Zürcher. Viele Grüsse aus Chefchaouen (Marokko).

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