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Das Pferd? Heutzutage satteln die hohen Herren das Velo

Man stellt sich das so vor: Ein schöner Samstag ists, die Arbeitswoche getan, Ritter Kuno drängt es an die Sonne, er nimmt sein bestes (Stahl-)Rösslein aus dem Stall und schwingt sich in den Sattel, um Herzdame Gunhilda ennet der Anhöhe die Ehre zu erweisen. Frau Gunhilda erwartet ihren Kuno im merinowollenen Wams bereits am Tor vorm Burggraben, und gemeinsam treten die zwei ein weiteres Stündchen in die Pedale, um Kusine Elisabethen vom benachbarten Schloss auszuführen.

Nun ist das Velo zwar eine Erfindung des 19. Jahrhunderts, aber in etwa wie beschrieben könnte sich das Geschehen an jenem Samstag zwischen Lenzburg, Gränichen und Schlossrued abgespielt haben, immer unter der Annahme, die Herren und Damen Rittersleut‘ kannten im Mittelalter bereits die Fünftagewoche.

Hinaus in ein anderes Leben
Weil letzteres auf uns zutrifft, machten wir uns an diesem wunderprächtigen gestrigen Samstag auf den Weg, den Westast der geplanten Herzschlaufe Seetal (der Velofahrer hat schon hier und hier über das Projekt berichtet) abzufahren. Das Fazit vorweg: Grossartig! «Die Strecke von Lenzburg nach Eschenbach ist eine landschaftliche Abenteuerreise», schreiben die Macher über diesen Abschnitt. In der Tat: Es geht hier auf und ab und kreuz und quer, dass einem buchstäblich Sehen und Hören vergehen. So ist es im schweizerischen Mittelland und deshalb liebe ich all diese Velolandrouten so sehr: Weil sie abseits der Hauptachsen hinaus in ein Leben führen, das man nicht zu Gesicht bekommt, wenn man nicht auf Schusters Rappen oder mit dem Velo unterwegs ist und zuvor auf der 1:25’000er-Karte nach neuen Verbindungen gesucht hat. So viel Unbekanntes auf so engem Raum – vor der eigenen Haustüre!

Die Routenführung gibts freilich erst als internen Entwurf, der Velofahrer kann sie deshalb hier noch nicht im Detail angeben. Doch der Beschrieb ist nicht geheim und darf deshalb hier platziert werden, zumal er zu 100 Prozent passt:

«Ausgehend vom stolzen Lenzburg und dem benachbarten Staufen findet die ruhige Strecke ein Schlupfloch hinter Seon, das in einen zuaberhaften Wald führt, an dessen Ausgang überraschend das Schloss Liebegg aus dem Nichts auftaucht. Wenig später folgt eine zweite Burg, die Trostburg, ebenfalls erhaben und bestens renoviert über Talgrund. Die Strecke verschwindet erneut im Grün des Aargaus und taucht erst wieder auf der Krete des Bööler auf, wo man das weite Land überblickt. Eine Schussfahrt führt nach Schlossrued, wo herrschaftliche Spuren und Lebenskultur verzaubern.
Erneut wird eine Krete erklommen, auf welcher die Strecke über längere Zeit ohne Dorf und Verkehr einherwandert. Wo hat man das noch in der Schweiz? Auch Ortskundige wundern sich über die verschlungenen und doch so aussichtsreichen Wege. Erst in Beromünster wähnt man sich zurück an bekannten Orten und geniesst das prächtige Landflecklein in vollen Zügen. Geschickt findet die Strecke einen Übergang ins Gebiet des Sempachersees, der weit unten glitzert. Das Panorama der Berge und die grün abfallenden Weide- und Obstflächen verwöhnen das Auge. Vorbei an der historischen Stelle der Schlacht bei Sempach findet die Stecke eine Hanglage der sie zusammen mit den regionalen Routen 94 und 99 (Herzroute) bis Eschenbach folgt. Die Strecke Lenzburg – Eschenbach ist ein Must für Landschaftsgourmets und Personen, die gerne ein ungewohntes Schweiz-Erlebnis haben.»

Ein ständiges Auf und Ab
Von Lenzburg nach Eschenbach sind es 67 Kilometer, je rund 1000 Meter geht es rauf und herunter. Es ist wirklich ein ständiges Auf und Ab auf dieser Route, was mit dem Elektrovelo (es wird Batteriewechselstationen geben wie auf der Herzroute) freilich kein Problem ist. Für die Unmotorisierten gilt: Ein bisschen Kondition erhöht die Freude, und Schieben zwischendurch (zum Beispiel an der wirklich giftigen Steigung nach Teufenthal) ist nicht verboten. Zu beachten ist ferner, dass ein Grossteil der Strecke auf Waldstrassen und Feldwegen verläuft, weshalb ein Rennvelo sicher nicht der geeignete Untersatz ist.

Den Machern ist zu wünschen, dass sie es schaffen, die beide Äste der Herzschlaufe Seetal wie geplant bis im Frühjahr 2015 auszuschildern. Der Velofahrer hat gestern mit Kartenhilfe tiptop jede Abzweigung gefunden. Wegweiser überall, wo es notwendig ist (und das wird vielerorts sein) werden das Vergnügen aber erst perfekt machen.

Hier gehts zum Fotoalbum dieser Tour
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Unterwegs auf der Herzschlaufe Seetal oder: Die Welt liegt einem zu Füssen.

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Danke für deine Worte, Asanka, freut mich sehr. Und: Ideen für Themen sind jederzeit willkommen!

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