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Das Velo der Bahn hat (zu) wenig Zug

Oft bleibt dem Velofahrer nichts anderes, als dem Zug zu winken: Die Herren (und Damen?) Bähnler treten nicht sehr gerne in die Pedale. (Bild: www.pd-f.de)

«Die Bahn verpasst den Velozug», titel das VCS-Magazin in seiner neuen Ausgabe. Während der Velotransport im Inland gut ausgebaut sei, bleibe er im internationalen
Verkehr ein Stiefkind, schreibt Chefredaktor Peter Krebs. Und: «Den Bahnen droht ein wachsender Markt zu entgehen.» Letzteres gilt freilich nicht nur – zum Beispiel – in Deutschland, wo die ICE-Züge immer noch keine Velos transportieren. In der Schweiz gibts zwar in fast allen Zügen kleinere (häufiger) oder grössere (weniger häufig) Veloabteile, aber es ist, eigentlich, unbegreiflich, weshalb die Politik nicht mehr bzw. endlich Druck auf die SBB machen, den Velopendelverkehr defintiv attraktiv zu machen. Ein bequem, sprich ebenerdig zugängliches und vor allem genügend grosses Veloabteil in jedem Regionalzug und Interregio ist meines Wissens immer noch bei weitem billiger als jeder automobile Strassenneu- und -ausbau.

Sodann dürften die Bähnler selbst, will heissen: Das Bahnpersonal, diesbezüglich ruhig ein bisschen hilfsbereiter sein. Beispiel: Am Ostermontag im Bahnhof Luzern, vor Abfahrt des 7:18-Interregio Richtung Süden. Der wartende Zugführer meint, weiter vorne habe es genügend freie Velohaken, den Gepäckwagen nutzten wir auf eigene Gefahr, sprich: Er helfe uns dann nicht beim Ausladen. Also eilen wir nach vorne, von wo uns der ankommende Zugführer – bingo – zum Gepäckwagen zurückschickt. Wir sollten unsere Velos doch bitteschön dort verstauen. Da macht es zwei Stunden später die Zugführerin der Matterhorn-Gotthard-Bahn doch wesentlich kundenfreundlicher. Sie hilft beim Ein- und Ausladen. Muss sie zwar fast, denn die Plattform der Lok, in welche die Velos zu verladen sind, ist zirka einsfünfzig hoch.

Freude macht auch die Rückkehr aus dem Wallis via Lötschberg-Basistunnel. Im Doppelstöcker ist bei der Abfahrt in Visp zuvorderst noch das ganze Veloabteil frei. Was allerdings an der Jahreszeit gelegen haben dürfte. Am 7. April waren eben noch wenige bis gar keine Velotüüreler unterwegs.

Schliesslich: Am folgenden Freitag, am 9. April, führte eine Halbtagestour von Hochdorf nach Beckenried, wo ich das Schiff zurück nach Luzern nahm. Auf die Frage, ob der Velopass denn nun auch auf dem See gültig sei, entgegnete der nette Matrose, leider nein. Ich solle meine Bitte doch an die SBB richten. Wenn diese bereit sei, der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) den entsprechenden Anteil der GA-Einnahmen zu entrichten, werde man den Velopass umgehend anerkennen.

Ich bitte doch sehr darum, Herr Meyer!

Zurück zum Ausgangspunkt: In der selben Ausgabe des VCS-Magazins erklärt die SBB in einem eingeklebten Faltprospekt, wie es sich «Mit Velo und Zug gut unterwegs» sein lasse. Zitat: «Die Kombinationsmöglichkeiten von Velo und Zug bieten im Alltag und in der Freizeit viele Vorteile.» Daran sollte man sich zuständigenort gelegentlich erinnern.

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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