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Immer weniger Kinder und Jugendliche fahren Velo

Die Nutzung des Velos als tägliches Verkehrsmittel ist auch entscheidend für die spätere Verkehrsmittelwahl. | Quelle/Source: www.pd-f.de / Kay Tkatzik

Bei Kindern und Jugendlichen ging die Velonutzung in den letzten Jahren deutlich zurück. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie des Bundesamts für Strassen. Pro Velo Schweiz hat anlässlich ihrer Delegiertenversammlung vom 7. November 2015 eine Resolution verabschiedet und ruft Bund und Kantone dazu auf, Anreize fürs Velofahren zu schaffen.

Die Medienmitteilung der Pro Velo im Wortlaut:

Wie eine im Juni erschienene Studie (*) des Bundesamtes für Strassen (Astra) zeigt, nahm die Velonutzung bei Kindern und Jugendlichen zwischen 1994 und 2010 in allen Altersgruppen deutlich ab. Die Nutzung des Velos ist bei den 13-15 Jährigen seit 1994 von 38 auf 24 Prozent zurückgegangen, bei den 16- bis 17-Jährigen von 26 auf 13 Prozent und bei den 18- bis 20-Jährigen gar von 20 auf 5 Prozent. Die Gründe liegen bei längeren Schulwegen, bei der Konkurrenz durch den öffentlichen Verkehr und beim Elterntaxi.

Der Autor der Studie, der Sozialwissenschaftler Daniel Sauter, erkennt in dieser Entwicklung einen eigentlichen Paradigmenwechsel. Während Kinder häufiger an ihre Zielorte chauffiert würden, verzichteten Jugendliche aufs individuelle Fahrzeug und nähmen dafür vermehrt den öffentlichen Verkehr und gingen zu Fuss.

Was Hänschen nicht lernt…

«Dass Kinder und Jugendliche immer weniger Velofahren, besorgt uns sehr», sagt Christoph Merkli von Pro Velo Schweiz. «Denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.» Die Nutzung des Velos als tägliches Verkehrsmittel ist nicht nur wichtig für die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, sondern auch entscheidend für die spätere Verkehrsmittelwahl. Die Befürchtung ist gross, dass Kinder und Jugendliche, die nicht Velofahren, auch als Erwachsene aufs Velo verzichten werden. Die negativen Folgen für die eigene Gesundheit, aber auch die Umwelt und den Bedarf an Verkehrsflächen, sind absehbar. Ebenso steigen die Kosten für die Öffentlichkeit und den Steuerzahler.

Aus diesen Gründen hat Pro Velo Schweiz an ihrer Delegiertenversammlung eine Resolution verabschiedet, in welcher der Interessensverband der Velofahrenden Bund, die Kantone und die Gemeinden auffordert,

  • das Velo als Verkehrsmittel in den Schulen zu fördern und zu etablieren. Dazu gehören insbesondere ausreichend Veloparkplätze, sichere Wege sowie der Verzicht auf Veloverbote für die Schulwege, die im Übrigen gesetzlich nicht zugelassen sind;
  • die Aus- und Weiterbildung auf dem Velo zu erhalten und zu stärken, insbesondere mit der schweizweiten Möglichkeit, eine Fahrradprüfung zu absolvieren;
  • Eltern und Schulen zur Förderung des Velofahrens von Kindern und Jugendlichen anzuregen;
  • die Öffentlichkeit über den Nutzen des Velofahrens zu informieren;
    die baulichen Rahmenbedingungen für das Velofahren gerade für jüngere Verkehrsteilnehmer sicher und attraktiv zu gestalten.

(*) Mobilität von Kindern und Jugendlichen. Entwicklungen von 1994 bis 2010. Analyse basierend auf den Mikrozensen «Mobilität und Verkehr»; Bundesamt für Strassen, ASTRA, Bereich Langsamverkehr (Hsg.), Bern, 2014

Hier herunterladen: die Resolution der Pro Velo

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wer schickt heute noch sein Kind mit dem Velo auf die Strasse? Der motorisierte Verkehr hat den Langsamverkehr verdrängt.

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  2. Der wahre Paradigmenwechsel ist doch, dass dank Smartphone die Zeit, die man im öV-Transit verbringt, nicht mehr als verlorene erlebt wird. Gleichzeitige Velo- und Smartphonenutzung unter einen Hut zu bringen, dürfte sich schwierig gestalten…

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