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Als Pendler bin ich Durchschnitt. Als Velofahrer darüber

Mit dem Velo ist man (auch) als Pendler oft am schnellsten unterwegs. Trotzdem spielt es im Alltagsverkehr immer noch eine untergeordnete Rolle. | © www.pd-f.de / Paul Masukowitz

36,8 Kilometer hat jede Person in der Schweiz 2015 täglich im Verkehr zurückgelegt. Das zeigt die Studie «Mikrozensus Mobilität und Verkehr» des Bundes. Die Mehrheit nimmt als Mass an mir. Mein Arbeitsweg misst von meiner Haustür bis zum Veloabstellplatz vor dem Büro exakt 18,4 Kilometer. Mal zwei macht das Doppelte.

Damit hat sichs aber auch schon mit meiner Vorbildfunktion. Denn knapp zwei Drittel der täglichen Wegstrecke, nämlich 23,8 Kilometer, werden mit dem Auto zurückgelegt, ein Fünftel (7,5 km) mit der Bahn – und nur 900 Meter mit dem Velo, etwa gleich wenig wie fünf Jahre zuvor. «Das Auto fährt vorneweg», stellen das Bundesamt für Statistik (BFS) und für Raumentwicklung (ARE) in ihrer gemeinsam durchgeführten Erhebung fest, die sie am 16. Mai veröffentlicht haben. Der Anteil des Langsamverkehrs (zu Fuss und mit dem Velo) an den Tagesdistanzen ist zwischen 1994 und 2015 mit rund 8 % ungefähr gleich geblieben.

Der «Mikrozensus Mobilität und Verkehr» wird alle fünf Jahre erhoben. Verglichen mit 2010 sind die Pendlerdistanz und die Anzahl Autokilometer pro Person und Tag nahezu stabil geblieben. Mit Abstand wichtigster Verkehrszweck ist und bleibt die Freizeit, wie die neue Erhebung ergab. Rund 44 Prozent der Tagesdistanzen gehen darauf zurück. Das zeigt auch: Der grössten Teil des Verkehrs verursacht also nicht die Pendelei, sondern der Einkauf, das Wochenende in den Bergen, die Fahrt an den See – es sind also Umstände, bei denen wir, anders als womöglich für die Arbeit, das Verkehrsmittel frei wählen könnten.

Weniger Velos

Gemäss der Studie besassen 2015 mehr als drei Viertel (78 %) der Haushalte besassen 2015 mindestens ein Auto, 65 Prozent ein Velo. Gegenüber 2010 ist der Autobesitz der Haushalte um 1 Prozentpunkt, der Velobesitz um 3 Prozentpunkte zurückgegangen. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Haushalte mit E-Bike auf tiefem Niveau verdreifacht: von gut 2 Prozent auf 7 Prozent. E-Bikes werden vor allem für den Arbeitsweg benutzt.

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Was heisst das nun bezüglich Geschwindigkeit? Kommt man mit dem Auto im Endeffekt wirklich schneller voran als mit dem Velo, wenn auch sämtliche Zeitaufwendungen miteinberechnet werden, die für den Erwerb und Unterhalt des fahrbaren Untersatzes notwendig sind? Gestern las ich den dazu passenden Artikel in der NZZ https://www.nzz.ch/feuilleton/die-kunst-des-guten-lebens-antiproduktivitaet-heisst-das-neue-zauberwort-ld.1295140
    „Genau das hat der katholische Priester Ivan Illich für Autos in den USA getan. Das Ergebnis? Ein amerikanisches Auto erreicht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gerade einmal 6 km/h – also Fussgängergeschwindigkeit. Das war in den 1970er Jahren, als die USA 40 Prozent weniger Einwohner verzeichneten als heute und gleich viele Autobahnen. Heute wird die Durchschnittsgeschwindigkeit mit Sicherheit noch tiefer als 6 km/h liegen.“

    Bezüglich Velo stand leider nichts, doch ich vermute, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit bei Velos einiges höher liegen dürfte, da die Investitions- und Unterhaltskosten inkl. Privathaftpflichtversicherung von „Normalvelos“ markant tiefer liegen als bei Autos.

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    • Danke für den spannenden Link, Susanne. Dass Autos eigentlich Steh-Zeuge sind und nicht Fahr-Zeuge, ist mir längst klar. Welche Faktoren aber sonst noch einzubeziehen sind, wie im Artikel beschrieben, war mir nicht bewusst. Gestern hat eine Leserin auf Facebook einen Zentral-plus-Beitrag zur Idee einer Velobrücke in Luzern so kommentiert: «Ist ja wunderbar. Wenn die Stadt den Verkehr nur gleichbehandeln würde. Es ist ja ein Jammer, wie der Individujalverkehr jeden Tag zum Erliegen kommt. Offenbar kann man sich das in Luzern leisten.» Nur Autoverkehr ist offenbar Individualverkehr. Also was mich betrifft: Ich fühl‘ mich auf dem Velo viel individueller.

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  2. sehr bedenklich die Statistik, viel zu wenig Veloverkehr… warum wohl?
    Es wird ja auch fast nichts getan für die Velo Infrastruktur!

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  3. @Syvio: Fehlende Infrastruktur ist das eine, Angstkampagnen das andere. Rückläufig sind insbesondere die Zahlen bei den Schülern, und dies ist bedenklich. Kunststück, wenn der Schulweg als „zu gefährlich für Kinder auf Velos“ deklariert wird und die Hälfte der Primarschulkinder mit dem Elterntaxi herumchauffiert werden.

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  4. Lieber Velofahrer
    Hast du schon mal über dein neues Velo berichtet, und ich habe den Beitrag verpasst?
    Ich bin selbständig Evaluieren und bin gespannt, was du über das Pinion zu erzählen hast.
    Lieber Gruss und Dank Nique

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    • Lieber Nique, recht hast du, dass du nachbohrst, ich habe tatsächlich noch nicht Bilanz gezogen über mein (nicht mehr ganz so neues) Velo, muss dies nun aber nächstens tun. Grüsse zurück, Dominik

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