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Das Elektrovelo fördert die Mobilitätswende

In der Schweiz verkehren über 230’000 Elektrovelos. Die meisten Fahrten damit ersetzen Auto-, Bahn- und Buskilometer. Dies spart zwar nur rund 0.4 Prozent des Treibhausgas-Ausstosses von Autos. Es zeigt aber: eine Mobilitätswende ist möglich.
Dies hält der Bericht «Verbreitung und Auswirkungen von E-Bikes in der Schweiz» fest, den das Bundesamt für Energie am 3. Oktober 2014 veröffentlicht hat. Demnach wurden 2013 rund 50’000 E-Bikes verkauft, womit jedes sechste verkaufte Velo eines mit Hilfsmotor war. Die Studie fragt nach Gründen für dieses Wachstum, nach dem Mobilitätsverhalten der E-Bike-Nutzerinnen und -Nutzer und den damit verbundenen energetischen Wirkungen. Die Ergebnisse beruhen auf den Angaben aus 1652 ausgefüllten Fragebogen, die bei einer schweizweiten Befragung eingingen.

2600 Kilometer pro Jahr

Das Bundesamt für Energie fasst die Studie wie folgt zusammen (gekürzt):

  • Hauptgründe für den Kauf eines E-Bikes sind der Spass am Fahren, das Erhalten und/oder Verbessern der körperlichen Gesundheit sowie die Vorteile des E-Bikes (weniger Anstrengung beim Fahren, Fahrstrecken schneller zurücklegen, grösserer Komfort, grössere Distanzen zurücklegen). Die wichtigsten Entscheidungsfaktoren für die Wahl eines bestimmten E-Bikes sind die Reichweite, die Serviceleistungen und das Akkusystem (integrierter oder abnehmbarer Akku).
  • Für 80 Prozent der E-Bike-Besitzer/innen ist das E-Bike das wichtigste oder das zweitwichtigste Verkehrsmittel in der Alltagsmobilität. Sie legen im Durchschnitt rund 2‘600 km pro Jahr mit dem E-Bike zurück. Zum Vergleich: Die durchschnittlich pro Person und Jahr mit dem Auto zurückgelegte Distanz beträgt rund 10‘000 km.
  • 16 Prozent (400 km) dieser 2600 km sind Neuverkehr (vor allem Velotouren, die vor dem E-Bike-Kauf nicht unternommen wurden). 84 Prozent (2200 km) werden jedoch von anderen Verkehrsmitteln verlagert. Die grössten Verlagerungsbewegungen erfolgen vom Auto (im Durchschnitt knapp 1000 km pro Person), vom öffentlichen Verkehr (570 km) und vom klassischen Velo (420 km).
  • Personen im Erwerbsalter nutzen das E-Bike am häufigsten für den Arbeitsweg. Bei Personen über 65 steht klar die Nutzung für Fahrradtouren im Vordergrund. Neben diesem Hauptzweck wird das E-Bike von beiden Nutzergruppen vor allem für Einkaufsfahrten verwendet sowie für Fahrten zu Freizeitbeschäftigungen (zum Beispiel für die Fahrt zu Freunden oder ins Fitnessstudio). Personen über 65 Jahre nutzen das E-Bike seltener bei schlechten Wetterbedingungen als Personen bis 65 Jahre.
  • Über 90 Prozent der E-Bike-Besitzer/innen haben Zugang zu einem Auto. Gut 60 Prozent der Personen, die ein Auto besitzen, geben an, das Auto «viel seltener» oder «seltener» zu nutzen. Die Nutzung des öffentlichen Verkehrs sowie die zu Fuss zurückgelegten Wege haben sich bei den meisten befragten Personen weniger stark verändert. Nur ein gutes Drittel der E-Bike-Besitzer/innen nutzt den öffentlichen Verkehr seltener oder geht seltener zu Fuss als vor dem E-Bike Kauf.
  • Die Fahrleistung der E-Bikes in der Schweiz betrug im Jahr 2013 rund 595 Millionen Kilometer. Davon sind rund 94 Millionen Kilometer Neuverkehr. Die übrigen 501 Millionen Kilometer ersetzen Fahrten mit anderen Verkehrsmitteln (Auto: 223 Millionen Kilometer, öffentlicher Verkehr 131 Millionen Kilometer, klassisches Fahrrad 94 Millionen Kilometer, motorisierte Zweiräder und Fussverkehr 53 Millionen Kilometer).
  • Für die gesamte Schweiz resultieren im Jahr 2013 Einsparungen von rund 681 Terajoule (TJ) und rund 42‘000 Tonnen CO2-Äquivalenten (CO2equ). Dies entspricht rund 0.4 Prozent der Treibhausgasemissionen von Personenwagen ausgedrückt in CO2equ im Jahr 2010. Die Einsparungen stammen primär aus der Verlagerung von Autokilometern zum E-Bike (669 TJ Primärenergie und 40‘000 Tonnen CO2equ). Die zusätzlich mit dem E-Bike zurückgelegten Kilometer (Neuverkehr) wirken sich praktisch nicht aus. Sie verringern die Einsparungen um lediglich 3.5 Prozent.

