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Der Sammelband für markenbewusste Velocipedisten

Steuerkopfschilder von Fahrrädern - ein grosses Sammelfeld. | 03.06.2018 Bildschirmfoto

Atlantis, Aurora und Avanti, Geier, Germanenrad und «Glück auf», Zaunkönig, Zenith und Zwingburg: Das sind neun Marken von neun deutschen Fahrrädern, und die Liste liesse sich hier beliebig verlängern. Auf über 8000. Zusammengetragen – genauer: die Steuerkopfschilder davon – hat diese Frank Papperitz, in einen Wälzer, 700 Seiten und 1,4 Kilo, gebunden Verlegerin Maxi Kutschera. Sammelleidenschaft und Velophilie. Das «Handbuch deutscher Fahrradmarken, 1817–1965» liegt nun schon eine Weile auf meiner Ablage, für ein paar Zeilen dazu ist nun just heute der passende Tag: Mitte April hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) den 3. Juni zum weltweiten Tag des Velos erklärt.

Steuerkopfschilder? Das erinnert an Kinderzeiten und Velobörsen. Meine Lebens- und Velo-Gefährtin nannte seinerzeit ein «Egloff» ihr eigen; den Dreigänger hatte sie beim Händler zwei Strassen nebenan nach langem Sparen erworben. Die Plakette mit der Markenbezeichnung vorne unterm Lenker machte das Rad unverwechselbar. An Börsen tauchen bis dato immer mal wieder Velos mit diesen farbig bedruckten oder emaillierten Metallschildern auf, die oft auf den Dorfmechaniker hinweisen, der das Velo seinerzeit zusammengebaut hatte. Heute veredeln Rahmenbauer ihre Massrahmen mit kopiergefrästen oder gelaserten Schildern aus Aluminium oder Messing.

Wer durch Sammler Papperitz‘ Buch blättert, runzelt womöglich erst einmal die Stirn. In dem Nachschlagewerk finden sich über 8000 Graphiken von Steuerkopfschildern deutscher Fahrradmarken. Und gleich viele Marken deutscher Fahrradhersteller, Händler und Grosshändler von 1817 bis etwa 1980 werden genannt. Papperitz listet sogar auf, welche Marken aus welchen Städten und Dörfern kamen: Othello aus Angern bei Magdeburg, Möbius aus Beutzenburg oder Hermedes aus Hannover. Da erstarrt unsereins in Ehrfurcht. Wobei mich solche Sammelleidenschaft nicht mehr erstaunt, seit ich unlängst jemanden kennengelernt habe, der sogar Stromhäuschen – Transformatorenstationen – zusammenträgt. Sachen gibts! Aber Freude macht vieles. Und oft ist damit viel unschätzbare historische Aufarbeitung und Konservierung verbunden.

Im ersten Teil erzählt Frank Papperitz seine «Sammelstory», fasst die Geschichte des Steuerkopfschilds zusammen und beschreibt deren Herstellung. Am Schluss gibt er Tipps für jene, die es ihm gleichtun wollen. Für abenteuerlustige Bike-Packer mag sein Werk damit nicht die bevorzugte Lektüre sein. Geschichtsbewusste Velocipedisten hingegen geben ihm einen Ehrenplatz im Bücherregal und lassen es an einem fröhlichen Abend beim Fachsimpeln unter Seinesgleichen kreisen. Allerlei lustige Wissensspiele dazu und Scrabbeleien dürfen dazu noch erfunden werden.

Frank Papperitz: «Handbuch deutscher Fahrradmarken», Maxime Verlag, 2016; 720 Seiten; Softcover, Fadenbindung; 8055 Grafiken, ca. 60 Franken,ISBN 978-3-906887-00-5

Autor:

...geboren 1963, lebt in Hochdorf im Luzerner Seetal, kommt am liebsten auf zwei Rädern und aus eigener Kraft voran und kriegt schmutzige Hände vorzugsweise im Velokeller.

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