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Das Velo verursacht nur bescheidene Verkehrskosten

Wer auf Strasse und Schiene unterwegs ist, verursacht Kosten. Welche Verkehrsteilnehmer tragen welchen Anteil davon? Der Kommentar von Kurt in diesem Beitrag veranlasst mich, der Frage nachzugehen. Nachgefragt habe ich dazu bei der Pro Velo und beim VCS. Jürg Tschopp vom VCS hält fest: «Die Autobahnen und Kantonsstrassen werden grossenteils von den Autofahrenden bezahlt. Bei den Gemeindestrassen ist dies jedoch nicht der Fall. Dort werden auch allgemeine Steuermittel eingesetzt, die von Steuerzahlenden ohne Auto stammen.» Aha. Als Steuerzahler komme ich also durchaus auf für die Velowege und -verbindungen, die ich benütze. Kommt hinzu, dass diese ungleich viel weniger kosten und viel weniger Fläche benötigen als Autobahnen.

Verkehrsteilnehmer nicht gegeneinander ausspielen

Grundsätzlich gilt ferner: «Velofahrende, ob sie nun (auch) Autofahrer oder sind oder nicht, bezahlen mit ihren Steuern auch die Autoinfrastruktur mit», sagt Marianne Fässler, Projektleiterin und stellvertretende Geschäftsführerin von Pro Velo. Fast jeder Velofahrer sei auch Autofahrer, «das heisst, unsere Gesellschaft ist multimobil und es kann nicht eine Benutzergruppe der Strasse gegen die andere ausgespielt werden.» Fässler nennt das Stichwort Multimobilität und verweist auf Jürg Beckmann, Direktor der Mobilitätsakademie des TCS. Dieser schreibt unter dem Titel «Idealtypen der Mobilität von morgen: ein Analysebild» unter anderem (S. 18): «In der Verkehrsökonomie, einem weiteren wichtigen Handlungsbereich der Verkehrspolitik, findet die Multimobilität dann eben auch ihre Berücksichtigung in der Forderung nach der Internalisierung der externen Kosten des Verkehrs, welche natürlich mittlerweile nicht mehr ohne die Betonung der Berücksichtigung der externen Nutzen ausgesprochen wird. In jedem Fall wird seitens der Verkehrsökonomie im Kontext der Mobilität stärker nach den Externalitäten gefahndet und versucht, sie in die Bereitstellung und Bepreisung von neuen und alten Mobilitätsangeboten miteinzubeziehen. Diese Überlegungen sind insbesondere beim Road Pricing die treibende Kraft. Egal, ob auf lokaler Ebene wie in London und Stockholm, auf nationaler Ebene wie bei den Strassenbenutzungsgebühren für Lastwagen oder auf europäischer Ebene wie im Rahmen der Diskussionen um eine europaweit einheitliche Regelung der Wegekosten. Immer spielt die Frage nach der Internalisierung der externen Kosten eine massgebliche Rolle.»

Verursacherprinzip konsequent anwenden

Diesen reichlich komplizierten Satz lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Das Verursacherprinzip konsequent anwenden. So besehen, schneidet der motorisierte Verkehr ohnehin schlecht ab. Denn: Er bezahlt zwar einen grossen Teil der Strassen, auf denen er fahren, durch Steuern und Abgaben. Die Umwelt- und Unfallkosten, die er verursacht, decken diese Mittel aber nicht. Die aktuellste Kosten-Nutzen-Studie Verkehr des Bundes (sie stammt von 2006) hält dazu fest: «Die Strasse erreicht einen Kostendeckungsgrad von über 90 Prozent. Die Schiene erreicht eine ähnliche Grössenordnung, wenn man die Abgeltungen für gemeinwirtschaftliche Leistungen als Erträge anrechnet. [highlight]Ungedeckt sind Umwelt- und Unfallkosten, beim Strassenverkehr in der Grössenordnung von jährlich 5 bis 6 Milliarden und beim Schienenverkehr von rund 400 Millionen Franken. Diese externen Kosten werden nicht vom Verkehr bezahlt. Sie belasten die öffentliche Hand und Dritte.»[/highlight]

Das Bundesamt für Verkehr weist zudem in seinem Bericht «Strassen und Verkehr 2011 – Zahlen und Fakten» (eine jährliche Publikation) darauf hin, dass die Finanzierungslücke beim Strassenverkehr immer grösser wird. Zitat: « Aktuell ist die Finanzierung der Nationalstrassen noch gesichert, doch bereits kurz- bis mittelfristig besteht Handlungsbedarf. Denn schon heute übersteigt der Bedarf die Erträge aus der Spezialfinanzierung Strassenverkehr (SFSV). Die Rückstellungen nehmen dadurch ab. Derzeit liegen sie bei 2,783 Milliarden Franken (Stand Ende 2010), gegen Ende 2014 werden sie gemäss den Berechnungen des Bundesamts für Strassen unter 1 Milliarde Franken sinken.» Und: « Bereits beim ordentlichen Bedarf zeichnet sich eine Unterdeckung ab. Noch ausgeprägter präsentiert sich die Situation beim absehbaren Bedarf infolge zusätzlicher neuer Aufgaben. Diese sind heute nicht finanziert und mit den aktuellen Einnahmen auch nicht finanzierbar.»

Alles klar?

Artikelbild: www.flickr.com/photos/4veedel/

 

 

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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