Riesiges Potenzial

Der Bericht rechnet mit einem Potenzial an zukünftigen E-Bike-Besitzern/-innen, das zwischen 2.8 und 7.9 Mal höher liegt als die aktuelle Verbreitung von Elektrovelos:

  • Bei der erwerbstätigen Bevölkerung kann je nach Szenario von einem Potenzial zukünftiger E-Bike-Besitzer/innen von 450‘000 bis 1‘400‘000 Personen ausgegangen werden. Bei den Rentner/innen liegt das Potenzial zwischen 182‘000 und 364‘000 Personen. Unter der Annahme gleichbleibender Mobilitätsverhaltensmuster könnten so 1 bis 3 Prozent der von Autos verursachten Treibhausgasemissionen eingespart werden (Stand 2010).
  • Aufgrund ihres geringeren Flächenbedarfs können E-Bikes einen Beitrag zur Entlastung der Strassen- und Schieneninfrastruktur während Spitzenzeiten leisten. Dies ist umso wichtiger, weil sich E-Bikes aufgrund der Streckenlänge für rund 60 Prozent der Arbeitswege eignen würden. Darin liegt ein hohes noch nicht ausgeschöpftes Potenzial. Untermauert wird diese Aussage durch die Analyse der durchschnittlichen Länge der Arbeitswege der befragten E-Bike-Besitzerinnen und -Besitzer, die zwischen 8 und 9 km liegt (bei Velofahrten im Arbeitsverkehr sind es 2.9 km). Damit wird das grosse Potenzial von E-Bikes im Vergleich zum «normalen» Velo insbesondere bei diesen mittleren Pendlerdistanzen nochmals verdeutlicht.

Die Strassen sind zu unsicher

Die grössten Hindernisse (Zustimmung von mehr als 50 Prozent der befragten Personen) für eine häufigere Nutzung von E-Bikes sind die fehlende Strassenverkehrssicherheit und die mangelnde Reichweite des E-Bikes. Weitere wesentliche Hindernisse sind die fehlende Diebstahlsicherheit, das zu hohe Gewicht des E-Bikes und die zu grosse Distanz zum Arbeitsort.

Der Bericht listet aufgrund der Ergebnisse Handlungsempfehlungen für die Hersteller, Strassenverkehrsinfrastrukturbetreiber und die Förderung des E-Bikes im Allgemeinen auf:

  • Hersteller: Gute Serviceleistungen anbieten, Fokus auf die Reduktion des Gewichts und die Erhöhung der Reichweite der E-Bikes.
  • Strassenverkehrsinfrastrukturbetreiber: Erhöhung der Verkehrssicherheit für Zweiräder, möglichst direkte, sichere und gut «lesbare» Velokorridore, Winterdienst auf den von Zweirädern genutzten Wegabschnitten verbessern.
  • Förderstrategien: Verkehrssicherheit der E-Bike-Besitzer/innen durch ein ausgebautes Angebot an Weiterbildungsveranstaltungen verbessern, besondere Anreize zur Nutzung des E-Bikes bei schlechtem Wetter und im Winter (z.B. Informationen über gute Regenkleidung), Bereitstellen öffentlicher Ladestationen, Zusammenarbeit mit Unternehmen zur Förderung der Nutzung von E-Bikes für den Arbeitsweg.
Hier die Studie herunterladen

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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