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Vom tiefen Winter in den Walliser Frühling

Schneetreiben in Andermatt…

…Sonne in Reckingen.

Drei Tage auf der Rhone-Route von Veloland Schweiz sind um diese Jahreszeit eine Fahrt durch drei Jahreszeiten. Beim Umsteigen am Ostermontag in Andermatt hüllt uns Schneegestöber ein und wir stapfen durch 20 Zentimeter schönsten Pulverschnee, um die Velos zum Gepäckwagen zu bringen. Handschuhe und Stirnband unterm Helm sind auch auf der anderen Seite des Furkalochs noch ein Muss. Doch hier scheint immerhin schon die Sonne. Oberwald lassen wir links liegen: Noch ein halber Meter Schnee. In Reckingen aber steigen wir aus, satteln die Drahtesel und sausen los. Bis Fiesch allerdings auf der Hauptstrasse, was aber kein

Blick von Ernen talwärts.

Bitte das Velo tragen!

Problem ist, da die Pässe ja noch nicht offen und der Verkehr entsprechend dünn ist. Dann hoch nach Ernen und ins Binntal, wo es an sonnigen Hängen bereits wacker blüht und eine Schicht Faserpelz abgelegt werden darf. Dafür müssen wir in der Binnaschlucht die Velos über zwei, drei umgestürzte Baumstämme hieven. Für jene, die nach uns kommen, säbeln wir mit dem Sackmesser ein paar sperrige Äste ab.

Der Rest ist Genuss pur: Durch Grengiols nach Brig hinunter, nach dem Znacht wieder hoch nach Termen, um auf dem Schmelihof zu übernachten (grossartig, Blick vom Schlafzimmer direkt in die Berge), anderntags dann gemächlich bis Sion, fast alles unmittelbar der Rhone – die bis Sierre/Siders Rotte heisst – entlang. Es wird zunehmend Frühling, die Weinbauern inspizieren ihre Rebberge, derweil sich die Velozipedisten noch angenehm rar machen, der Wind, der einem im Wallis (fast) immer ins Gesicht bläst, hält sich zurück – mit anderen Worten: Lebensfreude herrscht.

Zwischen Brig und Sion.

Naturschutzgebiet vor Sion.

Weiter talwärts wird es hinsichtlich Lufttemperatur beinahe Sommer, wiewohl die Nacht noch kalt war. Die Aprikosen blühen, die Autobahnbauer (die A9 frisst sich durchs Wallis hoch) spüren neue Lebensenergie und die Cafés rücken die Stühle nach draussen. Am Ende haben wir 157 gemächliche Kilometer mehr auf dem Tacho und steigen in St.Maurice wieder in den Zug. Zurück nach Visp, durchs Lötschberg-Loch bernwärts und eine Stunde später hat uns der Alltag wieder. Schön wars!

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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