Suche
Suche Menü

Das Elektrovelo mit Handy-Abo

Es kommuniziert mit seinem Fahrer: Das ST2 von Stromer.

In einer Zeit, in der die Kaffeemaschine selbstständig Nachschub ordert und die Waschmaschine nach dem Servicetechniker ruft, soll einen dies nicht wundern: Es gibt nun das erst Elektrovelo mit SIM-Karte. Will heissen: Mit Handy-Anschluss. Wer sowas wohl braucht (und auch fährt)? Ich nicht, aber derlei Spielereien faszinieren mich, und wenn sie den einen und anderen Offroader von der Strasse bringen, ist ihr Nutzen bewiesen. Ich befürchte freilich, dass angesicht der Preise dieses neuen Dings – ab rund 6700 Franken aaufwärts – sich die Kundschaft dafür eher unter den Gutbetuchten finden wird, die sich ein (Elektro-)Velo zwecks Steigerung von Mobilität und Coolness zulegen und nicht, weil sie künftig damit auch bei Regen zur Arbeit pedalen würden.

140420_stromvelo_2Wie auch immer: ST2 heisst das Ding, kommt aus dem Hause Stromer in Oberwangen und steht für eine neue Generation von E-Bikes, wie dem Branchenblatt «Cyclinfo» zu entnehmen ist. Natürlich lässt sich das ST2 wie jedes andere Elekrovelo fahren: Schalter ein, losgetreten und ab die Post. In der Elektronik, deren Display sich neu übersichtlich auf dem breiten Oberrohr befindet, steckt aber mehr: Eine SIM-Karte, für die ein Datenpaket von der Swisscom zu lösen ist, und ein GPS-Modul, über die sich das ST2 orten lässt. «Omni» heisst dieses Paket, das es ermöglicht, via Smartphone mit seinem Bike zu kommunizieren, aus der Ferne Einstellungen vorzunehmen und sogar den Diebstahlschutz zu aktivieren. Stromer selbst bzw. der Fachhändler kann darüber auch Software-Updates vornehmen. Welche weitere Kontrolle Stromer weiter über mein ST2 hat, darüber kann ich nur mutmassen: Sind die Leute mir auf der Spur, wenn ich statt zur Arbeit ins Blaue fahre? Auf Damenbesuch statt zur Schwiegermutter? Sind meine Fahrten künftig in irgendeiner Cloud gespeichert?*

Doch wer will das schon wissen? Überhaupt: Wer weiss denn schon, wer sonst noch weiss, wo sein Mercedes, sein BMW oder Toyota gerade steht? Man gibt sein Leben via Smartphone ja eh preis. Vielleicht hat der Hersteller meines Autos oder Navis längst irgendwo eine Ortungsfunktion versteckt, von der ich bloss keine Kenntnis habe.

Damit soll der Spass nun auf keinen Fall irgendjemandem verdorben sein. Zumal ich selbst sofort in den Sattel stiege, würden mir die Stromer-Leute ein ST2 vor die Haustüre stellen. Denn mit dem Ding muss die Post ganz schön abgehen: Der Motor bietet eine Leistung von 500 Watt an sowie Drehmoment von 35 Nm. Der ST2 lässt sich auch während der Fahrt aufladen. Im Betrieb erzeugt die Bremsanlage des ST2 Energie, die dann in den Akku zurückgespeist (Rekuperation).

Bilder von der ST2-Website

*Auf Nachfrage teilt der Stromer-Support dazu folgendes mit: «Die Daten werden nirgends gespeichert. Erst wenn von Stromer Daten angefragt werden, dann wird auf zugegriffen. Sonst nicht. Also keine Abfrage, keine Daten. Dient also nur zu einer Ferndiagnose/Update, Ortung eines Diebstahles oder um den Standort zu finden wenn es um ein Problem geht.»

Autor:

…geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.