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Schicht für Schicht zum neuen Velo. Aus Furnier

Velos sind aus Stahl. Aus Aluminium. Titan. Karbon. Karton. Oder Bambus. Aber nicht nur. Neuerdings gibts welche auch aus Furnier. Dafür sind seine Macher dieser Tage sogar ausgezeichnet worden. Mit dem Red Dot Award, einem der begehrtesten Designerpreise weltweit. In der Kategorie Product Design konnte sich das Furnierfahrrad aus Dresden gegen 1816 Hersteller behaupten, wie es in einer Medienmitteilung heisst.

«Nemus Cajalun» heisst das Stadtvelo des Dresdner Designers Robert Taranczewski (31) und seines Startups Nemus Cycles. Der Holzrahmen des «Cajalun» besteht aus gewickeltem Echtholzfurnier. Dazu werden Furnierlagen von 3 bis 5 Millimetern Breite um einen harten Kern gewickelt und geklebt, der am Ende wieder entfernt wird. Das Ergebnis ist ein festes und leichtes Rohr aus einem umweltfreundlichen Rohstoff. Nemus verwendet bis jetzt zwei einheimische Holzarten: helle Esche und dunkler Nussbaum.

Taranczewski hatte bereits 2008 den Eurobike Award für den Prototypen des «Nemus Cajalun» erhalten. Seither hat er mit seinem Geschäftspartner Curt Beck (30), Ingenieur für Verfahrenstechnik, die Technologie zur Fertigung der Furnierverbundrohre soweit optimiert, dass diese sich für den Velorahmen ebenso eignen wie den Möbel- oder Messebau.

Weniger als zehn Kilo leicht

«Neben dem geringen Gewicht überzeugt unser Urban Bike vor allem durch Belastbarkeit, Langlebigkeit und hohen Fahrkomfort», verspricht Taranczewski. Gemäss seinen Angaben wiegt sein erstes Modell weniger als zehn Kilogramm. Bei gleichem Aussendurchmesser und Gewicht seien die stabilen Leichtbaurohre von ihren Steifigkeitswerten sowie der Elastizität vergleichbar mit Stahl, erklärt das Dresdner Start-up auf Nachfrage, während das Verhältnis zwischen Festigkeit und Gewicht dem von Aluminium ähnele. Außerdem brächen die Holzrohre weniger als solche aus Carbon.

Die Nemus-Velos werden in Dresden gefertigt. Aluminiummuffen verbinden die Holzrohre zu einem stabilen Fahrradrahmen; Rohre und Muffen werden verklebt. Der Rahmen wird danach mit einem matten Klarlack lackiert und somit wetterfest gemacht. Die Lackoberfläche sei härter als das Holz, betont Nemus. Wie bei jedem anderen Lack auch könnten kleine Steinschläge repariert werden. Das Nemus ist freilich kein Allewetter-immer-draussen-Velo: «Generell raten wir dazu, das Rad wettergeschützt unterzustellen.», hält Nemus fest.

Zum Liebhaberpreis

Daran würd‘ ich mich auch halten, denn das Ding ist nicht günstig. Der Verkaufspreis wird bei etwa 5000 Euro liegen, also gut 6000 Franken. Der Markteintritt ist für den kommenden Sommer vorgesehen. Als erstes wird es ein Singlespeed geben, ein Modell mit Nabenschaltung sowie eine vollausgestattete City-Option mit Gepäckträger, Schutzblechen und Beleuchtung sind geplant.

Ob die Nemus-Holzvelos auch in der Schweiz erhältlich sein werden, ist offen. Ein Vertriebspartner wird noch gesucht.

Die Red-dot-Preisverleihung findet am 7. Juli in Essen statt.

Die beiden Nemus-Gründer Robert Taranczewski (rechts) und Curt Beck mit ihrem Velo aus Holzfurnier, für das sie mit dem Red-dot-Award ausgezeichnet wurden.

Die beiden Nemus-Gründer Robert Taranczewski (rechts) und Curt Beck mit ihrem Velo aus Holzfurnier, für das sie mit dem Red-dot-Award ausgezeichnet wurden.

 

Das Nemus-Furniervelo in Nussbaum.

Das Nemus-Furniervelo in Nussbaum.

Autor:

…geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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